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Darmzotten – Funktion, Aufbau und Erkrankungen

Darmzotten sind fingerförmige Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, die die Oberfläche für die Nährstoffaufnahme enorm vergrößern und damit zentral für die Verdauung sind.

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Wissenswertes über "Darmzotten"

Darmzotten sind fingerförmige Ausstülpungen der Dünndarmschleimhaut, die die Oberfläche für die Nährstoffaufnahme enorm vergrößern und damit zentral für die Verdauung sind.

Was sind Darmzotten?

Darmzotten (lateinisch: Villi intestinales) sind mikroskopisch kleine, fingerförmige Ausstülpungen der Schleimhaut des Dünndarms. Sie sind ein wesentlicher Bestandteil der inneren Darmoberfläche und ermöglichen eine effiziente Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Wasser aus dem verdauten Nahrungsbrei ins Blut. Zusammen mit den sogenannten Mikrovilli – den noch feineren Ausstülpungen auf der Oberfläche der Darmzellen (Enterozyten) – bilden sie den sogenannten Bürstensaum, der die Resorptionsfläche des Dünndarms auf etwa 200 bis 300 Quadratmeter vergrößert.

Aufbau und Struktur

Jede Darmzotte besteht aus verschiedenen Schichten und Zelltypen, die gemeinsam ihre Funktion erfüllen:

  • Epithelzellen (Enterozyten): Sie bedecken die Oberfläche der Zotte und nehmen Nährstoffe aktiv auf.
  • Becherzellen: Produzieren Schleim, der die Darmwand schützt.
  • Lymphgefäß (Chylus-Kapillare / Lakteal): Transportiert resorbierte Fette in das lymphatische System.
  • Blutkapillaren: Nehmen wasserlösliche Nährstoffe wie Zucker und Aminosäuren auf und leiten sie zur Leber.
  • Nervenfasern und glatte Muskelzellen: Ermöglichen Bewegungen der Zotten zur besseren Durchmischung des Darminhalts.

Zwischen den Zotten befinden sich kleine Einsenkungen, die sogenannten Krypten (Lieberkühn-Krypten), in denen neue Darmzellen gebildet werden. Diese erneuern sich etwa alle drei bis fünf Tage vollständig.

Funktion der Darmzotten

Die Hauptaufgabe der Darmzotten ist die Resorption, also die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Dünndarm in den Körper. Im Einzelnen übernehmen sie folgende Funktionen:

  • Aufnahme von Kohlenhydraten (als Einfachzucker wie Glukose und Fruktose)
  • Aufnahme von Aminosäuren und Peptiden aus der Eiweißverdauung
  • Aufnahme von Fettsäuren und Glycerin über das Lymphsystem
  • Aufnahme von Vitaminen (fettlöslich über Lymphe, wasserlöslich über Blut)
  • Aufnahme von Mineralien wie Eisen, Calcium und Zink
  • Rückresorption von Wasser und Elektrolyten

Darmzotten und Erkrankungen

Eine Schädigung oder der Verlust der Darmzotten kann erhebliche gesundheitliche Folgen haben, da die Resorptionsfläche drastisch verringert wird. Dies führt zu einer sogenannten Malabsorption – einer gestörten Nährstoffaufnahme.

Zöliakie

Die häufigste Erkrankung, die direkt die Darmzotten betrifft, ist die Zöliakie (glutensensitive Enteropathie). Dabei reagiert das Immunsystem auf Gluten – ein Protein in Weizen, Roggen und Gerste – und greift die Darmschleimhaut an. Dies führt zu einer fortschreitenden Abflachung und schließlich zum vollständigen Verlust der Darmzotten (Zottenatrophie). Symptome sind Durchfall, Blähungen, Gewichtsverlust und Mangelernährung.

Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung, können Entzündungen im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten und die Darmzotten schädigen, was ebenfalls zu Malabsorption führt.

Tropische Sprue

Die Tropische Sprue ist eine Erkrankung, die in tropischen Regionen vorkommt und durch Infektionen zu einer Atrophie der Darmzotten führt, ähnlich wie bei der Zöliakie.

Weitere Ursachen für Zottenschäden

  • Chemotherapie und Strahlentherapie
  • Schwere Infektionen des Magen-Darm-Trakts
  • Langfristige Mangelernährung
  • Bestimmte Medikamente (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika)

Diagnose bei Erkrankungen der Darmzotten

Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Darmzotten stehen mehrere diagnostische Verfahren zur Verfügung:

  • Dünndarmbiopsie: Eine Gewebeprobe aus dem Dünndarm, meist im Rahmen einer Magenspiegelung (Gastroskopie) entnommen, gilt als Goldstandard zur Beurteilung der Darmzotten.
  • Blutuntersuchungen: Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (tTG-IgA) bei Zöliakie-Verdacht, sowie Parameter für Mangelzustände (Eisen, Vitamin B12, Folsäure).
  • Stuhluntersuchungen: Nachweis von Fettstuhl (Steatorrhoe) als Hinweis auf Malabsorption.
  • Kapselendoskopie: Eine Schluckkapsel mit Kamera ermöglicht eine bildliche Darstellung des gesamten Dünndarms.

Behandlung und Regeneration

Die Behandlung richtet sich nach der Grunderkrankung. Bei Zöliakie ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung die einzige wirksame Therapie. Bei konsequenter Einhaltung können sich die Darmzotten innerhalb von Monaten bis Jahren vollständig regenerieren. Bei entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn kommen entzündungshemmende Medikamente, Immunsuppressiva und biologische Therapien zum Einsatz. Ergänzend ist eine gezielte Nährstoffsubstitution (z. B. Eisen, Vitamin D, B12) oft notwendig, um Mangelzustände auszugleichen.


Quellen

  1. Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – Lernatlas der Anatomie: Innere Organe. 5. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag; 2018.
  2. Ludvigsson JF, Leffler DA, Bai JC, et al. The Oslo definitions for coeliac disease and related terms. Gut. 2013;62(1):43–52.
  3. World Gastroenterology Organisation (WGO). Celiac Disease – Global Guidelines. WGO Practice Guidelines; 2016. Verfügbar unter: https://www.worldgastroenterology.org
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