Dendritische Zelle – Funktion & Bedeutung
Dendritische Zellen sind spezialisierte Immunzellen, die als Brücke zwischen angeborenem und adaptivem Immunsystem fungieren und eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von T-Lymphozyten spielen.
Wissenswertes über "Dendritische Zelle"
Dendritische Zellen sind spezialisierte Immunzellen, die als Brücke zwischen angeborenem und adaptivem Immunsystem fungieren und eine zentrale Rolle bei der Aktivierung von T-Lymphozyten spielen.
Was sind dendritische Zellen?
Dendritische Zellen sind spezialisierte Zellen des Immunsystems, die zu den sogenannten antigenpräsentierenden Zellen (APC) gehören. Ihren Namen verdanken sie ihren charakteristischen, fingerartigen Ausläufern – den sogenannten Dendriten – die an die Verzweigungen von Nervenzellen erinnern. Sie wurden in den 1970er-Jahren von dem Immunologen Ralph Steinman entdeckt, der für diese Entdeckung im Jahr 2011 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt.
Dendritische Zellen befinden sich in nahezu allen Geweben des Körpers, insbesondere in der Haut, den Schleimhäuten, der Lunge und dem Darm – also überall dort, wo der Organismus mit der Außenwelt in Kontakt tritt. Sie wirken als Wächter des Immunsystems und sind in der Lage, Krankheitserreger, Tumorzellen und andere fremdartige Strukturen frühzeitig zu erkennen.
Funktion und Wirkmechanismus
Die Hauptaufgabe dendritischer Zellen liegt in der Antigenpräsentation: Sie nehmen fremde Substanzen (sogenannte Antigene) aus ihrer Umgebung auf, verarbeiten diese und präsentieren die daraus entstehenden Bruchstücke auf ihrer Oberfläche. Dies geschieht mithilfe spezieller Moleküle, den sogenannten MHC-Molekülen (Major Histocompatibility Complex, zu Deutsch: Haupthistokompatibilitätskomplex).
- Reifung und Migration: Nach der Aufnahme von Antigenen reifen dendritische Zellen und wandern in die nächstgelegenen Lymphknoten.
- T-Zell-Aktivierung: Dort präsentieren sie die verarbeiteten Antigene den T-Lymphozyten und aktivieren diese, was eine gezielte Immunantwort auslöst.
- Toleranzinduktion: Dendritische Zellen spielen auch eine wichtige Rolle bei der immunologischen Toleranz, also dabei, dass das Immunsystem körpereigene Strukturen nicht angreift.
Arten dendritischer Zellen
Es gibt verschiedene Untergruppen dendritischer Zellen, die sich in Herkunft, Vorkommen und Funktion unterscheiden:
- Myeloide (klassische) dendritische Zellen: Die häufigste Form, spezialisiert auf die Antigenpräsentation über MHC-II-Moleküle an T-Helfer-Zellen.
- Plasmazytoide dendritische Zellen: Produzieren große Mengen an Interferon-alpha und sind besonders wichtig bei der Abwehr von Virusinfektionen.
- Langerhans-Zellen: Spezialisierte dendritische Zellen der Haut, die als erste Barriere gegen Hautinfektionen und -allergene fungieren.
- Follikuläre dendritische Zellen: Kommen in Lymphfollikeln vor und sind an der Reifung von B-Zellen sowie der Antikörperproduktion beteiligt.
Klinische Bedeutung
Dendritische Zellen sind von großer medizinischer Relevanz, da sie an zahlreichen Krankheitsprozessen beteiligt sind:
Autoimmunerkrankungen
Eine gestörte Funktion dendritischer Zellen kann zur Autoimmunität beitragen, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Erkrankungen wie Multiple Sklerose, rheumatoide Arthritis oder Typ-1-Diabetes werden mit einer Fehlfunktion dieser Zellen in Verbindung gebracht.
Allergien
Bei allergischen Reaktionen spielen dendritische Zellen eine Schlüsselrolle bei der Sensibilisierung des Immunsystems gegenüber harmlosen Substanzen (Allergenen) und der Auslösung von Überempfindlichkeitsreaktionen.
Tumorimmunologie
Dendritische Zellen sind in der Lage, Tumorantigene zu erkennen und das Immunsystem gegen Krebszellen zu aktivieren. Dies hat zur Entwicklung von dendritischen Zell-Vakzinen geführt, die in der Krebsimmuntherapie eingesetzt werden. Ein bekanntes Beispiel ist das Medikament Sipuleucel-T, das zur Behandlung des Prostatakarzinoms zugelassen ist.
Infektionskrankheiten
Bei der Abwehr von Bakterien, Viren und Pilzen sind dendritische Zellen entscheidend für die Koordination einer effizienten Immunantwort. Manche Erreger, wie das HI-Virus (HIV), haben Strategien entwickelt, dendritische Zellen zu unterwandern und die Immunantwort zu hemmen.
Dendritische Zellen in der Medizin der Zukunft
Die Erforschung dendritischer Zellen eröffnet vielversprechende Ansätze in der modernen Medizin. Neben der Krebsimmuntherapie werden dendritische Zellen auch im Bereich der Transplantationsmedizin untersucht, um die Abstoßung von Organen zu verhindern. Auch die Entwicklung neuer Impfstoffe profitiert von einem besseren Verständnis dieser Zellen, da gezielte Antigene an dendritische Zellen gekoppelt werden können, um starke Immunantworten auszulösen.
Quellen
- Steinman, R. M. & Cohn, Z. A. (1973): Identification of a novel cell type in peripheral lymphoid organs of mice. Journal of Experimental Medicine, 137(5), 1142–1162.
- Banchereau, J. & Steinman, R. M. (1998): Dendritic cells and the control of immunity. Nature, 392(6673), 245–252.
- World Health Organization (WHO): Innate Immunity and Vaccine Development – Scientific Advisory Group of Experts (SAGE) reports. Verfügbar unter: https://www.who.int
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems