Desfluran – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Desfluran ist ein Inhalationsanaesthetikum, das zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie eingesetzt wird. Es wirkt schnell und ist gut steuerbar.
Wissenswertes über "Desfluran"
Desfluran ist ein Inhalationsanaesthetikum, das zur Einleitung und Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie eingesetzt wird. Es wirkt schnell und ist gut steuerbar.
Was ist Desfluran?
Desfluran (chemische Bezeichnung: Desfluranum) ist ein volatiles Inhalationsanaesthetikum aus der Gruppe der halogenierten Ether. Es wird in der Anästhesiologie zur Einleitung und vor allem zur Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie bei operativen Eingriffen eingesetzt. Desfluran zeichnet sich durch seinen sehr niedrigen Blut-Gas-Verteilungskoeffizienten aus, was eine schnelle An- und Abflutung im Körper ermöglicht.
Wirkmechanismus
Desfluran entfaltet seine betäubende Wirkung hauptsächlich durch die Hemmung erregender Neurotransmitter (insbesondere NMDA-Rezeptoren) und die Verstärkung hemmender Neurotransmitter (insbesondere GABA-A-Rezeptoren) im zentralen Nervensystem. Dies führt zu:
- Verlust des Bewusstseins (Hypnose)
- Schmerzhemmung (Analgesie)
- Muskelrelaxation
- Unterbindung von Reflexen auf operative Reize
Der sehr niedrige Blut-Gas-Verteilungskoeffizient von ca. 0,42 erklärt die rasche An- und Abflutung: Patienten werden schnell in die Narkose eingeleitet und erwachen nach Absetzen des Mittels zügig wieder.
Indikationen und Anwendung
Desfluran wird hauptsächlich zur Aufrechterhaltung einer Allgemeinanästhesie bei Erwachsenen und älteren Kindern eingesetzt. Aufgrund seiner stechenden Eigenschaft ist es zur Einleitung der Narkose per Inhalation weniger geeignet, da es Reizungen der Atemwege, Hustenreiz und Laryngospasmus verursachen kann. Die Einleitung erfolgt daher in der Regel intravenös, zum Beispiel mit Propofol.
Typische Einsatzgebiete umfassen:
- Kurze und mittellange operative Eingriffe
- Ambulante Chirurgie, bei der eine schnelle Erholung erwünscht ist
- Eingriffe bei Patienten, die von einer schnellen Ausleitung profitieren
Dosierung
Desfluran wird über einen speziellen beheizten Vaporisat (Vaporisator) dosiert, da es bei Raumtemperatur einen sehr hohen Dampfdruck besitzt. Die erforderliche Konzentration wird in Volumenprozent angegeben und richtet sich nach dem minimalen alveolären Konzentrationswert (MAC), der für Desfluran bei etwa 6–7 Vol.% bei Erwachsenen liegt. Die genaue Dosierung wird individuell durch das Anästhesieteam angepasst.
Nebenwirkungen
Wie alle Inhalationsanaesthetika kann Desfluran Nebenwirkungen verursachen. Häufige und bekannte unerwünschte Wirkungen sind:
- Atemwegsreizung: Husten, Laryngospasmus, erhöhter Sekretfluss bei der Einleitung per Inhalation
- Herz-Kreislauf-Effekte: vorübergehender Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks bei schneller Konzentrationserhöhung
- Übelkeit und Erbrechen nach der Operation (PONV – Postoperative Nausea and Vomiting)
- Blutdruckabfall bei hohen Konzentrationen
- Maligne Hyperthermie: seltene, aber lebensbedrohliche genetische Reaktion auf Inhalationsanaesthetika
Kontraindikationen
Desfluran sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Disposition zur malignen Hyperthermie
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber halogenierten Ether-Anaesthetika
- Schweren Leberschäden, die durch vorherige Exposition gegenüber halogenierten Anaesthetika verursacht wurden
Umweltaspekte
Desfluran hat ein erhebliches Treibhauspotenzial (Global Warming Potential, GWP) und trägt im Vergleich zu anderen Inhalationsanaesthetika wie Sevofluran oder Isofluran deutlich stärker zur Klimaerwärmung bei. Viele Kliniken und Fachgesellschaften haben daher empfohlen, den Einsatz von Desfluran zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. In einigen Ländern wie Deutschland wurde Desfluran aufgrund dieser Ökobilanz bereits vom Markt genommen oder seine Verwendung stark eingeschränkt.
Quellen
- Patel, S.S. & Goa, K.L. (1995): Desflurane – A Review of its Pharmacodynamic and Pharmacokinetic Properties and its Efficacy and Safety in General Anaesthesia. In: Drugs, 50(4), S. 742–767.
- Butterworth, J.F. et al. (2022): Morgan & Mikhail's Clinical Anesthesiology, 7. Auflage. McGraw-Hill Education.
- European Medicines Agency (EMA): Produktinformation zu Suprane (Desfluran). Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
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