Desogestrel: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Desogestrel ist ein synthetisches Gestagen, das als hormonelles Verhütungsmittel eingesetzt wird. Es hemmt den Eisprung und wird als Minipille verwendet.
Wissenswertes über "Desogestrel"
Desogestrel ist ein synthetisches Gestagen, das als hormonelles Verhütungsmittel eingesetzt wird. Es hemmt den Eisprung und wird als Minipille verwendet.
Was ist Desogestrel?
Desogestrel ist ein synthetisches Gestagen (Progestogen) der dritten Generation, das in der hormonellen Verhütung weit verbreitet eingesetzt wird. Es gehört zur Gruppe der Progestine und wird primär als Wirkstoff in der sogenannten Minipille verwendet. Im Gegensatz zu älteren Minipillen hemmt Desogestrel verlässlich den Eisprung und bietet damit eine hohe verhütende Wirksamkeit.
Wirkmechanismus
Desogestrel entfaltet seine verhütende Wirkung über mehrere Mechanismen:
- Hemmung des Eisprungs (Ovulationshemmung): Desogestrel unterdrückt die Ausschüttung der Hormone LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) aus der Hirnanhängedruse, was zur Verhinderung des Eisprungs führt.
- Veränderung des Gebärmutterschleims: Der Zervixschleim wird eingedickt, sodass Spermien die Gebärmutter schwerer erreichen können.
- Veränderung der Gebärmutterschleimhaut: Die Endometriumschleimhaut verändert sich so, dass eine Einnistung einer befruchteten Eizelle erschwert wird.
Anwendungsgebiete
Desogestrel wird in folgenden Situationen eingesetzt:
- Verhütung: Als Minipille zur Empfängnisverhütung bei Frauen jeden Alters, insbesondere auch während der Stillzeit, da es die Milchproduktion nicht beeinträchtigt.
- Alternative für Frauen mit Kontraindikationen gegen Östrogene: Da Desogestrel kein Östrogen enthält, eignet es sich für Frauen, bei denen östrogenhaltige Präparate kontraindiziert sind, z. B. bei erhöhtem Thromboserisiko, Bluthochdruck oder Migräne mit Aura.
- Behandlung von Regelschmerzen: In manchen Fällen wird Desogestrel auch zur Linderung von Dysmenorrhoe (Regelschmerzen) eingesetzt.
Dosierung und Einnahme
Die übliche Dosierung beträgt 75 Mikrogramm Desogestrel täglich, ohne Einnahmepause. Die Einnahme erfolgt jeden Tag zur gleichen Uhrzeit. Das Einnahmefenster beträgt bis zu 12 Stunden, was im Vergleich zu älteren Minipillen (3-Stunden-Fenster) deutlich komfortabler ist. Die Einnahme beginnt in der Regel am ersten Tag der Menstruation.
Nebenwirkungen
Wie alle Hormonpräparate kann Desogestrel Nebenwirkungen verursachen. Zu den häufig berichteten Nebenwirkungen gehören:
- Veränderungen des Menstruationszyklus: Unregelmäßige Blutungen, Schmierblutungen oder das vollständige Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhoe)
- Akne und Hautveränderungen
- Stimmungsveränderungen, depressive Verstimmungen
- Verminderte Libido
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Brustspannen oder Brustschmerzen
- Gewichtszunahme
- Zysten an den Eierstocken (Ovarialzysten), die in der Regel von selbst verschwinden
Kontraindikationen
Desogestrel sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannten oder verdächtigen hormonabhängigen Tumoren (z. B. Brustkrebs)
- Unerklarten vaginalen Blutungen
- Schwerer Lebererkrankung oder Lebertumoren
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Akuter tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie (Vorsicht geboten)
Wechselwirkungen
Bestimmte Medikamente können die Wirksamkeit von Desogestrel vermindern:
- Enzyminduktoren wie Rifampicin, bestimmte Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Carbamazepin) und das pflanzliche Präparat Johanniskraut können den Abbau von Desogestrel beschleunigen und die verhütende Wirkung abschwachen.
- Bei Einnahme solcher Medikamente sollte eine zusätzliche Verhütungsmethode verwendet werden.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Produktinformationen zu Desogestrel-haltigen Arzneimitteln. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Fachinformation Cerazette (Desogestrel 75 Mikrogramm) - Organon Gesundheitspflege B.V., Stand 2023.
- World Health Organization (WHO): Medical eligibility criteria for contraceptive use, 5th Edition, 2015. Verfügbar unter: www.who.int
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