DHEA-S: Hormon, Normalwerte & Bedeutung
DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat) ist ein körpereigenes Hormon der Nebennierenrinde. Es dient als Vorläufer für Sexualhormone und wird im Blut gemessen.
Wissenswertes über "DHEA-S"
DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat) ist ein körpereigenes Hormon der Nebennierenrinde. Es dient als Vorläufer für Sexualhormone und wird im Blut gemessen.
Was ist DHEA-S?
DHEA-S steht für Dehydroepiandrosteron-Sulfat und ist die sulfatierte, im Blut zirkulierende Speicherform des Hormons DHEA. Es wird hauptsächlich in der Nebennierenrinde produziert und gilt als das am häufigsten vorkommende Steroidhormon im menschlichen Körper. DHEA-S dient als Vorläufersubstanz (Prähormon) für die Bildung von Androgenen (männliche Sexualhormone) und Östrogenen (weibliche Sexualhormone).
Biologische Funktion
DHEA-S selbst ist biologisch wenig aktiv, wird aber in peripheren Geweben in aktive Sexualhormone wie Testosteron und Östradiol umgewandelt. Zu den wichtigsten biologischen Funktionen gehören:
- Vorläufer für die Synthese von Androgenen und Östrogenen
- Beteiligung an der Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale (Adrenarche)
- Einfluss auf Muskelmasse, Knochendichte und Stoffwechsel
- Mögliche Rolle bei der Immunfunktion und dem Energiestoffwechsel
Der DHEA-S-Spiegel erreicht seinen Höchstwert zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr und nimmt danach mit zunehmendem Alter kontinuierlich ab – ein Prozess, der als Adrenopause bezeichnet wird.
Diagnose: DHEA-S im Blut messen
Die Bestimmung des DHEA-S-Spiegels erfolgt über eine einfache Blutuntersuchung (Serumtest). DHEA-S ist aufgrund seiner langen Halbwertszeit von etwa 10 Stunden ein stabiler Marker für die Funktion der Nebennierenrinde. Im Gegensatz zu DHEA unterliegt DHEA-S keinen tageszeitlichen Schwankungen, was die Messung vereinfacht.
Normalbereiche (Richtwerte)
Die Referenzwerte variieren je nach Alter und Geschlecht:
- Frauen (20–29 Jahre): ca. 65–380 µg/dl
- Männer (20–29 Jahre): ca. 280–640 µg/dl
- Mit zunehmendem Alter sinken die Werte deutlich ab
Die genauen Referenzbereiche können je nach Labor variieren. Eine Bewertung sollte immer durch ärztliches Fachpersonal erfolgen.
Erhöhte DHEA-S-Werte
Ein zu hoher DHEA-S-Spiegel kann auf verschiedene Erkrankungen oder Zustände hinweisen:
- Adrenogenitales Syndrom (AGS): angeborene Störung der Nebennierenrindenfunktion
- Nebennierenrindentumoren (z.B. Adrenokortikales Karzinom)
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): häufige hormonelle Erkrankung bei Frauen
- Cushing-Syndrom (bei bestimmten Formen)
- Einnahme von DHEA-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln
Klinische Symptome bei erhöhten Werten bei Frauen können sein: Akne, vermehrter Körperhaarbewuchs (Hirsutismus), Menstruationsstörungen und Stimmveränderungen.
Erniedrigte DHEA-S-Werte
Niedrige DHEA-S-Werte können auf folgende Zustände hindeuten:
- Nebennierenrindeninsuffizienz (z.B. Morbus Addison)
- Hypopituitarismus (Unterfunktion der Hirnanhängedruse)
- Langjährige Kortikosteroid-Therapie
- Altersbedingte Abnahme (Adrenopause)
Symptome bei niedrigen DHEA-S-Werten können Erschöpfung, verminderter Antrieb, Libidoverlust und allgemeines Unwohlsein umfassen.
Behandlung und klinische Relevanz
Die Behandlung von Veränderungen des DHEA-S-Spiegels richtet sich nach der Grundursache. Bei einer nachgewiesenen Nebennierenrindeninsuffizienz kann eine DHEA-Substitutionstherapie erwögen werden. In einigen Ländern ist DHEA als Arzneimittel zugelassen (z.B. zur Behandlung von Symptomen der weiblichen sexuellen Dysfunktion), in anderen ist es als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich.
Wichtig: Die eigenständige Einnahme von DHEA-Präparaten ohne ärztliche Aufsicht wird nicht empfohlen, da eine Überdosierung zu unerwünschten Hormonschwankungen führen kann.
Quellen
- Traish, A.M. et al. (2011): DHEA in Aging and Disease. In: Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology, 126(3–5), S. 3–12. DOI: 10.1016/j.jsbmb.2011.02.002
- Labrie, F. (2010): DHEA, Important Source of Sex Steroids in Men and Even More in Women. In: Progress in Brain Research, 182, S. 97–148.
- Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Nebennierenerkrankungen. Abgerufen von www.endokrinologie.net
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