Dialysepflichtigkeit: Ursachen, Symptome & Behandlung
Dialysepflichtigkeit bezeichnet den Zustand, bei dem die Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren und ein Patient dauerhaft auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen ist.
Wissenswertes über "Dialysepflichtigkeit"
Dialysepflichtigkeit bezeichnet den Zustand, bei dem die Nieren nicht mehr ausreichend funktionieren und ein Patient dauerhaft auf ein Nierenersatzverfahren angewiesen ist.
Was ist Dialysepflichtigkeit?
Dialysepflichtigkeit bezeichnet den medizinischen Zustand, bei dem die Nieren eines Patienten dauerhaft und schwerwiegend in ihrer Funktion eingeschränkt sind und nicht mehr in der Lage sind, das Blut ausreichend zu filtern sowie Stoffwechselprodukte und überschüssige Flüssigkeit aus dem Körper zu entfernen. In diesem Zustand ist der Patient auf ein lebenslanges Nierenersatzverfahren – in der Regel die Dialyse – angewiesen, um zu überleben.
Dialysepflichtigkeit tritt typischerweise im Endstadium einer chronischen Nierenerkrankung auf, dem sogenannten terminalen Nierenversagen (auch: chronisches Nierenversagen Stadium G5). Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) liegt in diesem Stadium dauerhaft unter 15 ml/min/1,73 m².
Ursachen
Die häufigsten Ursachen für Dialysepflichtigkeit sind:
- Diabetische Nephropathie: Nierenschaden infolge eines langjährig schlecht eingestellten Diabetes mellitus – die häufigste Einzelursache.
- Arterielle Hypertonie: Dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt die kleinen Blutgefäße in den Nieren.
- Glomerulonephritis: Entzündliche Erkrankungen des Nierenfiltersystems.
- Polyzystische Nierenerkrankung (PKD): Erbliche Erkrankung mit Zystenbildung in den Nieren.
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen und Nierenbeckenentzündungen: Können bei unzureichender Behandlung zu einem chronischen Nierenschaden führen.
- Medikamentöse oder toxische Nierenschaden: Zum Beispiel durch bestimmte Schmerzmittel (NSAR) oder Kontrastmittel.
- Akutes Nierenversagen: Kann in seltenen Fällen in ein dauerhaftes Nierenversagen übergehen.
Symptome
Im fortgeschrittenen Nierenversagen, das zur Dialysepflichtigkeit führt, können folgende Symptome auftreten:
- Ausgepragte Müdigkeit und Schwäche (urämische Enzephalopathie)
- Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), insbesondere an den Beinen und Augenlidern
- Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
- Juckreiz der Haut durch Ablagerung von Harnstoff (urämischer Pruritus)
- Atemprobleme durch Wasseransammlungen in der Lunge
- Bluthochdruck, der schwer einzustellen ist
- Verminderte Urinmenge oder kein Urin mehr
- Konzentrationsschwierigkeiten und Verwirrtheit
Diagnose
Die Diagnose der Dialysepflichtigkeit wird anhand folgender Untersuchungen gestellt:
- Blutuntersuchungen: Bestimmung von Kreatinin, Harnstoff, Elektrolyten (insbesondere Kalium) und der glomerulären Filtrationsrate (eGFR).
- Urinuntersuchungen: Nachweis von Protein oder Blut im Urin als Hinweis auf einen Nierenschaden.
- Nierenultraschall: Beurteilung der Nierengröße und -struktur.
- Nierenbiopsie: Gewebeentnahme zur genauen Ursachenabklärung, wenn erforderlich.
- Klinische Beurteilung: Symptome der Urämie (Harnvergiftung) und der Überwässerung werden bewertet.
Behandlung und Nierenersatzverfahren
Sobald die Dialysepflichtigkeit festgestellt wird, stehen verschiedene Nierenersatzverfahren zur Verfügung:
Hämodialyse
Bei der Hämodialyse wird das Blut des Patienten über einen extrakorporalen Kreislauf durch ein Dialysegerät geleitet, das als künstliche Niere fungiert. Die Behandlung findet in der Regel dreimal pro Woche in einem Dialysezentrum statt und dauert jeweils etwa vier bis fünf Stunden.
Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse wird die natürliche Filtermembran des Bauchfells (Peritoneum) genutzt. Über einen Katheter wird eine spezielle Spüllösung in die Bauchhhöhle eingeleitet, die Abfallstoffe aufnimmt und anschließend wieder abgelassen wird. Diese Methode kann oft zu Hause durchgeführt werden.
Nierentransplantation
Die Nierentransplantation ist die bevorzugte Behandlungsoption für geeignete Patienten, da sie die Lebensqualität erheblich verbessert und die Lebenserwartung im Vergleich zur dauerhaften Dialyse verlängert. Sie setzt die Verfügbarkeit eines geeigneten Spenderorgans voraus.
Lebensqualität und Langzeitbetreuung
Dialysepflichtige Patienten benötigen eine kontinuierliche medizinische Begleitung. Dazu gehören regelmäßige Laborkontrollen, eine angepasste Diät (z. B. Einschränkung von Kalium, Phosphat und Flüssigkeit), Blutdruckmanagement sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen wie Anämie und Knochenstoffwechselstörungen. Psychosoziale Unterstützung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, da die Dialysepflichtigkeit das Alltagsleben erheblich beeinflusst.
Quellen
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney International, 2024.
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Leitlinien zur Nierenersatztherapie. www.dgfn.eu, 2023.
- Levey AS, Coresh J. Chronic kidney disease. The Lancet, 2012; 379(9811): 165–180.
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