Diphenhydramin: Wirkung, Dosierung & Nebenwirkungen
Diphenhydramin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation, das bei Allergien, Schlafstörungen und Reiseübelkeit eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Diphenhydramin"
Diphenhydramin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation, das bei Allergien, Schlafstörungen und Reiseübelkeit eingesetzt wird.
Was ist Diphenhydramin?
Diphenhydramin ist ein Antihistaminikum der ersten Generation, das seit den 1940er Jahren in der Medizin eingesetzt wird. Es blockiert die sogenannten Histamin-H1-Rezeptoren im Körper und hemmt damit die Wirkung von Histamin, einem Botenstoff, der an allergischen Reaktionen maßgeblich beteiligt ist. Darüber hinaus verfügt Diphenhydramin über ausgepägte sedierende (schlaffOrderende) und antiemetische (gegen Übelkeit wirkende) Eigenschaften.
Indikationen – Wann wird Diphenhydramin eingesetzt?
Diphenhydramin wird für verschiedene medizinische Zwecke eingesetzt:
- Allergische Reaktionen: Behandlung von Heuschnupfen, Nesselsucht (Urtikaria), allergischem Juckreiz und leichten allergischen Hautreaktionen.
- Schlafstörungen: Kurzfristige Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen aufgrund seiner sedierenden Wirkung.
- Reiseübelkeit und Schwindel: Vorbeugung und Behandlung von Kinetose (Bewegungskrankheit), Übelkeit und Erbrechen.
- Erkältungsbegleitsymptome: Linderung von laufender Nase und Niesen bei Erkältungen.
- Pruritus: Linderung von Juckreiz unterschiedlicher Ursache, auch bei Insektenstichen.
Wirkmechanismus
Diphenhydramin entfaltet seine Wirkung hauptsächlich über drei Mechanismen:
Histamin-H1-Blockade
Durch die kompetitive Blockade der Histamin-H1-Rezeptoren verhindert Diphenhydramin, dass Histamin seine typischen allergischen Effekte ausLöst – darunter Juckreiz, Rötung, Schwellung und vermehrte Schleimproduktion.
Zentralnervöse Sedierung
Da Diphenhydramin die Blut-Hirn-Schranke leicht überwinden kann, wirkt es auf das zentrale Nervensystem sedierend. Es blockiert zusätzlich muskarinische Acetylcholin-Rezeptoren (anticholinerge Wirkung) sowie Rezeptoren für Serotonin und α-Adrenozeptoren, was zu seiner schlaffOrderenden Wirkung beiträgt.
Antiemetische Wirkung
Die antiemetische Wirkung (Hemmung von Übelkeit und Erbrechen) entsteht durch die Blockade von Histamin- und Acetylcholin-Rezeptoren im Gleichgewichtsorgan und im Brechzentrum des Gehirns.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung richtet sich nach Indikation, Alter und individueller Verträglichkeit. Typische Dosierungen für Erwachsene:
- Allergietherapie: 25–50 mg oral alle 4–6 Stunden (maximale Tagesdosis: 300 mg)
- Schlafstörungen: 25–50 mg oral 30 Minuten vor dem Schlafengehen
- Reiseübelkeit: 25–50 mg oral 30 Minuten vor Reisebeginn
Diphenhydramin ist in verschiedenen Darreichungsformen verfügbar: Tabletten, Kapseln, Sirup sowie Cremes zur topischen Anwendung. Bei Kindern unter 2 Jahren ist die Anwendung kontraindiziert; bei älteren Patienten ist besondere Vorsicht geboten.
Nebenwirkungen
Diphenhydramin kann insbesondere durch seine anticholinergen Eigenschaften eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen:
- Häufig: Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, Verstopfung, Harnverhalten
- Gelegentlich: Sehstörungen (Akkomodationsstörung), Herzrasen (Tachykardie), Verwirrtheit (besonders bei älteren Personen)
- Selten: Paradoxe Erregung (vor allem bei Kindern), Blutdruckabfall, allergische Reaktionen
Aufgrund des Risikos für kognitive Beeinträchtigung und Stürze wird die Anwendung bei älteren Patienten von der PRISCUS-Liste als potenziell inadäquat eingestuft.
Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Diphenhydramin darf nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht bei folgenden Bedingungen eingenommen werden:
- Kombination mit anderen zentral dämpfenden Mitteln (Alkohol, Benzodiazepine, Opioide) – verstärkte Sedierung
- MAO-Hemmer – Gefahr schwerer Wechselwirkungen
- Engwinkelglaukom (Grüner Star)
- Prostatavergrößerung mit Harnverhalten
- Schwangerschaft und Stillzeit (nur nach ärztlicher Rücksprache)
Quellen
- Mutschler, E. et al. – Arzneimittelwirkungen: Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie. 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2013.
- World Health Organization (WHO) – Model Formulary 2008. Antihistamines. WHO Press, Geneva.
- Simons, F.E.R. & Simons, K.J. – Histamine and H1-antihistamines: celebrating a century of progress. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 128(6), 1139–1150 (2011). PubMed PMID: 22075282.
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