Dydrogesteron: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Dydrogesteron ist ein synthetisches Gestagen, das in der Hormontherapie und Gynäkologie eingesetzt wird. Es wirkt ähnlich wie das körpereigene Progesteron.
Wissenswertes über "Dydrogesteron"
Dydrogesteron ist ein synthetisches Gestagen, das in der Hormontherapie und Gynäkologie eingesetzt wird. Es wirkt ähnlich wie das körpereigene Progesteron.
Was ist Dydrogesteron?
Dydrogesteron ist ein synthetisches Gestagen (künstlich hergestelltes Gelbkörperhormon), das strukturell dem natürlichen Progesteron sehr ähnlich ist. Es gehört zur Gruppe der Progestagene und wird seit den 1960er Jahren in der Medizin eingesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen synthetischen Gestagenen besitzt Dydrogesteron nahezu keine androgenen, östrogenen oder kortikosteroiden Nebenwirkungen und gilt daher als gut verträglich.
Indikationen (Anwendungsgebiete)
Dydrogesteron wird bei verschiedenen gynäkologischen Erkrankungen und hormonellen Störungen eingesetzt:
- Endometriose: Behandlung von Gebärmutterschleimhaut-Wucherungen außerhalb der Gebärmutter
- Uterine Dysmenorrhoe: Linderung schmerzhafter Menstruationsblutungen
- Unregelmäßige Menstruationszyklen: Normalisierung des Zyklus bei Progesteronmangel
- Prämenstruelles Syndrom (PMS): Linderung von Beschwerden in der zweiten Zyklusphäse
- Hormonersatztherapie (HRT): Kombination mit Östrogenen zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut
- Frühgravidität und drohende Fehlgeburt: Unterstützung der Schwangerschaft bei Gelbkörperschwäche
- Infertilitas (unerfüllter Kinderwunsch): Unterstützung der Lutealphase bei assistierter Reproduktion
Wirkmechanismus
Dydrogesteron bindet selektiv an den Progesteronrezeptor in den Zielgeweben, insbesondere in der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium). Durch diese Bindung beeinflusst es die Umwandlung des Endometriums von der Proliferations- in die Sekretionsphase, was für die Einnistung eines befruchteten Eies notwendig ist. Gleichzeitig schützt es bei kombinierter Gabe mit Östrogenen das Endometrium vor einer übermäßigen Zellvermehrung (Hyperplasie).
Dydrogesteron hat keine ovulationshemmende Wirkung in therapeutischen Dosen und ist daher kein Verhütungsmittel. Es beeinflusst weder den Fettstoffwechsel noch die Blutgerinnung in klinisch relevantem Ausmaß.
Dosierung und Anwendung
Dydrogesteron wird als Tablette zum Einnehmen angeboten. Die Dosierung hängt von der jeweiligen Indikation ab:
- Bei Endometriose und Dysmenorrhoe typischerweise 5–10 mg täglich in der zweiten Zyklusphäse
- Bei Hormonersatztherapie üblicherweise 10 mg täglich in Kombination mit Östrogen
- Bei drohender Fehlgeburt 40 mg als Einmaldosis, gefolgt von 10 mg alle 8 Stunden bis zum Abklingen der Symptome
Die genaue Dosierung und Therapiedauer sollte stets von einer Ärztin oder einem Arzt festgelegt werden.
Nebenwirkungen
Dydrogesteron wird im Allgemeinen gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen können sein:
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Brustspannen oder -schmerzen
- Übelkeit
- Unregelmäßige Zwischenblutungen (insbesondere zu Beginn der Therapie)
- Depressive Verstimmungen (selten)
- Leichte Ödeme (Wassereinlagerungen)
Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Bei Auftreten von Anzeichen einer Thrombose (Schwellungen, Schmerzen in den Beinen) oder allergischen Reaktionen sollte sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden.
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Dydrogesteron sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Ungeklärten vaginalen Blutungen
- Diagnostiziertem oder vermutetem progesteronabhängigem Tumor
- Schwerer Leberfunktionsstörung
- Porphyrie (seltene Stoffwechselerkrankung)
Wechselwirkungen
Dydrogesteron kann mit einigen Arzneimitteln wechselwirken. Enzyminduzierende Medikamente wie bestimmte Antiepileptika (z. B. Phenytoin, Carbamazepin) oder Rifampicin können den Abbau von Dydrogesteron beschleunigen und dadurch seine Wirksamkeit verringern. Patientinnen sollten alle eingenommenen Medikamente mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprechen.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Assessment Report on Dydrogesterone-containing medicinal products. EMA/CHMP/580082/2020.
- Schindler A.E. et al. - Classification and pharmacology of progestins. Maturitas, 2003; 46(Suppl 1): S7–S16.
- Wahabi H.A. et al. - Progestogen for treating threatened miscarriage. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2018, Issue 8.
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