Dysgnathiechirurgie – Kieferkorrektur erklärt
Die Dysgnathiechirurgie korrigiert Fehlstellungen der Kiefer operativ. Sie verbessert Kauen, Sprechen und das ästhetische Erscheinungsbild nachhaltig.
Wissenswertes über "Dysgnathiechirurgie"
Die Dysgnathiechirurgie korrigiert Fehlstellungen der Kiefer operativ. Sie verbessert Kauen, Sprechen und das ästhetische Erscheinungsbild nachhaltig.
Was ist Dysgnathiechirurgie?
Die Dysgnathiechirurgie ist ein Fachgebiet der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, das sich mit der operativen Korrektur von Kieferfehlstellungen (sogenannten Dysgnathien) beschäftigt. Unter einer Dysgnathie versteht man eine Fehlstellung eines oder beider Kiefer, die über das normale Maß hinausgeht und nicht allein durch kieferorthopädische Behandlung (Zahnspange) korrigiert werden kann. Die Eingriffe werden auch als orthognathe Chirurgie oder umgangssprachlich als Kieferoperation bezeichnet.
Ursachen und Indikationen
Kieferfehlstellungen können verschiedene Ursachen haben:
- Genetische Faktoren: Angeborene Wachstumsstörungen des Kiefers oder Gesichtsschädels
- Wachstumsstörungen: Asymmetrisches oder übermäßiges Knochenwachstum in der Entwicklungsphase
- Traumata: Verletzungen des Kiefers, die zu Fehlstellungen geführt haben
- Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten: Angeborene Fehlbildungen, die den Kiefer beeinflussen
Eine Dysgnathieoperation ist indiziert, wenn Patienten unter funktionellen Einschränkungen wie Kauproblemen, Schluckbeschwerden, Schnarchen, Schlafapnoe oder Kiefergelenksbeschwerden leiden und wenn eine rein kieferorthopädische Behandlung nicht ausreicht.
Häufige Kieferfehlstellungen
- Progenie (Prognathie des Unterkiefers): Der Unterkiefer steht zu weit vor (Vorbiß)
- Retrognathie: Ein Kiefer (meist der Unterkiefer) liegt zu weit zurück (Rückbiß)
- Offener Biß: Zwischen Ober- und Unterkieferfrontzähnen besteht eine Lücke beim Zubeissen
- Kreuzbiss: Seitlicher Versatz der Zahnreihen
- Gesichtsasymmetrie: Unterschiedliches Wachstum der linken und rechten Kieferhälfte
Diagnose und Planung
Vor einem dysgnathiechirurgischen Eingriff erfolgt eine ausführliche Diagnostik:
- Klinische Untersuchung durch Kieferorthopäde und Kieferchirurg
- Fernröntgenaufnahmen und digitale Röntgenbilder zur Kephalometrie (Vermessung der Kieferstrukturen)
- 3D-Planung mittels digitaler Volumentomographie (DVT) und computergestützter Operationsplanung
- Erstellung von Zahnmodellen und Bissschienen (Splints)
Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit zwischen Kieferorthopäden und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen. In der Regel wird vor der Operation eine kieferorthopädische Vorbehandlung durchgeführt, die ein bis zwei Jahre dauern kann.
Operative Verfahren
Oberkieferoperation (Le-Fort-I-Osteotomie)
Bei der Le-Fort-I-Osteotomie wird der gesamte Oberkiefer vom übrigen Gesichtsschädel getrennt und in die gewünschte Position verschoben. Der Eingriff ermöglicht eine Verlagerung des Oberkiefers nach vorn, hinten, oben oder unten sowie eine Rotation.
Unterkieferoperation (Sagittale Spaltungsosteotomie)
Die sagittale Spaltungsosteotomie (nach Obwegeser-Dal Pont) ist das Standardverfahren zur Korrektur von Unterkieferfehlstellungen. Der Unterkiefer wird beidseits durchtrennt und das Zahntragment in die geplante Position gebracht. Die Fixierung erfolgt mit Titanschrauben oder -platten.
Kinnkorrektur (Genioplastik)
Zusätzlich kann eine Genioplastik durchgeführt werden, bei der die Kinnspitze durch Durchtrennung des Knochens repositioniert wird, um das ästhetische Ergebnis zu optimieren.
Bimaxilläre Umstellungsosteotomie
Bei schweren oder kombinierten Fehlstellungen werden Ober- und Unterkiefer gleichzeitig operiert (bimaxilläre Operation), um ein optimales funktionelles und ästhetisches Ergebnis zu erzielen.
Ablauf und Nachsorge
Die Dysgnathiechirurgie wird in Vollnarkose durchgeführt und erfordert in der Regel einen stationären Aufenthalt von drei bis fünf Tagen. In den ersten Wochen nach der Operation ist eine Schonkost (flüssige und weiche Speisen) erforderlich. Schwellungen und Taubheitsgefühle im Gesicht sind normal und klingen innerhalb von Wochen bis Monaten ab. Die kieferorthopädische Nachbehandlung dauert nach der Operation meist noch sechs bis zwölf Monate.
Risiken und Komplikationen
- Vorübergehende oder dauerhafte Taubheitsgefühle durch Nervenirritation
- Schwellungen und Blutergüsse
- Infektionen oder Wundhälungstörungen
- Selten: Nachblutungen oder Schraubenlockerung
- In seltenen Fällen Kiefergelenksbeschwerden
Ergebnisse und Prognose
Die Dysgnathiechirurgie erzielt in den meisten Fällen sehr gute funktionelle und ästhetische Ergebnisse. Patienten berichten nach dem Eingriff häufig über eine deutliche Verbesserung der Kaufunktion, des Sprechens und der Lebensqualität. Die Ergebnisse sind bei korrekter Planung und Durchführung langfristig stabil.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG): Leitlinien zur orthognathen Chirurgie. www.dgmkg.de
- Proffit WR, White RP, Sarver DM: Contemporary Treatment of Dentofacial Deformity. Mosby/Elsevier, 2003.
- Obwegeser HL: Orthognathic Surgery and a Tale of How Three Procedures Came to Be. Plast Reconstr Surg. 2007;120(5):1423-1432.
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