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Eisenabsorptionshemmung – Ursachen und Behandlung

Eisenabsorptionshemmung bezeichnet die Verringerung der Eisenaufnahme im Darm durch bestimmte Stoffe oder Erkrankungen. Sie kann zu Eisenmangel und Anämie führen.

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Wissenswertes über "Eisenabsorptionshemmung"

Eisenabsorptionshemmung bezeichnet die Verringerung der Eisenaufnahme im Darm durch bestimmte Stoffe oder Erkrankungen. Sie kann zu Eisenmangel und Anämie führen.

Was ist Eisenabsorptionshemmung?

Unter Eisenabsorptionshemmung versteht man die verminderte Aufnahme von Eisen aus der Nahrung in den Blutkreislauf über die Darmschleimhaut. Eisen ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das für die Bildung von Hämoglobin (dem roten Blutfarbstoff), den Sauerstofftransport und zahlreiche Stoffwechselprozesse unentbehrlich ist. Wird die Aufnahme dauerhaft gehemmt, kann es zu einem Eisenmangel und in der Folge zu einer Eisenmangelanämie kommen.

Mechanismus der Eisenabsorption

Eisen liegt in der Nahrung in zwei Formen vor: als Hämeisen (aus tierischen Quellen, z. B. Fleisch) und als Nicht-Hämeisen (aus pflanzlichen Quellen). Hämeisen wird direkt und sehr effizient vom Dünndarm aufgenommen. Nicht-Hämeisen muss zunächst durch das Enzym Ferrireduktase in seine zweiwertige Form (Fe²⁺) umgewandelt werden, bevor es über den Transporter DMT1 (Divalent Metal Transporter 1) in die Darmzellen gelangen kann. Dieser Prozess ist anfälliger für Hemmungen durch verschiedene Nahrungsbestandteile und Erkrankungen.

Ursachen der Eisenabsorptionshemmung

Nahrungsbestandteile als Hemmstoffe

  • Phytate (Phytinsäure): In Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen enthalten. Phytate binden Eisen im Darm und machen es unlöslich, sodass es nicht aufgenommen werden kann.
  • Polyphenole und Tannine: Vorkommen in Tee, Kaffee, Rotwein und einigen Gemüsesorten. Sie bilden unlösliche Komplexe mit Eisen und hemmen so die Resorption erheblich.
  • Kalzium: Eine hohe Kalziumzufuhr (z. B. aus Milchprodukten oder Kalziumpräparaten) kann die Aufnahme sowohl von Häm- als auch von Nicht-Hämeisen beeinträchtigen.
  • Oxalate: In Spinat, Rhabarber und Kakao enthalten; binden Eisen und verringern dessen Bioverfügbarkeit.
  • Phosphate: In Fertigprodukten und Softdrinks vorkommende Phosphatzusätze können die Eisenresorption hemmen.

Medikamente als Hemmstoffe

  • Protonenpumpenhemmer (PPI) und Antazida: Diese Medikamente reduzieren die Magensäure, die für die Umwandlung von Fe³⁺ zu Fe²⁺ notwendig ist, und beeinträchtigen so die Eisenaufnahme.
  • Tetracycline und Fluorchinolone: Diese Antibiotika bilden Chelatkomplexe mit Eisen, die weder resorbiert werden noch die antibiotische Wirkung entfalten können.
  • L-Thyroxin: Schilddrüsenhormone können in Kombination mit Eisenpräparaten deren Resorption gegenseitig hemmen.

Erkrankungen als Ursache

  • Zöliakie: Die chronische Entzündung und Zottenatrophie im Dünndarm reduziert die Resorptionsfläche erheblich.
  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen stören die Aufnahmefähigkeit des Darms.
  • Heliobacter-pylori-Infektion: Kann die Magensäureproduktion beeinflussen und so die Eisenresorption hemmen.
  • Erhöhter Hepcidin-Spiegel: Das Leberhormon Hepcidin reguliert den Eisenstoffwechsel. Bei Entzündungen oder chronischen Erkrankungen wird vermehrt Hepcidin ausgeschüttet, was die Eisenfreisetzung aus Zellen und die Darmresorption blockiert.

Symptome bei anhaltender Eisenabsorptionshemmung

Wird die Eisenabsorptionshemmung nicht erkannt und behandelt, kann sie zu einem ausgeprägten Eisenmangel führen. Typische Symptome sind:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Blasse Haut und Schleimhäute
  • Kurzatmigkeit und Herzrasen bei Belastung
  • Konzentrationsschwäche und Kopfschmerzen
  • Brüchige Nägel und Haarausfall
  • Mundwinkelrhagaden (eingerissene Mundwinkel)
  • Restless-Legs-Syndrom

Diagnose

Die Diagnose einer Eisenabsorptionsstörung erfolgt durch eine Kombination aus Anamnese, Blutuntersuchungen und ggf. weiterführenden Untersuchungen:

  • Blutbild: Nachweis einer mikrozytären, hypochromen Anämie
  • Serum-Ferritin: Wichtigster Marker für die Eisenspeicher; erniedrigt bei Eisenmangel
  • Transferrinsättigung und Serum-Eisen: Geben Auskunft über den aktuellen Eisentransport im Blut
  • Hepcidin-Bestimmung: Kann bei Verdacht auf eine funktionelle Eisenabsorptionsstörung hilfreich sein
  • Darmdiagnostik: Bei Verdacht auf Grunderkrankungen wie Zöliakie oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Endoskopie, Biopsie, serologische Tests)

Behandlung und Maßnahmen

Ernährungsoptimierung

Eine gezielte Ernährungsanpassung kann die Eisenabsorption verbessern. Wichtige Maßnahmen sind:

  • Vitamin C (Ascorbinsäure) gleichzeitig mit eisenreichen Mahlzeiten einnehmen, da es Fe³⁺ zu Fe²⁺ reduziert und die Löslichkeit von Eisen erhöht.
  • Tee und Kaffee nicht direkt zu oder kurz nach den Mahlzeiten trinken (mindestens 1 Stunde Abstand).
  • Kalziumpräparate zeitlich von eisenreichen Mahlzeiten oder Eisenpräparaten trennen.
  • Durch Einweichen, Keimen oder Fermentieren von Hülsenfrüchten und Getreide den Phytatgehalt reduzieren.

Supplementierung

Bei nachgewiesenem Eisenmangel werden orale Eisenpräparate (z. B. Eisen(II)-Sulfat, Eisen(II)-Gluconat) eingesetzt. Diese sollten auf nüchternen Magen mit einem Glas Wasser oder Orangensaft eingenommen werden, um die Resorption zu maximieren. Bei schwerer Malabsorption oder Unverträglichkeit kann eine intravenöse Eisentherapie notwendig sein.

Behandlung der Grunderkrankung

Liegt eine Grunderkrankung wie Zöliakie oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung vor, ist deren Behandlung entscheidend, um die Eisenabsorption langfristig zu verbessern.

Risikogruppen

Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für eine Eisenabsorptionshemmung und deren Folgen:

  • Vegetarier und Veganer (höherer Anteil an Nicht-Hämeisen in der Ernährung)
  • Schwangere und stillende Frauen
  • Säuglinge und Kleinkinder in der Wachstumsphase
  • Ältere Menschen
  • Personen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach Magenoperationen
  • Personen mit Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern

Quellen

  1. Löffler, G. et al. - Biochemie und Pathobiochemie. Springer Verlag, 9. Auflage (2014).
  2. World Health Organization (WHO) - Iron Deficiency Anaemia: Assessment, Prevention, and Control. WHO, Genf (2001). Verfügbar unter: https://www.who.int/nutrition/publications/en/ida_assessment_prevention_control.pdf
  3. Tolkien, Z. et al. - Ferrous sulfate supplementation causes significant gastrointestinal side-effects in adults: a systematic review and meta-analysis. PLoS ONE, 10(2): e0117383 (2015). Verfügbar unter: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25700159/

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