Eitrige Mandelentzündung: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die eitrige Mandelentzündung ist eine bakterielle Infektion der Gaumenmandeln mit Eiterbildung. Sie verursacht starke Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden und erfordert ärztliche Behandlung.
Wissenswertes über "Eitrige Mandelentzündung"
Die eitrige Mandelentzündung ist eine bakterielle Infektion der Gaumenmandeln mit Eiterbildung. Sie verursacht starke Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden und erfordert ärztliche Behandlung.
Was ist eine eitrige Mandelentzündung?
Die eitrige Mandelentzündung, medizinisch als eitrige Tonsillitis oder Angina tonsillaris bezeichnet, ist eine akute bakterielle Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen). Dabei bilden sich auf der Mandeloberfläche weißlich-gelbliche Eiterbelagäe oder Eiterpunkte. Sie gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs und tritt besonders bei Kindern und Jugendlichen auf, kann aber Menschen jeden Alters betreffen.
Ursachen
Die eitrige Mandelentzündung wird überwiegend durch Bakterien ausgelöst. Der häufigste Erreger ist:
- Streptococcus pyogenes (Gruppe-A-Streptokokken) – verantwortlich für den Großteil der eitrigen Verläufe
- Staphylokokken und andere Bakterien (seltener)
Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, also durch Husten, Niesen oder engen Kontakt mit infizierten Personen. Begünstigende Faktoren sind ein geschwächtes Immunsystem, Stress, Erkrankungen der Atemwege oder feuchte, kalte Umgebungsbedingungen.
Symptome
Die Beschwerden einer eitrigen Mandelentzündung beginnen meist plötzlich und umfassen:
- Starke, oft einseitige oder beidseitige Halsschmerzen
- Hohes Fieber (oft über 38,5 °C)
- Erhebliche Schluckbeschwerden
- Sichtbare Eiterbelagäe oder weiße Punkte auf den geröteten, geschwollenen Mandeln
- Geschwollene, druckschmerzhafte Halslymphknoten
- Mundgeruch durch den Eiter
- Allgemeines Krankheitsgefühl, Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Gelegentlich Kopfschmerzen oder Ohrenschmerzen
Diagnose
Die Diagnose wird vom Arzt anhand der typischen Symptome und einer Racheninspektion gestellt. Dabei werden die geröteten, vergrößerten Mandeln mit Eiterauflagen sichtbar. Zur Sicherung des Erregers kann ein Rachenabstrich entnommen und auf Streptokokken untersucht werden. In einigen Fällen werden zusätzlich Blutuntersuchungen durchgeführt, um Entzündungsparameter wie das C-reaktive Protein (CRP) oder die Leukozytenzahl zu bestimmen. Der McIsaac-Score (auch Centor-Score) kann helfen, die Wahrscheinlichkeit einer Streptokokken-Infektion abzuschätzen.
Behandlung
Antibiotika
Bei gesicherter oder sehr wahrscheinlicher bakterieller Ursache werden Antibiotika verschrieben. Mittel der ersten Wahl ist Penicillin V, bei Penicillinallergie werden Alternativen wie Amoxicillin-Clavulansäure oder Cephalosporine eingesetzt. Die Antibiotikatherapie sollte vollständig eingenommen werden (in der Regel 7–10 Tage), um Rückfälle und Komplikationen zu vermeiden.
Symptomatische Behandlung
Begleitend können folgende Maßnahmen helfen:
- Schmerz- und fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen oder Paracetamol
- Viel Flüssigkeit trinken (Wasser, Tees)
- Kühlende Getränke oder Eis zur Linderung der Halsschmerzen
- Gurgelösungen mit antiseptischen Inhaltsstoffen
- Bettruhe und körperliche Schonung
Operative Behandlung
Bei sehr häufig wiederkehrenden Mandelentzündungen (z. B. mehr als 5–7 Episoden pro Jahr) kann die Tonsillektomie (operative Entfernung der Mandeln) in Erwägung gezogen werden. Diese Entscheidung wird individuell mit dem HNO-Arzt besprochen.
Mögliche Komplikationen
Unbehandelt oder bei unvollständiger Therapie kann eine eitrige Mandelentzündung zu Komplikationen führen:
- Peritonsillarabszess: Eiteransammlung neben der Mandel, erfordert meist chirurgische Entleerung
- Mittelohrentzündung oder Sinusitis
- Rheumatisches Fieber (bei unbehandelter Streptokokken-Infektion)
- Poststreptokokken-Glomerulonephritis (Nierenerkrankung)
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht immer möglich, jedoch können folgende Maßnahmen das Ansteckungsrisiko reduzieren:
- Häufiges Händewaschen
- Kein gemeinsames Benutzen von Besteck, Gläsern oder Handtüchern
- Abstand zu erkrankten Personen
- Stärkung des Immunsystems durch ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung
Quellen
- Robert Koch-Institut (RKI): Steckbriefe ausgewählter Infektionskrankheiten – Streptokokken-Infektionen. Berlin, 2023.
- Windfuhr JP et al.: Klinische Leitlinie Tonsillitis. HNO, Springer Medizin, 2016.
- Shulman ST et al.: Clinical Practice Guideline for the Diagnosis and Management of Group A Streptococcal Pharyngitis. Clinical Infectious Diseases, 55(10): e86–e102, 2012.
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