Endometriumkarzinom: Ursachen, Symptome & Therapie
Das Endometriumkarzinom ist ein bösartiger Tumor der Gebärmutterschleimhaut. Es zählt zu den häufigsten gynäkologischen Krebserkrankungen und betrifft überwiegend Frauen nach der Menopause.
Wissenswertes über "Endometriumkarzinom"
Das Endometriumkarzinom ist ein bösartiger Tumor der Gebärmutterschleimhaut. Es zählt zu den häufigsten gynäkologischen Krebserkrankungen und betrifft überwiegend Frauen nach der Menopause.
Was ist ein Endometriumkarzinom?
Das Endometriumkarzinom (auch Gebärmutterschleimhautkrebs oder Uteruskarzinom genannt) ist ein bösartiger Tumor, der aus den Zellen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) entsteht. Es ist die häufigste Krebserkrankung des weiblichen Genitaltrakts in westlichen Ländern und tritt vor allem bei Frauen nach der Menopause auf, wobei das durchschnittliche Erkrankungsalter bei etwa 65 Jahren liegt.
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Haupttypen: den östrogenabhängigen Typ I (endometrioides Karzinom, ha¨ufiger, bessere Prognose) und den östrogenunabhängigen Typ II (z. B. seroöses oder klarzelliges Karzinom, aggressiver, schlechtere Prognose).
Ursachen und Risikofaktoren
Ein zentraler Risikofaktor ist eine langanhaltende, nicht durch Progesteron ausgeglichene Östrogenexposition (Östrogendominanz). Weitere Risikofaktoren sind:
- Übergewicht und Adipositas: Fettgewebe produziert Östrogene, was das Risiko erhöht
- Diabetes mellitus Typ 2 und metabolisches Syndrom
- Späte Menopause (nach dem 55. Lebensjahr)
- Kinderlosigkeit oder keine abgeschlossene Schwangerschaft
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
- Langjährige Einnahme von Tamoxifen (bei Brustkrebstherapie)
- Lynch-Syndrom (hereditaires non-polyposes Kolonkarzinom, HNPCC) – eine erbliche Erkrankung, die das Risiko deutlich erhöht
- Keine oder geringe Verwendung von Kontrazeptiva
Symptome
Ein frühes und charakteristisches Symptom des Endometriumkarzinoms ist eine abnorme vaginale Blutung, insbesondere nach der Menopause (postmenopausale Blutung). Jede vaginale Blutung nach der Menopause sollte umgehend ärztlich abgeklärt werden.
- Postmenopausale vaginale Blutung (häufigstes Erstsymptom)
- Unregelmäßige oder verstärkte Menstruationsblutungen bei prämenopausalen Frauen
- Wäßriger oder blutiger vaginaler Ausfluss
- Schmerzen im Unterbauch oder Becken (eher in fortgeschrittenen Stadien)
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Ungewollter Gewichtsverlust und allgemeine Abgeschlagenheit (in späteren Stadien)
Diagnose
Die Diagnose des Endometriumkarzinoms erfolgt durch mehrere Untersuchungsschritte:
Gynäkologische Untersuchung
Eine gründliche klinische Untersuchung gibt erste Hinweise auf Veränderungen im Bereich der Gebärmutter.
Transvaginaler Ultraschall
Mittels transvaginalem Ultraschall wird die Dicke der Gebärmutterschleimhaut gemessen. Bei postmenopausalen Frauen gilt eine Endometriumdicke von mehr als 5 mm als verdächtig und erfordert weitere Abklärung.
Endometriumbiopsie und Hysteroskopie
Die Endometriumbiopsie (Gewebeentnahme aus der Gebärmutterschleimhaut) ist die wichtigste diagnostische Maßnahme. Sie erfolgt häufig im Rahmen einer Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) mit fraktionierter Abrasio (Ausschabung), um das gewonnene Gewebe histologisch zu untersuchen.
Bildgebende Verfahren
Zur Bestimmung des Tumorstadiums und der Ausbreitung werden MRT (Magnetresonanztomographie), CT (Computertomographie) oder PET-CT eingesetzt, um Lymphknoten und benachbarte Organe zu beurteilen.
Staging
Die Stadieneinteilung erfolgt nach der FIGO-Klassifikation (Federation Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique) und reicht von Stadium I (auf die Gebärmutter beschränkt) bis Stadium IV (Fernmetastasen).
Behandlung
Die Therapie des Endometriumkarzinoms richtet sich nach Stadium, Histologie, Alter und dem Allgemeinzustand der Patientin.
Operation
Die chirurgische Behandlung ist die Standardtherapie und umfasst in der Regel eine totale Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) sowie die beidseitige Entfernung von Eierstöcken und Eileitern (bilaterale Salpingo-Oophorektomie). Zusätzlich kann eine pelvine und paraaortale Lymphonodektomie (Entfernung von Lymphknoten) durchgeführt werden. Der Eingriff erfolgt häufig minimal-invasiv (laparoskopisch oder robotisch).
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird als ergänzende Behandlung (adjuvant) nach der Operation eingesetzt, entweder als Brachytherapie (innere Bestrahlung der Scheide) oder als externe Beckenbestrahlung, um das Rückfallrisiko zu senken.
Chemotherapie
Bei fortgeschrittenen oder rückfälligen Tumoren kommt eine platinbasierte Chemotherapie (z. B. Carboplatin und Paclitaxel) zum Einsatz.
Hormontherapie
Bei östrogenabhängigen Tumoren und bei Patientinnen, die eine Fertilität erhalten möchten, kann eine Progestintherapie in Betracht gezogen werden.
Zielgerichtete Therapie und Immuntherapie
Neuere Ansätze umfassen zielgerichtete Substanzen wie Pembrolizumab (Checkpoint-Inhibitor) für Tumoren mit Mismatch-Repair-Defizienz (dMMR) sowie Lenvatinib in Kombination mit Pembrolizumab bei fortgeschrittenen Erkrankungen.
Prognose
Die Prognose des Endometriumkarzinoms ist bei frühzeitiger Diagnose insgesamt günstig. Im Stadium I beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate mehr als 90 %. In fortgeschrittenen Stadien (III und IV) sinkt sie jedoch erheblich. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind nach abgeschlossener Therapie essenziell.
Vorbeugung
Es gibt keine sichere Methode zur vollständigen Vorbeugung. Folgende Maßnahmen können das Risiko jedoch senken:
- Gewichtsreduktion und gesunde Ernährung
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Angemessene Behandlung von Diabetes und metabolischem Syndrom
- Verwendung von kombinierten oralen Kontrazeptiva (Pille) bei entsprechender Indikation
- Genetische Beratung bei Verdacht auf Lynch-Syndrom
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, DGGG, AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Endometriumkarzinom, 2022. AWMF-Registernummer 032/034-OL.
- Colombo N et al. - ESMO-ESGO-ESTRO Consensus Conference on Endometrial Cancer: Diagnosis, Treatment and Follow-up. Annals of Oncology, 2016; 27(1): 16–41.
- World Health Organization (WHO) - Classification of Tumours: Female Genital Tumours, 5th Edition, 2020.
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