Entzündungsindex: Definition & Ernährungstipps
Der Entzündungsindex bewertet, wie stark Lebensmittel oder Ernährungsmuster Entzündungsprozesse im Körper fördern oder hemmen. Er hilft, ernährungsbedingte Entzündungsrisiken einzuschätzen.
Wissenswertes über "Entzündungsindex"
Der Entzündungsindex bewertet, wie stark Lebensmittel oder Ernährungsmuster Entzündungsprozesse im Körper fördern oder hemmen. Er hilft, ernährungsbedingte Entzündungsrisiken einzuschätzen.
Was ist der Entzündungsindex?
Der Entzündungsindex (auch Dietary Inflammatory Index, kurz DII) ist ein wissenschaftliches Bewertungssystem, das angibt, wie stark bestimmte Lebensmittel, Nährstoffe oder Ernährungsmuster Entzündungen im menschlichen Körper beeinflussen. Ein positiver Indexwert weist auf eine eher entzündungsfördernde Wirkung hin, während ein negativer Wert für eine entzündungshemmende Wirkung steht. Das Konzept wurde entwickelt, um den Zusammenhang zwischen Ernährung und chronischen Entzündungsprozessen besser zu verstehen und zu quantifizieren.
Hintergrund: Chronische Entzündungen und Gesundheit
Chronische Entzündungen (sogenannte „stille Entzündungen“ oder low-grade inflammation) gelten als Mitursache zahlreicher weit verbreiteter Erkrankungen, darunter:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Typ-2-Diabetes
- Metabolisches Syndrom
- Bestimmte Krebsarten
- Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa)
Die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle, da bestimmte Nährstoffe und Nahrungsmittel direkt auf Entzündungsmarker wie C-reaktives Protein (CRP), Interleukin-6 (IL-6) und den Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α) wirken.
Wie wird der Entzündungsindex berechnet?
Der DII basiert auf einer umfangreichen Auswertung wissenschaftlicher Literatur. Dabei wurden über 1.900 Studien analysiert, um für insgesamt 45 Nahrungsparameter (Nährstoffe, Lebensmittelgruppen und bioaktive Substanzen) einen Entzündungsscore zu ermitteln. Zu den bewerteten Parametern gehören unter anderem:
- Entzündungsfördernd (positiver Score): Sättigte Fettsäuren, Transfettsäuren, raffinierter Zucker, Weißmehlprodukte, Alkohol, Natrium
- Entzündungshemmend (negativer Score): Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe, Antioxidanzien (z. B. Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin), Polyphenole, Kurkumin, Ingwer, Knäulich, Zink, Magnesium
Der individuelle Gesamtscore ergibt sich aus der Addition aller Einzelwerte der konsumierten Lebensmittel und Nährstoffe, gewichtet nach Verzehrmenge und -häufigkeit.
Entzündungsfördernde und entzündungshemmende Ernährung
Entzündungsfördernde Lebensmittel
Folgende Nahrungsmittel und Ernährungsgewohnheiten können laut Studien Entzündungsprozesse im Körper verstärken:
- Hochverarbeitete Lebensmittel (Fast Food, Fertiggerichte)
- Zuckerreiche Getränke und Süßigkeiten
- Rotes und verarbeitetes Fleisch
- Transfette (in manchen Margarine- und Backwarenprodukten)
- Raffinierte Kohlenhydrate (Weißbrot, Weichweizenpasta)
- Exzessiver Alkoholkonsum
Entzündungshemmende Lebensmittel
Eine Ernährung mit einem niedrigen oder negativen DII-Score ist in der Regel reich an:
- Gemüse und Obst (besonders Beeren, Kreuzblütengewächse)
- Fettreiche Fische (Lachs, Makrele, Hering) als Quellen für Omega-3-Fettsäuren
- Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
- Olivenöl (Quelle für Oleocanthal und einfach ungesättigte Fettsäuren)
- Nüsse und Samen
- Gewürze wie Kurkuma, Ingwer und Knoblauch
- Grüner Tee und Kaffee (in maßvollen Mengen)
Klinische Bedeutung und Forschungsstand
Zahlreiche epidemiologische Studien haben gezeigt, dass ein hoher (entzündungsfördernder) DII-Score mit einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen assoziiert ist. Besonders gut belegt ist der Zusammenhang zwischen einem hohen Entzündungsindex und:
- Erhöhten CRP-Spiegeln im Blut
- Höherem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen
- Schlechterem Blutzuckermanagement bei Diabetes mellitus Typ 2
- Höherem Körpergewicht und Adipositas
Die Mediterrane Diät und die DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension) zählen zu den Ernährungsmustern mit den niedrigsten DII-Scores und werden daher als besonders gesundheitsförderlich eingestuft.
Praktische Anwendung im Alltag
Obwohl die genaue Berechnung des DII komplexe wissenschaftliche Methoden erfordert, lassen sich die Grundprinzipien leicht in den Alltag übertragen. Wer seinen persönlichen Entzündungsindex senken möchte, kann folgende Maßnahmen ergreifen:
- Mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger verarbeitete Produkte konsumieren
- Regelmäßig fettreichen Fisch essen oder Omega-3-Präparate nach ärztlicher Rücksprache einnehmen
- Zucker- und salzreiche Speisen reduzieren
- Auf ausreichend Ballaststoffe achten (Empfehlung der DGE: mind. 30 g/Tag)
- Antioxidanzienreiche Lebensmittel bevorzugen
Quellen
- Shivappa N. et al. - Designing and developing a literature-derived, population-based dietary inflammatory index. Public Health Nutrition, 2014. DOI: 10.1017/S1368980013002115
- Minihane A.M. et al. - Low-grade inflammation, diet composition and health: current research evidence and its translation. British Journal of Nutrition, 2015. DOI: 10.1017/S0007114515002093
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) - Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2024. Verfügbar unter: https://www.dge.de
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