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Epiphyseolysis capitis femoris – Ursachen & Therapie

Die Epiphyseolysis capitis femoris ist eine Erkrankung des wachsenden Skeletts, bei der der Hüftkopf an der Wachstumsfuge abrutscht. Sie betrifft vor allem Kinder und Jugendliche in der Pubertät.

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Wissenswertes über "Epiphyseolysis capitis femoris"

Die Epiphyseolysis capitis femoris ist eine Erkrankung des wachsenden Skeletts, bei der der Hüftkopf an der Wachstumsfuge abrutscht. Sie betrifft vor allem Kinder und Jugendliche in der Pubertät.

Was ist die Epiphyseolysis capitis femoris?

Die Epiphyseolysis capitis femoris (kurz: ECF) ist eine orthopädische Erkrankung des wachsenden Skeletts. Dabei gleitet der Kopf des Oberschenkelknochens (Femurkopf) an der noch offenen Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) ab. Dies führt zu einer Fehlstellung des Hüftgelenks und kann ohne Behandlung zu dauerhaften Schäden führen. Die Erkrankung tritt typischerweise im Jugendalter auf, häufig während des pubertären Wachstumsschubs.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache der Epiphyseolysis capitis femoris ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus mechanischen und hormonellen Faktoren die Stabilität der Wachstumsfuge schwächt.

  • Übergewicht und Adipositas: Erhöhtes Körpergewicht erhöht die mechanische Belastung auf die Hüftfuge erheblich.
  • Hormonelle Veränderungen: Störungen des Wachstumshormons, der Schilddrüse oder der Sexualhormone (z. B. Hypothyreose, Hypopituitarismus) können die Fugenstabilität beeinträchtigen.
  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Häufung ist bekannt.
  • Männliches Geschlecht: Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.
  • Beidseitiger Befall: In bis zu 40 % der Fälle sind beide Hüften betroffen.

Symptome

Die Symptome können schleichend (chronisch) oder plötzlich (akut) auftreten. Häufig werden Schmerzen zunächst nicht in der Hüfte, sondern im Knie oder Oberschenkel wahrgenommen, was die Diagnose verzögern kann.

  • Hüftschmerzen, die in Leiste, Oberschenkel oder Knie ausstrahlen können
  • Hinken oder verändertes Gangbild
  • Eingeschränkte Beweglichkeit des Hüftgelenks, insbesondere bei der Innenrotation
  • Spontanes Außenrotieren des betroffenen Beins beim Gehen
  • Bei akuter Form: plötzliche starke Schmerzen mit vollständigem Funktionsverlust

Klassifikation

Die Erkrankung wird nach dem zeitlichen Verlauf und dem Ausmaß des Abgleitens eingeteilt:

  • Akute ECF: Plötzliches Abgleiten, häufig nach einem Trauma, Schmerzen treten sofort auf.
  • Chronische ECF: Langsames, schleichendes Abgleiten über Wochen bis Monate.
  • Akut-auf-chronische ECF: Kombination beider Verlaufsformen.
  • Stabiler vs. instabiler Verlauf: Bei instabiler ECF ist eine Belastung des Beins nicht mehr möglich; das Risiko einer Hüftkopfnekrose ist dabei erhöht.

Diagnose

Die Diagnose wird klinisch und bildgebend gestellt. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend für den Behandlungserfolg.

  • Körperliche Untersuchung: Typisch ist das sogenannte Drehmann-Zeichen: Bei Beugung des Hüftgelenks rotiert das Bein unwillkürlich nach außen.
  • Röntgenaufnahme: Standard-Röntgenaufnahmen des Beckens in zwei Ebenen (anterior-posterior und seitlich nach Lauenstein) zeigen das Abgleiten des Femurkopfes.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Besonders geeignet zur Frühdiagnose, da sie Veränderungen an der Wachstumsfuge vor einem sichtbaren Abgleiten erkennen kann.

Behandlung

Die Behandlung der Epiphyseolysis capitis femoris ist immer operativ, da das Fortschreiten des Abgleitens verhindert werden muss. Eine konservative Therapie reicht allein nicht aus.

In-situ-Fixation

Die Standardtherapie besteht in der In-situ-Fixation: Der Femurkopf wird in seiner aktuellen Position mit einer kanülierten Schraube (Hohlschraube) fixiert, ohne eine Reposition (Korrektur der Fehlstellung) vorzunehmen. Ziel ist es, das Abgleiten zu stoppen und die Wachstumsfuge zum Verschluss zu bringen.

Reposition und Osteotomie

Bei schwerwiegendem Abgleiten kann eine chirurgische Korrektur der Fehlstellung durch eine Osteotomie (gezielte Knochendurchtrennung und Neuausrichtung) notwendig werden. Diese Eingriffe sind technisch anspruchsvoller und bergen ein höheres Risiko.

Prophylaktische Gegenseite

Bei hohem Risiko eines beidseitigen Befalls kann die prophylaktische Fixation der nicht betroffenen Hüfte erwogen werden.

Komplikationen

Ohne oder bei verzögerter Behandlung können schwerwiegende Komplikationen auftreten:

  • Avaskuläre Hüftkopfnekrose: Absterben des Hüftkopfes durch Unterbrechung der Blutversorgung
  • Chondrolyse: Zerstörung des Gelenkknorpels
  • Frühzeitige Koxarthrose: Vorzeitiger Hüftgelenksverschleiß
  • Femoroacetabuläres Impingement (FAI): Einklemmen von Gelenkstrukturen durch die veränderte Knochenform

Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und operativer Stabilisierung ist die Prognose in der Regel gut. Das langfristige Outcome hängt vom Ausmaß des Abgleitens, dem Vorliegen einer Instabilität sowie von möglichen Komplikationen ab. Regelmäßige orthopädische Kontrollen sind nach der Behandlung wichtig, um Folgeprobleme frühzeitig zu erkennen.

Quellen

  1. Loder RT, Aronsson DD, Dobbs MB, Weinstein SL. Slipped capital femoral epiphysis. Journal of Bone and Joint Surgery, 2000.
  2. Ganz R, Leunig M, Leunig-Ganz K, Harris WH. The etiology of osteoarthritis of the hip: an integrated mechanical concept. Clinical Orthopaedics and Related Research, 2008.
  3. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Leitlinien zur Epiphyseolysis capitis femoris. AWMF-Leitlinienregister, aktuelle Fassung.

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