Erucasäure: Vorkommen, Risiken & Grenzwerte
Erucasäure ist eine langkettige, einfach ungesättigte Fettsäure, die natürlich in Rapsöl und Senfpflanzen vorkommt. Hohe Mengen gelten als gesundheitlich bedenklich.
Wissenswertes über "Erucasäure"
Erucasäure ist eine langkettige, einfach ungesättigte Fettsäure, die natürlich in Rapsöl und Senfpflanzen vorkommt. Hohe Mengen gelten als gesundheitlich bedenklich.
Was ist Erucasäure?
Erucasäure (chemische Bezeichnung: cis-13-Docosensäure) ist eine langkettige, einfach ungesättigte Fettsäure mit 22 Kohlenstoffatomen und einer Doppelbindung. Sie gehört zur Gruppe der Omega-9-Fettsäuren. In der Natur kommt sie vor allem in Pflanzen der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor, insbesondere in den Samen von Raps (Brassica napus), Senf (Sinapis alba) und Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus). Herkömmliche Rapssorten können bis zu 50 % Erucasäure im Fettsäurespektrum des Öls enthalten. Durch gezielte Züchtung wurden jedoch sogenannte 00-Rapssorten entwickelt, deren Erucasäuregehalt stark reduziert ist.
Vorkommen und Quellen
- Pflanzenöle: Herkömmliches Rapsöl (alt), Senföl, Walliser Rapsöl, Krambesamensöl (Crambe abyssinica)
- Verarbeitete Lebensmittel: Produkte, die erucasäurereiche Öle enthalten, z. B. bestimmte asiatische Senföle oder traditionelle indische Speisenöle
- Industrielle Nutzung: Erucasäure und ihr Derivat Erucamid werden in der Industrie als Schmiermittel, Weichmacher und Kunststoffzusatz eingesetzt
Gesundheitliche Bewertung
Die gesundheitliche Relevanz der Erucasäure wurde seit den 1970er Jahren intensiv erforscht. Tierexperimentelle Studien, insbesondere an Ratten, zeigten, dass eine hohe Zufuhr von Erucasäure zu Fettablagerungen im Herzmuskel (lipidose), Wachstumsstörungen und möglicherweise strukturellen Veränderungen des Herzgewebes führen kann. Ob diese Effekte in gleicher Weise auf den Menschen übertragbar sind, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt, da Ratten Erucasäure anders metabolisieren als Menschen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2016 eine umfassende Risikobewertung durchgeführt und festgestellt, dass Erucasäure in den in Europa verzehrten Mengen ein potenzielles gesundheitliches Risiko darstellen kann, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder. Die EFSA empfiehlt daher einen tolerierbaren täglichen Aufnahmewert (TDI: 7 mg/kg Körpergewicht pro Tag).
Regulierung und gesetzliche Grenzwerte
Aufgrund der möglichen gesundheitlichen Bedenken ist der Erucasäuregehalt in Speiseölen und Lebensmitteln in der Europäischen Union gesetzlich begrenzt:
- Für Speiseöle und Speisefette gilt ein Höchstgehalt von 2 % Erucasäure am Gesamtfettsäuregehalt (gemäß Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 und späteren Aktualisierungen).
- Für Säuglingsnahrung und Beikost gilt ein noch strengerer Grenzwert von 1 %.
- Modernes Rapsöl aus 00-Sorten (auch Canola genannt) enthält weniger als 0,1 % Erucasäure und gilt als unbedenklich.
Erucasäure in der Medizin
In der Medizin spielt Erucasäure eine besondere Rolle bei der Behandlung der Adrenoleukodystrophie (ALD), einer seltenen genetischen Stoffwechselerkrankung. Das sogenannte Lorenzo's Oil, ein Gemisch aus Glyzerintrioleat und Glycerintrierucaat, kann den Spiegel sehr langkettiger Fettsäuren im Blut senken und wird bei bestimmten Formen der ALD eingesetzt, obwohl seine klinische Wirksamkeit begrenzt und umstritten ist.
Zusammenfassung
Erucasäure ist eine natürlich vorkommende Fettsäure, die in hohen Konzentrationen in bestimmten Pflanzenölen enthalten ist. Während herkömmliche Rapssorten hohe Mengen enthielten, haben moderne Züchtungen den Gehalt erheblich reduziert. Lebensmittelrechtliche Grenzwerte schützen Verbraucher vor einer übermäßigen Aufnahme. In klar definierten medizinischen Kontexten findet Erucasäure auch therapeutische Verwendung.
Quellen
- European Food Safety Authority (EFSA): Erucic acid in feed and food. EFSA Journal 2016;14(11):4593. DOI: 10.2903/j.efsa.2016.4593
- Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln, zuletzt geändert durch Verordnung (EU) 2021/1317.
- Moser, M. et al.: Lorenzo's oil therapy for X-linked adrenoleukodystrophy. Journal of Inherited Metabolic Disease, 2006.
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