Esotropie – Einwärtsschielen: Ursachen & Behandlung
Esotropie ist eine Form des Schielens, bei der ein oder beide Augen nach innen abweichen. Sie betrifft häufig Kinder und kann das räumliche Sehen beeinträchtigen.
Wissenswertes über "Esotropie"
Esotropie ist eine Form des Schielens, bei der ein oder beide Augen nach innen abweichen. Sie betrifft häufig Kinder und kann das räumliche Sehen beeinträchtigen.
Was ist Esotropie?
Die Esotropie (auch Einwärtsschielen genannt) ist eine der häufigsten Formen des Strabismus (Schielen). Dabei weicht ein Auge – oder gelegentlich beide Augen – nach innen, also zur Nase hin, ab, während das andere Auge geradeaus schaut. Diese Fehlstellung kann dauerhaft oder intermittierend auftreten und betrifft vor allem Säuglinge und Kleinkinder, kann aber auch im Erwachsenenalter entstehen.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Esotropie sind vielfältig und nicht immer vollständig geklärt. Zu den bekannten Risikofaktoren und Ursachen zählen:
- Akkommodative Esotropie: Häufig durch eine unkorrigierte Weitsichtigkeit (Hyperopie) ausgelöst. Das Auge muss stärker akkommodieren (scharfstellen), was die Einwärtsdrehung begünstigt.
- Infantile Esotropie: Tritt in den ersten sechs Lebensmonaten auf, oft ohne bekannte Ursache (idiopathisch).
- Neurologische Erkrankungen: Störungen des Hirnnerven VI (Nervus abducens) oder andere neurologische Ursachen können eine Esotropie hervorrufen.
- Genetische Faktoren: Schielen kann familiär gehäuft auftreten.
- Sekundäre Esotropie: Als Folge einer stark eingeschränkten Sehschärfe auf einem Auge (z. B. durch Katarakt oder Netzhauterkrankungen).
Symptome
Die typischen Zeichen einer Esotropie umfassen:
- Sichtbares Einwärtsdrehen eines oder beider Augen
- Doppelbilder (bei Erwachsenen oder älteren Kindern)
- Zukneifen oder Zuhalten eines Auges, besonders bei hellem Licht
- Kopfneigung oder auffällige Kopfhaltung
- Eingeschränktes räumliches Sehen (Stereosehen)
- Entwicklung einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit) auf dem schielenden Auge, wenn die Esotropie unbehandelt bleibt
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine augenärztliche Untersuchung, die folgende Verfahren umfassen kann:
- Hirschberg-Test: Beurteilung der Hornhautreflexe beider Augen bei einem Lichtreiz
- Abdecktest (Cover-Test): Standardverfahren zur Beurteilung von Schielwinkel und Schielart
- Refraktionsbestimmung: Messung der Fehlsichtigkeit, insbesondere Weitsichtigkeit
- Prüfung des Stereosehens: Beurteilung des räumlichen Sehvermögens
- Fundusuntersuchung: Ausschluss organischer Ursachen an Netzhaut oder Sehnerv
Behandlung
Die Behandlung der Esotropie hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. Ziel ist es, das Sehvermögen zu verbessern, Doppelbilder zu vermeiden und eine kosmetisch ansprechende Augenstellung herzustellen.
Konservative Behandlung
- Brillenkorrektur: Bei akkommodativer Esotropie kann eine Brille mit der entsprechenden Weitsichtigkeitskorrektur das Schielen vollständig oder teilweise ausgleichen.
- Okklusion (Abpflastern): Das führende (gesunde) Auge wird abgedeckt, um die Entwicklung des schwächeren Auges zu fördern und einer Amblyopie entgegenzuwirken.
- Prismenbrillen: Können bei bestimmten Formen der Esotropie eingesetzt werden, um Doppelbilder zu kompensieren.
Operative Behandlung
- Schieloperation: Bei nicht vollständig durch Brillenkorrektur behebbaren Esotropien kann ein chirurgischer Eingriff an den äußeren Augenmuskeln (z. B. Rücklagerung des inneren Augenmuskels) erforderlich sein.
Weitere Optionen
- Botulinumtoxin-Injektionen: In einigen Fällen kann Botulinumtoxin in den überaktiven Augenmuskel injiziert werden, um die Schielstellung temporär oder dauerhaft zu reduzieren.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Behandlung ist die Prognose der Esotropie in der Regel gut. Eine frühzeitige Therapie ist besonders wichtig, um eine dauerhafte Amblyopie zu verhindern und das räumliche Sehvermögen zu erhalten oder zu entwickeln. Regelmäßige augenärztliche Kontrollen sind essenziell, insbesondere im Kindesalter.
Quellen
- von Noorden GK, Campos EC. Binocular Vision and Ocular Motility: Theory and Management of Strabismus. 6th ed. Mosby; 2002.
- American Academy of Ophthalmology (AAO). Esotropia and Exotropia – Preferred Practice Pattern. AAO; 2017. Verfügbar unter: https://www.aao.org
- Simonsz HJ, Kolling GH. Best age for surgery for infantile esotropia. Strabismus. 2011;19(3):109-117. doi:10.3109/09273972.2011.600370
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