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Essigsäure (Ethansäure) ist eine organische Säure, die natürlich in Essig vorkommt. Sie wird in der Lebensmittelindustrie, Medizin und Chemie vielseitig eingesetzt.
Essigsäure (Ethansäure) ist eine organische Säure, die natürlich in Essig vorkommt. Sie wird in der Lebensmittelindustrie, Medizin und Chemie vielseitig eingesetzt.
Essigsäure (chemische Bezeichnung: Ethansäure, Summenformel: CH₃COOH) ist eine farblose, stechend riechende organische Säure. Sie ist die Hauptkomponente von Essig, in dem sie in einer Konzentration von etwa 5–15 % vorkommt. In reiner Form wird sie als Eisessig bezeichnet, da sie bei Temperaturen unter 16,7 °C zu einer eisartigen Masse erstarrt. Essigsäure gehört zur Gruppe der Carbonsäuren und spielt sowohl in biologischen Prozessen als auch in industriellen Anwendungen eine bedeutende Rolle.
Essigsäure kommt auf natürlichem Weg durch die Fermentation (Gärung) von Ethanol durch Essigsäurebakterien (z. B. Acetobacter-Arten) vor. Dieser Prozess ist die Grundlage der traditionellen Essigherstellung. Industriell wird Essigsäure überwiegend durch die katalytische Oxidation von Acetaldehyd oder durch die sogenannte Methanol-Carbonylierung (Monsanto- bzw. Cativa-Verfahren) synthetisch gewonnen.
Im menschlichen Körper spielt Essigsäure als Acetat (konjugierte Base) eine wichtige Rolle im Stoffwechsel. Acetat ist ein zentrales Zwischenprodukt des Zitratzyklus und der Fettsäuresynthese. Es entsteht beim Abbau von Ethanol in der Leber sowie bei der Fermentation von Ballaststoffen durch Darmbakterien. Kurzkettige Fettsäuren wie Acetat liefern Energie für Darmschleimhautzellen und unterstützen die Darmgesundheit.
Essigsäure besitzt antimikrobielle Eigenschaften und wird in verdünnter Form (z. B. 0,25–1 %ige Lösung) zur Behandlung von Wunden sowie als Spüllösung bei Ohrinfektionen (Otitis externa) eingesetzt. Sie hemmt das Wachstum von Bakterien und Pilzen durch Absenkung des pH-Werts im Gewebe.
In der Gynäkologie wird verdünnte Essigsäure (3–5 %) bei der Kolposkopie eingesetzt, um veränderte Zellbereiche am Gebärmutterhals (azidophile Areale) sichtbar zu machen. Präkanzeröse Läsionen erscheinen dabei als weißliche Flecken (Acetoweißreaktion).
In der Hämodialyse wurde Essigsäure früher als Puffersubstanz im Dialysat verwendet. Aufgrund von Verträglichkeitsproblemen wurde sie weitgehend durch Bikarbonatlösungen ersetzt.
Als zugelassener Lebensmittelzusatzstoff trägt Essigsäure die E-Nummer E260. Sie dient als Konservierungsmittel, Säuerungsmittel und Geschmacksstoff in zahlreichen Lebensmitteln wie Salatdressings, Marinaden, eingelegtem Gemüse und Saucen. Die Verwendung gilt bei zugelassenen Mengen als sicher.
Verdünnte Essigsäure (wie in Speiseessig) ist für den Menschen unbedenklich. Konzentrierte Essigsäure (Eisessig, ab ca. 25 %) ist jedoch ätzend und kann bei Haut-, Augen- und Schleimhautkontakt schwere Verätzungen verursachen. Das Einatmen von Dämpfen konzentrierter Essigsäure kann die Atemwege reizen. Im Umgang mit konzentrierter Essigsäure sind Schutzhandschuhe und Schutzbrille zwingend erforderlich.
Bei der medizinischen Anwendung von Essigsäurelösungen sollte auf Wechselwirkungen mit anderen Substanzen geachtet werden. Die gleichzeitige Anwendung mit basischen Substanzen kann die Wirksamkeit verringern, da eine Neutralisationsreaktion stattfindet. Personen mit Schleimhauterkrankungen oder empfindlicher Haut sollten vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen.
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