Ethanol – Wirkung, Verwendung und Risiken
Ethanol ist ein kurzkettiger Alkohol, der als Wirkstoff, Desinfektionsmittel und Genussmittel vorkommt. Im menschlichen Körper wirkt er auf das Zentralnervensystem.
Wissenswertes über "Ethanol"
Ethanol ist ein kurzkettiger Alkohol, der als Wirkstoff, Desinfektionsmittel und Genussmittel vorkommt. Im menschlichen Körper wirkt er auf das Zentralnervensystem.
Was ist Ethanol?
Ethanol (chemische Formel: C&sub2;H&sub5;OH), auch als Ethylalkohol oder umgangssprachlich als Alkohol bezeichnet, ist eine organische Verbindung aus der Gruppe der Alkohole. Es handelt sich um eine farblose, leicht flüchtige Flüssigkeit mit charakteristischem Geruch. Ethanol entsteht natürlich durch die alkoholische Gärung von Zuckern durch Hefen und ist der psychoaktiv wirksame Bestandteil alkoholischer Getränke.
Vorkommen und Verwendung
Ethanol findet in zahlreichen Bereichen Anwendung:
- Alkoholische Getränke: Bier, Wein, Spirituosen und andere Gärungsprodukte enthalten Ethanol in unterschiedlichen Konzentrationen.
- Medizin und Pharmazie: Ethanol wird als Lösungsmittel für Medikamente, als Desinfektionsmittel für Haut und Instrumente sowie als Antidot bei Vergiftungen mit Methanol eingesetzt.
- Desinfektion: Ethanollösungen mit einem Gehalt von 60–80 % sind hochwirksame Antiseptika gegen Bakterien, Viren und Pilze.
- Industrie: Als Lösungsmittel, Kraftstoffzusatz und Grundstoff für die chemische Synthese.
- Kosmetik: In Parfums, Haarsprays und Hautpflegeprodukten als Trägersubstanz.
Wirkmechanismus im menschlichen Körper
Nach der Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt wird Ethanol schnell ins Blut aufgenommen. Es wirkt als ZNS-Depressivum (d. h. es dämpft das Zentralnervensystem), indem es die Aktivität des hemmenden Botenstoffs GABA verstärkt und gleichzeitig den erregenden NMDA-Glutamat-Rezeptor hemmt. Dies führt zu einer reduzierten neuronalen Aktivität.
Abbau von Ethanol
Der Abbau erfolgt hauptsächlich in der Leber durch das Enzym Alkoholdehydrogenase (ADH). Dabei entsteht zunächst Acetaldehyd, ein toxisches Zwischenprodukt, das anschließend durch die Aldehyddehydrogenase (ALDH) zu Acetat und schließlich zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut wird. Der durchschnittliche Abbau beträgt ca. 0,1–0,15 Promille pro Stunde.
Auswirkungen auf den Körper
Kurzfristige Wirkungen
- Euphorie und Enthemmung bei niedrigen Konzentrationen
- Beeinträchtigung der Koordination, Reaktionszeit und Urteilsvermögen
- Sprachstörungen und Gleichgewichtsstörungen
- Erweiterung der Blutgefäße (Vasodilatation), führt zu Wärmegefühl
- Bei hohen Dosen: Bewusstlosigkeit, Atemdepression, lebensbedrohliche Alkoholvergiftung
Langzeitfolgen bei regelmäßigem Konsum
- Leberschäden: Fettleber, alkoholische Hepatitis, Leberzirrhose
- Neurologie: Polyneuropathie, Wernicke-Enzephalopathie (durch Thiaminmangel)
- Herz-Kreislauf: Kardiomyopathie, Herzrhythmusstörungen
- Krebs: Erhöhtes Risiko für Mund-, Rachen-, Speiseröhren-, Leber-, Dickdarm- und Brustkrebs
- Abhängigkeit: Alkoholabhängigkeit (Alkoholismus) mit körperlichen und psychischen Entzugssymptomen
- Schäden am Immunsystem, Bauchspeicheldrüse und anderen Organen
Ethanol als Desinfektionsmittel
In der Medizin ist Ethanol eines der am häufigsten eingesetzten Desinfektionsmittel. Lösungen mit einem Ethanolgehalt von 70–80 % denaturieren Proteine von Mikroorganismen und zerstören deren Zellmembranen, wodurch Bakterien, Viren (einschließlich SARS-CoV-2) und Pilze abgetötet werden. Reines (100%iges) Ethanol ist als Desinfektionsmittel weniger wirksam, da Wasser für den Denaturierungsprozess benötigt wird.
Ethanol in der Schwangerschaft
Ethanol ist während der Schwangerschaft strikt kontraindiziert. Alkohol passiert die Plazenta und kann beim Ungeborenen zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen führen, die unter dem Begriff Fetales Alkoholsyndrom (FAS) zusammengefasst werden. Es gibt keine bekannte sichere Menge an Alkohol in der Schwangerschaft.
Medizinische Verwendung als Antidot
Bei einer Vergiftung mit Methanol oder Ethylenglykol wird Ethanol als Gegenmittel eingesetzt. Da Ethanol eine höhere Affinität zur Alkoholdehydrogenase hat, konkurriert es mit dem giftigen Alkohol um das Abbauenzym und verhindert so die Bildung toxischer Stoffwechselprodukte wie Formaldehyd.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Global status report on alcohol and health 2018. WHO, Genf, 2018. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241565639
- Rehm J et al.: Global burden of disease and injury and economic cost attributable to alcohol use and alcohol-use disorders. The Lancet, 2009; 373(9682): 2223–2233.
- Rote Liste Service GmbH: Rote Liste 2023 – Arzneimittelverzeichnis für Deutschland. Rote Liste Service GmbH, Frankfurt am Main, 2023.
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