Euglykämische Ketoazidose – Ursachen & Behandlung
Die euglykämische Ketoazidose ist eine seltene, aber gefährliche Stoffwechselentgleisung mit erhöhten Ketonkörpern und Azidose bei normalem Blutzucker.
Wissenswertes über "Euglykämische Ketoazidose"
Die euglykämische Ketoazidose ist eine seltene, aber gefährliche Stoffwechselentgleisung mit erhöhten Ketonkörpern und Azidose bei normalem Blutzucker.
Was ist die euglykämische Ketoazidose?
Die euglykämische Ketoazidose (auch abgekürzt als euDKA) ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Form der diabetischen Ketoazidose (DKA). Im Gegensatz zur klassischen DKA ist der Blutzuckerspiegel bei der euglykämischen Ketoazidose normal oder nur leicht erhöht (typischerweise unter 250 mg/dl bzw. 13,9 mmol/l). Gleichzeitig liegen eine erhöhte Konzentration von Ketonkörpern im Blut sowie eine metabolische Azidose (Versäuerung des Blutes) vor. Gerade weil der Blutzucker nicht stark erhöht ist, wird die Erkrankung häufig übersehen oder verspätet diagnostiziert.
Ursachen
Die euglykämische Ketoazidose kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- SGLT-2-Hemmer: Die häufigste Ursache in jüngerer Zeit ist die Einnahme von sogenannten SGLT-2-Hemmern (z. B. Empagliflozin, Dapagliflozin, Canagliflozin), einer Klasse von Diabetesmedikamenten. Diese fördern die Ausscheidung von Glukose über die Nieren und können dadurch die Ketonkörperproduktion begünstigen, ohne den Blutzucker stark anzuheben.
- Fasten oder stark reduzierte Kohlenhydratzufuhr: Unzureichende Kalorienzufuhr, insbesondere vor Operationen oder bei Ernährungsumstellung, kann die Ketonproduktion steigern.
- Alkoholkonsum: Übermäßiger Alkoholgenuss kann die Leber in ihrer Glukoseproduktion hemmen und gleichzeitig die Ketonbildung fördern.
- Insulinmangel oder reduzierte Insulindosis: Besonders bei Typ-1-Diabetes, aber auch bei Typ-2-Diabetes kann eine zu geringe Insulinversorgung die Ketonproduktion ankurbeln.
- Schwangerschaft: Während der Schwangerschaft besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Ketonbildung, insbesondere bei unzureichender Nahrungsaufnahme.
- Interkurrente Erkrankungen: Infektionen, Operationen oder andere körperliche Belastungen können als Auslöser wirken.
Symptome
Die Symptome der euglykämischen Ketoazidose sind oft unspezifisch und können leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Typische Beschwerden umfassen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Allgemeines Unwohlsein und Schwächegefühl
- Beschleunigter oder tiefer Atemrhythmus (Kussmaul-Atmung)
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- Auffallend süßlicher oder fruchtiger Atemgeruch (durch Aceton)
Da der Blutzucker nicht stark erhöht ist, fehlen klassische Hyperglykämie-Zeichen wie starker Durst oder häufiges Wasserlassen häufig.
Diagnose
Die Diagnose der euglykämischen Ketoazidose erfordert ein hohes Maß an klinischer Wachsamkeit. Folgende diagnostische Maßnahmen sind entscheidend:
- Blutgasanalyse (BGA): Nachweis einer metabolischen Azidose (pH < 7,3, Bikarbonat < 15 mmol/l)
- Ketonmessung: Erhöhte Betahydroxybutyrat-Werte im Blut (> 3 mmol/l) oder Ketonurie im Urin
- Blutzuckermessung: Normaler oder nur leicht erhöhter Blutzucker (unter 250 mg/dl)
- Laborwerte: Elektrolyte, Nierenwerte, Blutbild und Entzündungsparameter
- Anamnese: Gezieltes Erfragen von Medikamenten (insbesondere SGLT-2-Hemmer), Essgewohnheiten und Vorerkrankungen
Behandlung
Die Behandlung der euglykämischen Ketoazidose erfolgt stationär und umfasst mehrere Säulen:
- Absetzen des SGLT-2-Hemmers: Bei medikamentös ausgelöster euDKA muss das auslösende Präparat sofort gestoppt werden.
- Insulingabe: Insulin ist essenziell, um die Ketonkörperproduktion zu stoppen. Da der Blutzucker nicht erhöht ist, muss gleichzeitig Glukose infundiert werden, um eine Unterzuckerung zu vermeiden.
- Flüssigkeitsersatz: Ausgleich des Flüssigkeitsdefizits durch intravenose Infusionen.
- Elektrolytausgleich: Besonderes Augenmerk gilt dem Kalium, das unter Insulintherapie abfallen kann und ausgeglichen werden muss.
- Behandlung der Grundursache: Infektionen oder andere Auslöser werden gezielt therapiert.
Prävention und Patientenhinweise
Patienten, die SGLT-2-Hemmer einnehmen, sollten über das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose aufgeklärt werden. Folgende Vorsichtsmaßnahmen sind empfehlenswert:
- Den SGLT-2-Hemmer vor geplanten Operationen oder längeren Fastenperioden rechtzeitig absetzen (meist 3–4 Tage vorher, nach ärztlicher Rücksprache).
- Bei Krankheit, stark reduzierter Nahrungsaufnahme oder intensiver körperlicher Belastung den Arzt kontaktieren.
- Ketonwerte bei Beschwerden mit einem Heimtestgerät überprüfen.
- Niemals die Insulindosis eigenmächtig stark reduzieren.
Quellen
- Rawla P. et al. - Euglycemic Diabetic Ketoacidosis: A Review. Medical Science Monitor, 2017. PubMed PMID: 28223411.
- European Medicines Agency (EMA) - SGLT2 inhibitors: information on potential risk of diabetic ketoacidosis. EMA/230698/2015.
- Pasquel F.J., Umpierrez G.E. - Hyperosmolar Hyperglycemic State: A Historic Review of the Clinical Presentation, Diagnosis, and Treatment. Diabetes Care, 2014. DOI: 10.2337/dc14-0984.
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