Exophthalmus: Ursachen, Symptome & Behandlung
Exophthalmus bezeichnet das Hervortreten eines oder beider Augäpfel aus der Augenhöhle. Häufige Ursache ist die Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow.
Wissenswertes über "Exophthalmus"
Exophthalmus bezeichnet das Hervortreten eines oder beider Augäpfel aus der Augenhöhle. Häufige Ursache ist die Schilddrüsenerkrankung Morbus Basedow.
Was ist Exophthalmus?
Exophthalmus (auch: Exophthalmos oder Protrusio bulbi) bezeichnet das krankhaft vermehrte Hervortreten des Augapfels (Bulbus oculi) aus der Augenhöhle (Orbita). Der Zustand kann ein Auge (unitär) oder beide Augen (bilateral) betreffen und ist meist ein Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung. Ab einem Vortreten von mehr als 20 mm oder einer Seitenasymmetrie von mehr als 2 mm gilt der Befund in der Regel als klinisch relevant.
Ursachen
Die häufigste Ursache des bilateralen Exophthalmus ist die endokrine Orbitopathie (auch: Graves-Orbitopathie), eine Autoimmunerkrankung, die meist im Zusammenhang mit Morbus Basedow (einer Überfunktion der Schilddrüse) auftritt. Dabei greifen Autoantikörper das Bindegewebe und die Augenmuskeln in der Augenhöhle an, was zu einer Schwellung und dem Hervortreten des Augapfels führt.
Weitere mögliche Ursachen umfassen:
- Tumoren der Orbita (z. B. Hämangiom, Lymphom, Metastasen)
- Entzündungen der Augenhöhle (orbitale Pseudotumoren, Zellulitis)
- Gefäßveränderungen wie ein Sinus-cavernosus-Fistel oder ein orbitales Hämatom
- Knochenveränderungen der Orbita (z. B. Morbus Paget, faseröse Dysplasie)
- Selten: Systemerkrankungen wie Lymphome oder Leukämien
Symptome
Betroffene bemerken neben dem sichtbaren Hervortreten des Auges oft zusätzliche Beschwerden:
- Fremdkörpergefühl, Brennen oder Tränen der Augen
- Lichtempfindlichkeit (Photophobie)
- Doppelbilder (Diplopie) durch Beeinträchtigung der Augenmuskeln
- Eingeschränkter Lidschluss (Lagophthalmus), was zu einer Austrocknung der Hornhaut führen kann
- Druckgefühl hinter den Augen
- In schweren Fällen: Sehverschlechterung bis hin zur Erblindung durch Druck auf den Sehnerv
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Exophthalmometrie nach Hertel: Messung des Ausmaßes des Augapfelvortretens mit einem speziellen Messgerät
- Augenärztliche Untersuchung: Sehschärfe, Augendruck, Spaltlampenuntersuchung, Gesichtsfeldmessung
- Bildgebung: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Orbita zur Beurteilung von Weichteilen, Augenmuskeln und Sehnerv
- Labordiagnostik: Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4), TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) bei Verdacht auf endokrine Orbitopathie
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und dem Schweregrad:
Konservative Maßnahmen
- Augentropfen und Gele zum Schutz der Hornhaut vor Austrocken
- Sonnenbrillen zum Schutz vor Licht und Wind
- Nikotinverzicht (Rauchen verschlimmert die endokrine Orbitopathie deutlich)
Medikamentöse Therapie
- Kortikosteroide (z. B. Methylprednisolon i.v.) zur Entzündungshemmung bei aktiver endokriner Orbitopathie
- Teprotumumab: ein monoklonaler Antikörper, der speziell für die Behandlung der Graves-Orbitopathie zugelassen ist
- Behandlung der Schilddrüsenfunktionsstörung mit Thyreostatika, Radiojodtherapie oder Operation
Strahlentherapie
Eine niedrig dosierte Bestrahlung der Orbita kann bei aktiver, entzündlicher Orbitopathie eingesetzt werden, um die Entzündungsreaktion zu dämpfen.
Chirurgische Therapie
- Orbitadekompression: Erweiterung der knöchernen Augenhöhle zur Entlastung des Sehnervsund der Augenmuskeln
- Augenmuskeloperationen bei anhaltenden Doppelbildern
- Lidoperationen bei unvollständigem Lidschluss
Quellen
- Wiersinga WM, Kahaly GJ (Hrsg.): Graves' Orbitopathy: A Multidisciplinary Approach. Karger Verlag, 3. Auflage, 2017.
- Bartalena L et al.: The 2021 European Group on Graves' Orbitopathy (EUGOGO) clinical practice guidelines for the medical management of Graves' orbitopathy. European Journal of Endocrinology, 2021. DOI: 10.1530/EJE-21-0479.
- Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG): Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der endokrinen Orbitopathie. AWMF-Registernummer 045-016, 2021.
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