Exposom – Definition, Bedeutung & Forschung
Das Exposom umfasst alle Umwelt- und Lebensstileinflüsse, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist, und deren Wirkung auf die Gesundheit.
Wissenswertes über "Exposom"
Das Exposom umfasst alle Umwelt- und Lebensstileinflüsse, denen ein Mensch im Laufe seines Lebens ausgesetzt ist, und deren Wirkung auf die Gesundheit.
Was ist das Exposom?
Der Begriff Exposom (englisch: exposome) bezeichnet die Gesamtheit aller nicht-genetischen Einflüsse, denen ein Mensch von der Empfängnis bis zum Tod ausgesetzt ist. Das Konzept wurde 2005 vom britischen Epidemiologen Christopher Wild eingeführt und ergänzt das Genom (die Gesamtheit der genetischen Informationen) um eine umfassende ökologische und lebensstilbezogene Perspektive auf Gesundheit und Krankheit.
Das Exposom umfasst chemische, physikalische, biologische und psychosoziale Faktoren und berücksichtigt sowohl die Außenwelt als auch innere biologische Prozesse des Körpers.
Bestandteile des Exposoms
Das Exposom wird üblicherweise in drei Hauptbereiche unterteilt:
- Allgemeines externes Exposom: Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, UV-Strahlung, Klimabedingungen, Wasserqualität, Ernährung, Tabakrauch und sozioökonomische Bedingungen.
- Spezifisches externes Exposom: Individuelle Expositionen wie Berufsbelastungen, Infektionserreger, Medikamente, Ernährungsgewohnheiten und körperliche Aktivität.
- Internes Exposom: Biologische Prozesse innerhalb des Körpers, darunter Hormonspiegel, Entzündungsreaktionen, Stoffwechselprodukte, das Mikrobiom und oxidativer Stress.
Bedeutung für die Gesundheitsforschung
Das Konzept des Exposoms ist für die moderne Medizin und Epidemiologie von großer Bedeutung, weil es hilft zu erklären, warum Menschen mit ähnlicher genetischer Ausstattung sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe haben können. Viele chronische Erkrankungen – darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ 2, Asthma und neurodegenerative Erkrankungen – entstehen durch das Zusammenspiel von genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen.
Während das menschliche Genom relativ stabil ist, verändert sich das Exposom ständig und ist hochgradig individuell. Die Erforschung des Exposoms ermöglicht es, Risikofaktoren präziser zu identifizieren und gezieltere Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Methoden der Exposomforschung
Die Messung und Analyse des Exposoms ist methodisch anspruchsvoll und bedient sich moderner Technologien:
- Biomonitoring: Messung von Schadstoffen und biologischen Markern in Blut, Urin oder Gewebe.
- Omik-Technologien: Genomik, Transkriptomik, Proteomik und Metabolomik helfen, biologische Veränderungen durch Expositionen zu erfassen.
- Wearables und Sensoren: Tragbare Geräte messen Umweltbelastungen wie Luftqualität, Lärm und UV-Strahlung in Echtzeit.
- Fragebogen- und Datenerhebung: Lebensstilangaben, Ernährungsprofile und Berufshistorien ergänzen objektive Messdaten.
Exposom und Präventivmedizin
Das Exposom-Konzept hat weitreichende Konsequenzen für die Präventivmedizin und die personalisierte Medizin. Indem man versteht, welchen Umwelteinflüssen eine Person ausgesetzt ist, können individuelle Risiken besser eingeschätzt und mögliche Erkrankungen frühzeitig erkannt werden. Gesundheitspolitische Maßnahmen wie die Reduktion von Luftschadstoffen, die Förderung gesunder Ernährung oder die Verbesserung von Arbeitsbedingungen können direkt auf der Grundlage von Exposom-Daten gestaltet werden.
Quellen
- Wild, C. P. (2005). Complementing the genome with an exposome: the outstanding challenge of environmental exposure measurement in molecular epidemiology. Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention, 14(8), 1847–1850.
- Vermeulen, R., Schymanski, E. L., Barabási, A. L., & Miller, G. W. (2020). The exposome and health: Where chemistry meets biology. Science, 367(6476), 392–396.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) (2021). Environmental health – exposome research framework. Abgerufen von: https://www.who.int/health-topics/environmental-health
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