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Ferrochelatase – Funktion, Mangel und EPP

Ferrochelatase ist ein mitochondriales Enzym, das den letzten Schritt der Häm-Biosynthese katalysiert. Ein Defekt führt zur Erythropoetischen Protoporphyrie.

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Wissenswertes über "Ferrochelatase"

Ferrochelatase ist ein mitochondriales Enzym, das den letzten Schritt der Häm-Biosynthese katalysiert. Ein Defekt führt zur Erythropoetischen Protoporphyrie.

Was ist Ferrochelatase?

Ferrochelatase (auch bekannt als Protohäm-Ferro-Lyase, EC 4.99.1.1) ist ein mitochondriales Enzym, das in nahezu allen Geweben des menschlichen Körpers vorkommt. Es katalysiert den letzten und entscheidenden Schritt der Häm-Biosynthese: den Einbau von zweiwertigem Eisen (Fe²⁺) in den Porphyrinring des Protoporphyrins IX, wodurch Häm entsteht. Häm ist ein lebenswichtiger Kofaktor für zahlreiche Proteine, darunter Hämoglobin, Myoglobin und verschiedene Cytochrome.

Wirkmechanismus

Die Ferrochelatase ist im inneren Mitochondrienmembran verankert und arbeitet in enger Zusammenarbeit mit Eisentransportproteinen. Der Reaktionsmechanismus umfasst folgende Schritte:

  • Bindung von Protoporphyrin IX an das aktive Zentrum des Enzyms
  • Aufnahme von zweiwertigem Eisen (Fe²⁺) aus dem mitochondrialen Eisenpool
  • Katalytische Insertion des Fe²⁺-Ions in den Porphyrinmakrozyklus unter Abgabe von zwei Protonen
  • Freisetzung des fertigen Häm-Moleküls zur weiteren Verwendung in der Zelle

Das menschliche Ferrochelatase-Gen (FECH) liegt auf Chromosom 18q21.3 und kodiert für ein Vorläuferprotein, das nach dem Import in die Mitochondrien prozessiert wird. Das reife Enzym enthält ein [2Fe-2S]-Eisen-Schwefel-Cluster, der für seine katalytische Aktivität und strukturelle Stabilität essenziell ist.

Biologische Bedeutung

Da Häm für eine Vielzahl biologischer Prozesse unverzichtbar ist, hat die Ferrochelatase eine zentrale Rolle im Zellstoffwechsel:

  • Erythropoese: In roten Blutkörperchen ist Häm der Sauerstoff-bindende Kofaktor des Hämoglobins. Eine ausreichende Ferrochelatase-Aktivität ist für die effiziente Bildung roter Blutzellen unerlässlich.
  • Atmungskette: Häm ist Bestandteil der Cytochrom-Komplexe in der mitochondrialen Atmungskette und damit für die zelluläre Energiegewinnung notwendig.
  • Entgiftung: Cytochrom P450-Enzyme, die zahlreiche körperfremde Substanzen abbauen, sind ebenfalls Häm-abhängig.

Ferrochelatase-Mangel und Erythropoetische Protoporphyrie

Ein genetisch bedingter Mangel an Ferrochelatase führt zur Erythropoetischen Protoporphyrie (EPP), einer seltenen Stoffwechselerkrankung aus der Gruppe der Porphyrien. Sie wird autosomal-rezessiv vererbt und manifestiert sich typischerweise in der Kindheit.

Ursachen

Die EPP wird durch pathogene Varianten im FECH-Gen verursacht. In den meisten Fällen liegt eine Kombination aus einer schwerwiegenden Mutation auf einem Allel und einem häufigen, hypomorphen Polymorphismus (IVS3-48C) auf dem anderen Allel vor, der die Enzymaktivität zusätzlich reduziert.

Symptome

Das Leitsymptom der EPP ist eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit (Photosensitivität) der Haut. Schon kurze Sonnenexposition kann zu heftigen Schmerzen, Brennen und Rötungen führen. Weitere Symptome umfassen:

  • Schwellung und Juckreiz der lichtexponierten Haut
  • Chronische Hautveränderungen bei wiederholter Sonnenexposition
  • Erhöhte Konzentration von freiem Protoporphyrin IX in Erythrozyten und Plasma
  • In seltenen, schweren Fällen: hepatische Komplikationen bis hin zur Leberzirrhose durch Ablagerung von Protoporphyrin in der Leber

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch:

  • Messung von freiem Protoporphyrin in Erythrozyten (deutlich erhöht bei EPP)
  • Fluoreszenzspektroskopie des Blutes
  • Molekulargenetische Analyse des FECH-Gens
  • Leberwertkontrollen zur Erfassung hepatischer Komplikationen

Behandlung

Eine kausale Therapie ist bislang nicht verfügbar. Die Behandlung zielt auf Symptomkontrolle und Komplikationsvermeidung:

  • Lichtschutz: Konsequentes Meiden direkter Sonnenbestrahlung, Tragen von Schutzkleidung
  • Afamelanotid (Scenesse®): Ein Melanocortin-Rezeptor-Agonist, der die Melaninproduktion steigert und so die Lichttoleranz erhöht. Zugelassen zur Behandlung der EPP in Europa.
  • Antioxidantien wie Beta-Carotin können bei manchen Patienten eine gewisse Linderung bringen
  • Regelmäßige Kontrolle der Leberfunktion
  • Bei schwerer Leberbeteiligung: Lebertransplantation als ultima ratio

Klinische Relevanz und Forschung

Neben der EPP wird die Ferrochelatase auch im Kontext anderer Erkrankungen erforscht. Eine verminderte Ferrochelatase-Aktivität wurde bei bestimmten Formen der sideroblastischen Anämie beschrieben. Zudem ist das Enzym ein potenzielles Ziel in der Krebsforschung, da Häm-Synthesewege in Tumorzellen häufig verändert sind. Die genaue Regulation der Ferrochelatase und ihre Wechselwirkungen mit dem zellulären Eisenstoffwechsel sind aktiver Gegenstand der biomedizinischen Forschung.

Quellen

  1. Whatley SD, Ducamp S, Gouya L et al. - C-terminal deletions in the FECH gene in erythropoietic protoporphyria: Genotype-phenotype correlation and frequency. American Journal of Human Genetics, 2008.
  2. Balwani M, Desnick RJ - The porphyrias: advances in diagnosis and treatment. Blood, 2012; 120(23): 4496-4504.
  3. European Porphyria Network (EPNET) - Clinical guidelines for the diagnosis and management of erythropoietic protoporphyria. www.porphyria.eu, abgerufen 2024.

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