Fibröse Dysplasie: Ursachen, Symptome & Therapie
Die fibröse Dysplasie ist eine seltene Knochenerkrankung, bei der normales Knochengewebe durch faseriges Bindegewebe ersetzt wird. Sie kann einen oder mehrere Knochen betreffen und zu Schmerzen, Verformungen und Frakturen führen.
Wissenswertes über "Fibröse Dysplasie"
Die fibröse Dysplasie ist eine seltene Knochenerkrankung, bei der normales Knochengewebe durch faseriges Bindegewebe ersetzt wird. Sie kann einen oder mehrere Knochen betreffen und zu Schmerzen, Verformungen und Frakturen führen.
Was ist fibröse Dysplasie?
Die fibröse Dysplasie (englisch: fibrous dysplasia) ist eine seltene, nicht erbliche Erkrankung des Skeletts. Dabei wird normales Knochengewebe durch ein faseriges, bindegewebiges Material ersetzt, das nicht die gleiche Stabilität wie gesunder Knochen besitzt. Die Erkrankung entsteht durch eine spontane Mutation im GNAS1-Gen, welches das Signalprotein Gαs kodiert. Diese Mutation führt dazu, dass sich unreife Knochenzellen (Osteozyten-Vorläufer) nicht normal zu reifem Knochengewebe entwickeln können.
Die Erkrankung kann monoostotisch (nur ein Knochen betroffen) oder polyostotisch (mehrere Knochen betroffen) auftreten. In seltenen Fällen ist die fibröse Dysplasie Teil des McCune-Albright-Syndroms, das zusätzlich Hautveränderungen (Café-au-lait-Flecken) und hormonelle Störungen umfasst.
Ursachen
Die fibröse Dysplasie wird durch eine erworbene, somatische Mutation im GNAS1-Gen auf Chromosom 20q13 verursacht. Diese Mutation tritt nicht in der Keimbahn auf und wird daher nicht vererbt. Sie entsteht zufällig während der frühen Embryonalentwicklung. Je nachdem, wann diese Mutation auftritt, sind mehr oder weniger Zellen und Körperregionen betroffen.
- Monoostotäre Form: Mutation betrifft nur wenige Zellen, daher nur ein Knochen betroffen (ca. 70-80 % der Fälle)
- Polyostotäre Form: Mutation tritt früher auf und betrifft mehrere Knochen (ca. 20-30 % der Fälle)
- McCune-Albright-Syndrom: Zusätzliche Beteiligung von Haut und endokrinen Drüsen
Symptome
Die Symptome der fibrösen Dysplasie sind abhängig davon, welche Knochen betroffen sind und wie ausgeprägt die Veränderungen sind. Häufige Beschwerden sind:
- Knochenschmerzen, besonders bei Belastung
- Knochenverformungen (z. B. Verbiegung des Oberschenkelknochens, sogenannte "Hirtenstabdeformität")
- Pathologische Frakturen (Knochenbruch ohne starke äußere Gewalteinwirkung)
- Beinlängenunterschied bei Befall der unteren Extremitäten
- Gesichtsasymmetrie bei Befall der Schädelbasis oder der Gesichtsknochen
- Sehstörungen oder Gehörprobleme bei Befall schädelnaher Knochen
Bei vielen Patienten, insbesondere bei der monoostotären Form, kann die Erkrankung auch vollständig symptomlos verlaufen und wird nur zufällig bei einer Bildgebungsuntersuchung entdeckt.
Diagnose
Die Diagnose der fibrösen Dysplasie erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung, bildgebenden Verfahren und gegebenenfalls einer Gewebeprobe (Biopsie).
- Röntgenaufnahme: Zeigt typische "Milchglas"-Trübung im betroffenen Knochen sowie Veränderungen der Knochenstruktur
- Computertomographie (CT): Ermöglicht eine detailliertere Darstellung der Knochenveränderungen
- Magnetresonanztomographie (MRT): Zur Beurteilung von Weichteilbeteiligung
- Knochenszintigraphie: Zur Erfassung aller betroffenen Skelettregionen
- Biopsie: Histologische Untersuchung des Knochengewebes zur Sicherung der Diagnose
- Genetische Analyse: Nachweis der GNAS1-Mutation möglich, jedoch nicht immer erforderlich
Behandlung
Eine heilende Behandlung der fibrösen Dysplasie existiert bisher nicht. Die Therapie zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, Frakturen zu verhindern und Fehlstellungen zu korrigieren.
Medikamentöse Therapie
Bisphosphonate (z. B. Pamidronat, Zoledronsäure) werden eingesetzt, um den Knochenabbau zu hemmen und Schmerzen zu reduzieren. Sie gelten als Mittel der ersten Wahl bei symptomatischen Patienten. Studien zeigen, dass Bisphosphonate die Knochendichte im betroffenen Bereich verbessern und die Schmerzintensität verringern können.
Chirurgische Therapie
Operative Maßnahmen sind bei schweren Verformungen, pathologischen Frakturen oder drohenden Komplikationen indiziert. Mögliche Eingriffe umfassen:
- Stabilisierung des Knochens mit Nägeln, Platten oder Schrauben (Osteosynthese)
- Korrektur von Achsfehlstellungen (Korrekturosteotomie)
- Knochentransplantation (in ausgewählten Fällen)
Weitere Maßnahmen
- Physiotherapie zur Stärkung der umgebenden Muskulatur und Verbesserung der Mobilität
- Regelmäßige orthopädische und bildgebende Kontrollen
- Bei McCune-Albright-Syndrom: Behandlung der hormonellen Begleiterkrankungen
Verlauf und Prognose
Die fibröse Dysplasie ist in der Regel eine lebenslange Erkrankung. Die Läsionen können während des Wachstums fortschreiten und stabilisieren sich häufig nach Abschluss des Knochenwachstums. Die Prognose hängt stark von der Ausdehnung und Lokalisation der Erkrankung ab. Eine maligne Entartung (bösartige Umwandlung) ist möglich, aber sehr selten (weniger als 1 % der Fälle).
Quellen
- Riminucci M, Robey PG, Bianco P. - Fibrous Dysplasia. In: Rosen CJ (Hrsg.), Primer on the Metabolic Bone Diseases and Disorders of Mineral Metabolism, 8. Auflage. Wiley-Blackwell, 2013.
- Boyce AM, Collins MT. - Fibrous Dysplasia/McCune-Albright Syndrome. GeneReviews, NCBI Bookshelf, 2020. URL: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK274564/
- Leet AI, Collins MT. - Current approach to fibrous dysplasia of bone and McCune-Albright syndrome. Journal of Children's Orthopaedics, 2007; 1(1): 3-17.
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