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Fingeragnosie – Ursachen, Symptome & Behandlung

Fingeragnosie ist die Unfähigkeit, die eigenen Finger oder die Finger anderer Personen zu erkennen und zu benennen, ohne dass eine Sehstörung vorliegt.

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Wissenswertes über "Fingeragnosie"

Fingeragnosie ist die Unfähigkeit, die eigenen Finger oder die Finger anderer Personen zu erkennen und zu benennen, ohne dass eine Sehstörung vorliegt.

Was ist Fingeragnosie?

Die Fingeragnosie ist eine neuropsychologische Störung, bei der eine Person nicht in der Lage ist, ihre eigenen Finger oder die Finger anderer Menschen zu erkennen, zu benennen oder auf sie zu zeigen, obwohl keine Einschränkung der Sehfähigkeit oder der motorischen Funktion vorliegt. Der Begriff setzt sich zusammen aus dem griechischen Wort agnosia (Nichtwissen, Nichterkennen) und dem deutschen Wort Finger.

Die Fingeragnosie ist ein Teilsymptom des sogenannten Gerstmann-Syndroms, das zusätzlich Rechts-links-Verwechslung, Akalkulie (Rechenstörung) und Agraphie (Schreibstörung) umfasst. Sie kann aber auch isoliert auftreten.

Ursachen

Die Fingeragnosie entsteht durch eine Schädigung des Gyrus angularis im linken Parietallappen des Gehirns. Dieser Bereich ist für die Integration von räumlichen, taktilen und visuellen Informationen zuständig.

  • Schlaganfall (Ischämie oder Hirnblutung im Bereich des linken Parietallappens)
  • Hirntumore im Bereich des Parietallappens
  • Hirnverletzungen durch Unfälle oder Operationen
  • Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz
  • Epileptische Anfälle mit Ursprung im Parietalbereich

Symptome

Die betroffene Person zeigt charakteristische Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Fingern und den Fingern anderer:

  • Unfähigkeit, einen bestimmten Finger auf Aufforderung zu benennen
  • Unfähigkeit, einen benannten Finger zu zeigen oder zu bewegen
  • Schwierigkeiten, berührte Finger zu identifizieren (ohne visuelle Kontrolle)
  • Probleme, die Finger anderer Personen zu benennen oder auf sie zu zeigen
  • Häufiges Auftreten zusammen mit Rechts-links-Verwechslung, Rechenstörungen und Schreibstörungen (Gerstmann-Syndrom)

Diagnose

Die Diagnose der Fingeragnosie erfolgt im Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung. Dabei werden standardisierte Tests eingesetzt, bei denen der Patient gebeten wird:

  • Finger auf Aufforderung zu benennen
  • Einen genannten Finger zu zeigen
  • Berührte Finger ohne visuelle Kontrolle zu identifizieren
  • Finger bei einer anderen Person zu benennen

Zur Abklärung der Ursache werden bildgebende Verfahren wie MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) des Gehirns eingesetzt, um strukturelle Veränderungen im Parietallappen sichtbar zu machen. Eine umfassende neurologische Untersuchung ist essenziell, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Behandlung

Eine spezifische medikamentöse Behandlung der Fingeragnosie existiert nicht. Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache und umfasst:

  • Behandlung der Grunderkrankung: z. B. Therapie des Schlaganfalls, Entfernung eines Tumors oder Einstellung einer Epilepsie
  • Neuropsychologische Rehabilitation: Gezielte Übungen zur Verbesserung der Fingeridentifikation und der räumlichen Wahrnehmung
  • Ergotherapie: Alltagsorientierte Übungen zur Verbesserung der Handfunktion und Selbstversorgung
  • Logopädie: Bei begleitender Sprachstörung oder Agraphie

Der Therapieerfolg hängt stark vom Ausmaß der Hirnschädigung und vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab. Eine frühzeitige Rehabilitation verbessert die Prognose deutlich.

Quellen

  1. Gerstmann J. - Fingeragnosie und isolierte Agraphie, ein neues Syndrom. Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, 1927.
  2. Ardila A., Concha M., Rosselli M. - Angular gyrus syndrome revisited: acalculia, finger agnosia, right-left disorientation and semantic aphasia. Aphasiology, 2000; 14(7):743-754.
  3. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / AWMF - Leitlinien zur neurologischen Rehabilitation, 2023.

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