Follikuläre dendritische Zelle – Funktion & Bedeutung
Follikuläre dendritische Zellen sind spezialisierte Immunzellen in Lymphknoten und Milz, die B-Zellen bei der Antikörperbildung unterstützen und eine zentrale Rolle bei der adaptiven Immunantwort spielen.
Wissenswertes über "Follikuläre dendritische Zelle"
Follikuläre dendritische Zellen sind spezialisierte Immunzellen in Lymphknoten und Milz, die B-Zellen bei der Antikörperbildung unterstützen und eine zentrale Rolle bei der adaptiven Immunantwort spielen.
Was sind follikuläre dendritische Zellen?
Follikuläre dendritische Zellen (FDZ, englisch: follicular dendritic cells, FDC) sind hochspezialisierte, nicht-hämatopoetische Stromazellen des lymphatischen Gewebes. Sie befinden sich vor allem in den Keimzentren sekundärer lymphatischer Organe wie Lymphknoten, Milz und Tonsillen. Trotz ihrer namensgebenden Ähnlichkeit mit dendritischen Zellen gehören sie entwicklungsbiologisch einer völlig anderen Zelllinie an und erfüllen eigenständige immunologische Funktionen.
Struktur und Eigenschaften
Follikuläre dendritische Zellen zeichnen sich durch ihre charakteristischen langen, verzähigten Fortsätze (Dendriten) aus, die ein dichtes Netzwerk innerhalb der Keimzentren bilden. Dieses Netzwerk ermöglicht es ihnen, Antigene über lange Zeiträume auf ihrer Oberfläche zu präsentieren. Im Gegensatz zu klassischen dendritischen Zellen exprimieren FDZ keine MHC-Klasse-II-Moleküle in signifikanter Menge und sind daher nicht direkt an der T-Zell-Aktivierung beteiligt. Stattdessen binden sie Antigen-Antikörper-Komplexe sowie Antigen-Komplement-Komplexe über spezifische Rezeptoren.
- Fc-Rezeptoren: Binden Antigen-Antikörper-Komplexe (Immunkomplexe)
- Komplementrezeptoren (CR1, CR2): Binden mit Komplement opsonisierte Antigene
- Langes Antigengedächtnis: FDZ können Antigene über Wochen bis Monate auf ihrer Oberfläche halten
Funktion im Immunsystem
Die zentrale Aufgabe follikulärer dendritischer Zellen besteht in der Unterstützung der B-Zell-Reifung innerhalb der Keimzentren. Nach der ersten Aktivierung durch ein Antigen wandern B-Zellen in die Keimzentren, wo sie in intensive Wechselwirkung mit FDZ treten. Dieser Prozess umfasst mehrere wichtige Schritte:
- Antigenpra"sentation: FDZ präsentieren Antigene als Immunkomplexe auf ihrer Oberfläche, wodurch B-Zellen selektiert werden, die Antikörper mit besonders hoher Bindungsaffinität produzieren.
- Affinitätsreifung: B-Zellen, die das Antigen auf FDZ erkennen, werden positiv selektiert und überleben; jene mit geringer Affinität sterben durch Apoptose.
- Bildung von Gedächtniszellen: FDZ tragen zur Entstehung von B-Gedächtnis-Zellen bei, die für eine schnelle Immunantwort bei erneutem Antigenkontakt sorgen.
- Differenzierung zu Plasmazellen: Durch die Interaktion mit FDZ reifen B-Zellen zu antikörperproduzierenden Plasmazellen heran.
Bedeutung für die Immunantwort
Follikuläre dendritische Zellen sind essenziell für die humorale Immunantwort, also jenen Teil des Immunsystems, der auf der Produktion von Antikörpern basiert. Ohne funktionierende FDZ wären Keimzentrumsreaktionen, Affinitätsreifung und das immunologische Gedächtnis stark beeinträchtigt. Dies macht FDZ zu einem unverzichtbaren Bestandteil des adaptiven Immunsystems.
Klinische Relevanz
Fehlfunktionen oder Veränderungen follikulärer dendritischer Zellen können mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht werden:
- Follikuläres dendritisches Zellsarkom: Eine seltene bösartige Erkrankung, bei der sich Tumoren aus FDZ in Lymphknoten oder anderen Organen bilden. Symptome sind vergrößerte Lymphknoten und allgemeine Krankheitszeichen.
- HIV-Infektion: Das HI-Virus kann an FDZ gebunden im Keimzentrum persistieren und als Reservoir für die weitere Ausbreitung dienen.
- Autoimmunerkrankungen: Veränderungen in der Keimzentrumsaktivität, an der FDZ beteiligt sind, können zur Entstehung von Autoantikörpern beitragen.
Abgrenzung zu klassischen dendritischen Zellen
Obwohl beide Zelltypen den Begriff "dendritisch" im Namen tragen, unterscheiden sie sich grundlegend:
- Klassische dendritische Zellen stammen aus hämatopoetischen Vorläuferzellen und aktivieren vor allem T-Zellen.
- Follikuläre dendritische Zellen sind mesenchymalen Ursprungs und aktivieren B-Zellen.
- FDZ exprimieren keine MHC-II-Moleküle in relevanter Menge und nehmen Antigene nicht durch Phagozytose auf.
Quellen
- Victora, G.D. & Nussenzweig, M.C. (2022). Germinal Centers. Annual Review of Immunology, 40, 413-442. https://doi.org/10.1146/annurev-immunol-120419-022408
- Allen, C.D. & Cyster, J.G. (2008). Follicular dendritic cell networks of primary follicles and germinal centers: phenotype and function. Seminars in Immunology, 20(1), 14-25.
- World Health Organization (WHO) Classification of Tumours Editorial Board (2022). WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues, 5th edition. IARC Press, Lyon.
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