Follikuläres Lymphom – Ursachen, Symptome & Therapie
Das follikuläre Lymphom ist eine langsam wachsende Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, die von B-Lymphozyten ausgeht. Es zählt zu den häufigsten indolenten Lymphomen.
Wissenswertes über "Follikuläres Lymphom"
Das follikuläre Lymphom ist eine langsam wachsende Form des Non-Hodgkin-Lymphoms, die von B-Lymphozyten ausgeht. Es zählt zu den häufigsten indolenten Lymphomen.
Was ist ein follikuläres Lymphom?
Das follikuläre Lymphom (FL) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems und gehört zur Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Es entsteht aus entarteten B-Lymphozyten – einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen – die sich unkontrolliert vermehren und follikuläre Strukturen (knotige Muster) im Lymphknoten bilden. Das follikuläre Lymphom wird als indolentes Lymphom eingestuft, was bedeutet, dass es in der Regel langsam wächst und oft über Jahre symptomfrei verlaufen kann.
Mit einem Anteil von etwa 20–25 % aller Non-Hodgkin-Lymphome zählt das follikuläre Lymphom zu den häufigsten Lymphomformen bei Erwachsenen. Es tritt vorwiegend im höheren Lebensalter auf, der Altersgipfel liegt zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen des follikulären Lymphoms sind noch nicht vollständig geklärt. In den meisten Fällen liegt eine charakteristische chromosomale Veränderung vor:
- Translokation t(14;18): Diese genetische Veränderung führt zur Überexpression des BCL-2-Gens, das den programmierten Zelltod (Apoptose) hemmt und so das Überleben entarteter Zellen fördert. Diese Translokation findet sich bei ca. 85 % der Patienten mit follikulärem Lymphom.
- Genetische Prädisposition: Ein erhöhtes Risiko besteht bei Personen mit familiärer Vorbelastung.
- Immunschwäche: Geschwächtes Immunsystem, etwa durch Immunsuppressiva oder HIV-Infektion, kann das Risiko erhöhen.
- Umweltfaktoren: Exposition gegenüber bestimmten Chemikalien (z. B. Pestizide, organische Lösungsmittel) wird als möglicher Risikofaktor diskutiert.
Symptome
Das follikuläre Lymphom verläuft häufig über längere Zeit ohne Beschwerden und wird manchmal als Zufallsbefund entdeckt. Mögliche Symptome umfassen:
- Schmerzlose Lymphknotenschwellungen, häufig am Hals, in der Achselhöhle oder in der Leiste
- Vergrößerte Milz (Splenomegalie) oder Leber (Hepatomegalie)
- Müdigkeit und allgemeine Abgeschlagenheit
- Nachtschwweiß, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust (sogenannte B-Symptomatik)
- Selten: Atemprobleme oder Bauchschmerzen bei größeren Lymphknotenkonglomeraten
Diagnose
Die Diagnose des follikulären Lymphoms erfordert mehrere Untersuchungsschritte:
Histologische Untersuchung
Die Lymphknotenbiopsie mit anschließender histologischer und immunhistochemischer Analyse ist der Goldstandard der Diagnose. Sie zeigt das typische follikuläre Wachstumsmuster und den charakteristischen Immunphänotyp (z. B. CD10+, BCL-2+, CD20+).
Bildgebung und Staging
Zur Bestimmung der Ausbreitung der Erkrankung (Staging) werden eingesetzt:
- CT (Computertomographie) von Hals, Thorax, Abdomen und Becken
- PET-CT (Positronen-Emissions-Tomographie) zur Erfassung des Stoffwechsels aktiver Lymphomherde
- Knochenmarkbiopsie zum Nachweis eines Knochenmarkbefalls
Labordiagnostik
Blutbild, LDH (Laktatdehydrogenase), Beta-2-Mikroglobulin und weitere Laborwerte helfen bei der Risikoabschätzung und Verlaufskontrolle.
Grading
Das follikuläre Lymphom wird in drei Maligniitätsgrade eingeteilt (Grad 1, 2 und 3a = indolent; Grad 3b = aggressiver, wird ähnlich wie ein diffus großzelliges B-Zell-Lymphom behandelt).
Behandlung
Die Therapie des follikulären Lymphoms richtet sich nach dem Stadium, dem Grad und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.
Beobachtendes Abwarten (Watch & Wait)
Bei asymptomatischen Patienten im frühen oder fortgeschrittenen Stadium ohne Behandlungsindikation kann zunächst ein aktives Beobachten ohne Therapie erfolgen, da eine sofortige Behandlung das Überleben in dieser Gruppe nicht verbessert.
Immunchemotherapie
Bei Behandlungsindikation ist die Immunchemotherapie die Standardbehandlung. Diese kombiniert:
- Rituximab (Anti-CD20-Antikörper) mit Chemotherapieschemata wie CHOP, CVP oder Bendamustin
- Anschließend kann eine Rituximab-Erhaltungstherapie über zwei Jahre das Rückfallrisiko reduzieren.
Strahlentherapie
Im frühen Stadium (Stadium I und II) kann eine alleinige Strahlentherapie bei lokal begrenztem Befall kurativ eingesetzt werden.
Neue Therapieansätze
- Obinutuzumab: Ein neuerer Anti-CD20-Antikörper, der als Alternative zu Rituximab eingesetzt werden kann.
- PI3K-Inhibitoren (z. B. Idelalisib, Copanlisib): Für Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem follikulärem Lymphom.
- CAR-T-Zelltherapie: In bestimmten Fällen möglich, vor allem bei mehrfach vorbehandelten Patienten.
- Autologe Stammzelltransplantation: Bei jüngeren Patienten mit rezidivierter Erkrankung.
Prognose
Das follikuläre Lymphom ist in der Regel nicht heilbar, aber gut behandelbar. Viele Patienten leben über viele Jahre mit der Erkrankung. Die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 60–80 %. Risikoabschätzungen erfolgen mithilfe des Follikulären Lymphom Internationalen Prognose-Index (FLIPI), der Alter, Stadium, Anzahl betroffener Lymphknotenregionen, Hämoglobinwert und LDH-Spiegel berücksichtigt. In seltenen Fällen (ca. 3–5 % pro Jahr) kann sich das follikuläre Lymphom in ein aggressiveres Lymphom umwandeln (Transformation).
Quellen
- Swerdlow SH et al. (Hrsg.) – WHO Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues. 4. Auflage, IARC Press, Lyon, 2017.
- Dreyling M et al. – Newly diagnosed and relapsed follicular lymphoma: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, 2021; 32(3): 298–308.
- Deutsche Krebsgesellschaft – Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patienten mit einem follikulären Lymphom. AWMF-Registernummer: 018/032OL, 2022.
Verwandte Produkte
Für eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac, Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®
Für Deinen universellen Schutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Proteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des Immunsystems