Fragilitätsfraktur – Ursachen, Symptome & Therapie
Eine Fragilitätsfraktur ist ein Knochenbruch, der durch minimale Krafteinwirkung entsteht – typisches Zeichen einer verminderten Knochendichte, meist bei Osteoporose.
Wissenswertes über "Fragilitätsfraktur"
Eine Fragilitätsfraktur ist ein Knochenbruch, der durch minimale Krafteinwirkung entsteht – typisches Zeichen einer verminderten Knochendichte, meist bei Osteoporose.
Was ist eine Fragilitätsfraktur?
Eine Fragilitätsfraktur (auch osteoporotische Fraktur genannt) ist ein Knochenbruch, der durch ein Trauma entsteht, das bei gesunden Knochen normalerweise keinen Bruch verursachen würde. Typischerweise tritt sie nach einem Sturz aus der eigenen Körperhöhe oder sogar spontan auf. Sie gilt als klinisches Leitsymptom einer Osteoporose – einer Erkrankung, bei der die Knochenmasse abnimmt und die Knochenstruktur geschwächt wird.
Ursachen
Die häufigste Ursache einer Fragilitätsfraktur ist die Osteoporose, eine systemische Skeletterkrankung mit verminderter Knochendichte und veränderter Knochenarchitektur. Weitere begünstigende Faktoren sind:
- Fortgeschrittenes Alter (besonders ab dem 65. Lebensjahr)
- Weibliches Geschlecht und Hormonmangel nach der Menopause
- Langzeittherapie mit Kortikosteroiden
- Untergewicht und Mangelernährung (Kalzium- und Vitamin-D-Mangel)
- Bewegungsmangel und Immobilität
- Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
- Chronische Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Niereninsuffizienz oder Malabsorptionssyndrome
Häufige Lokalisationen
Fragilitätsfrakturen treten bevorzugt an bestimmten Körperstellen auf:
- Wirbelkörper (vertebrale Frakturen): Häufig ohne dramatisches Trauma, oft mit Rückenschmerzen oder Körpergrößenabnahme verbunden
- Hüfte (proximaler Femur): Mit schwerwiegenden Folgen für Mobilität und Lebensqualität
- Unterarm (distaler Radius): Häufig nach Sturz auf die ausgestreckte Hand
- Oberarmknochen (proximaler Humerus)
- Becken und Rippen
Symptome
Die Symptome hängen von der Lokalisation der Fraktur ab:
- Plötzliche, starke Schmerzen im betroffenen Bereich
- Schwellung, Bluterguss oder Verformung
- Eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zur Immobilität
- Bei Wirbelkörperfrakturen: schleichender Rückenschmerz, Rundrücken (Kyphose), Körpergrößenabnahme
Diagnose
Die Diagnose erfolgt durch:
- Röntgenaufnahme: Nachweis des Knochenbruchs
- MRT oder CT: Bei Verdacht auf Wirbelkörperfrakturen oder zur genauen Beurteilung
- Knochendichtemessung (DXA): Zur Feststellung einer Osteoporose und Einschätzung des Frakturrisikos
- Laboruntersuchungen: Kalzium, Vitamin D, Knochenumbaumarker, Ausschluss sekundärer Ursachen
- FRAX-Score: Internationales Tool zur Berechnung des 10-Jahres-Frakturrisikos
Behandlung
Akutbehandlung
Je nach Lokalisation und Schwere der Fraktur umfasst die Akutbehandlung konservative Maßnahmen (Ruhigstellung, Schmerztherapie) oder operative Eingriffe (z. B. Hüftprothese, Vertebroplastie bei Wirbelkörperfrakturen).
Osteoporosetherapie
Da eine Fragilitätsfraktur immer auch ein Hinweis auf eine zugrundeliegende Osteoporose ist, sollte parallel eine spezifische Therapie eingeleitet werden:
- Kalzium und Vitamin D: Als Basistherapie zur Unterstützung der Knochenmineralisierung
- Bisphosphonate (z. B. Alendronsäure, Zoledronsäure): Hemmung des Knochenabbaus
- Denosumab: Monoklonaler Antikörper, der die Osteoklastenaktivität reduziert
- Teriparatid: Anabobes Medikament zur Stimulation der Knochenneubildung
- Romosozumab: Dualer Wirkmechanismus (knochenanabolisch und antiresorptiv)
Rehabilitation und Prävention
Physiotherapie, Sturzprävention, Kraft- und Gleichgewichtstraining sowie die Anpassung des häuslichen Umfelds sind entscheidend, um Folgefrakturen zu vermeiden. Nach einer Hüftfraktur ist eine frühzeitige Mobilisierung besonders wichtig, da diese Frakturart mit einer erhöhten Sterblichkeit verbunden ist.
Prognose und Bedeutung
Eine Fragilitätsfraktur erhöht das Risiko für weitere Frakturen erheblich. Insbesondere Hüftfrakturen sind mit einer erhöhten Ein-Jahres-Sterblichkeit verbunden. Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung der Grunderkrankung sind daher essenziell.
Quellen
- Dachverband Osteologie (DVO): S3-Leitlinie Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose, 2023.
- Kanis JA et al. – European guidance for the diagnosis and management of osteoporosis in postmenopausal women. Osteoporosis International, 2019.
- World Health Organization (WHO): Assessment of osteoporosis at the primary health care level. WHO Press, 2007.
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