FRAX-Score: Frakturrisiko einfach berechnen
Der FRAX-Score ist ein Risikorechner der WHO zur Einschätzung des 10-Jahres-Frakturrisikos bei Osteoporose. Er hilft, Behandlungsentscheidungen zu treffen.
Wissenswertes über "FRAX-Score"
Der FRAX-Score ist ein Risikorechner der WHO zur Einschätzung des 10-Jahres-Frakturrisikos bei Osteoporose. Er hilft, Behandlungsentscheidungen zu treffen.
Was ist der FRAX-Score?
Der FRAX-Score (Fracture Risk Assessment Tool) ist ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickeltes Instrument zur Berechnung des individuellen Risikos für osteoporotische Knochenbrüche innerhalb der nächsten 10 Jahre. Das Tool wurde an der Universität Sheffield entwickelt und ist weltweit in der klinischen Praxis etabliert. Es liefert eine prozentuale Wahrscheinlichkeit für eine Hüftfraktur sowie für eine schwerwiegende osteoporotische Fraktur (Wirbelsäule, Unterarm, Hüfte oder Schulter).
Welche Faktoren fließen in den FRAX-Score ein?
Der FRAX-Score kombiniert klinische Risikofaktoren, die auch ohne eine Knochendichtemessung angewendet werden können. Optional kann der T-Score aus der DXA-Messung (Knochendichtemessung am Oberschenkelhals) ergänzt werden, um die Genauigkeit zu erhöhen.
Klinische Risikofaktoren
- Alter und Geschlecht
- Körpergröße und Körpergewicht (Body-Mass-Index)
- Frühere Frakturen nach dem 40. Lebensjahr
- Elternteil mit Hüftfraktur (familiäre Vorbelastung)
- Aktives Rauchen
- Glukokortikoid-Einnahme (z.B. Kortison über mehr als 3 Monate)
- Rheumatoide Arthritis
- Sekundäre Osteoporose (z.B. bei Typ-1-Diabetes, Zöliakie, chronischer Lebererkrankung)
- Alkoholkonsum (3 oder mehr Einheiten pro Tag)
- Knochendichte (T-Score) am Oberschenkelhals (optional)
Wie wird der FRAX-Score berechnet?
Die Berechnung erfolgt über das offizielle Online-Tool auf der Webseite www.sheffield.ac.uk/FRAX. Nach Eingabe der relevanten Patientendaten gibt das System zwei Prozentwerte aus:
- Wahrscheinlichkeit einer Hüftfraktur in den nächsten 10 Jahren
- Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden osteoporotischen Fraktur in den nächsten 10 Jahren
Der Score ist länderspezifisch kalibriert, da Frakturinzidenz und Sterblichkeit je nach Land variieren. Für Deutschland steht ein eigenes länderspezifisches Modell zur Verfügung.
Klinische Bedeutung und Anwendung
Der FRAX-Score wird hauptsächlich eingesetzt, um die Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Osteoporosetherapie zu unterstützen. Besonders relevant ist er für Patienten, bei denen eine grenzwertige Knochendichte (Osteopenie) vorliegt und unklar ist, ob eine Behandlung erforderlich ist.
Interpretation der Ergebnisse
- Niedriges Risiko: Keine medikamentöse Therapie erforderlich; Lebensstilmaßnahmen empfohlen
- Mittleres Risiko: Individuelle Entscheidung, ggf. weitere Diagnostik (DXA-Messung)
- Hohes Risiko: Medikamentöse Therapie wird empfohlen (z.B. Bisphosphonate, Denosumab)
Die genauen Schwellenwerte für Therapieentscheidungen sind in den nationalen Leitlinien festgelegt und können je nach Land variieren. In Deutschland orientiert man sich an den Empfehlungen des Dachverbands Osteologie (DVO).
Vorteile und Grenzen des FRAX-Scores
Vorteile
- Einfache und schnelle Anwendung in der ärztlichen Praxis
- Auch ohne DXA-Messung anwendbar
- Weltweit validiert und länderspezifisch kalibriert
- Hilft, über- und unterversorgte Patienten zu identifizieren
Grenzen
- Berücksichtigt keine Sturzneigung oder Muskelschwäche
- Wirbelkörperfrakturen ohne Trauma werden nicht erfasst
- Einige Risikofaktoren (z.B. Dosierung von Glukokortikoiden) werden nur grob abgebildet
- Kein Ersatz für eine vollständige klinische Beurteilung
Quellen
- Kanis JA et al. - FRAX and the assessment of fracture probability in men and women from the UK. Osteoporosis International, 2008; 19(4): 385-397.
- Dachverband Osteologie (DVO) - DVO-Leitlinie Osteoporose 2023. Verfügbar unter: https://www.dv-osteologie.org
- WHO Collaborating Centre for Metabolic Bone Diseases, University of Sheffield - FRAX Fracture Risk Assessment Tool. Verfügbar unter: https://www.sheffield.ac.uk/FRAX
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