Freier Androgenindex (FAI) – Bedeutung & Normalwerte
Der Freie Androgenindex (FAI) ist ein Laborwert, der den Anteil biologisch aktiver Androgene im Blut beschreibt. Er hilft, Hormonstörungen bei Frauen und Männern zu erkennen.
Wissenswertes über "Freier Androgenindex"
Der Freie Androgenindex (FAI) ist ein Laborwert, der den Anteil biologisch aktiver Androgene im Blut beschreibt. Er hilft, Hormonstörungen bei Frauen und Männern zu erkennen.
Was ist der Freie Androgenindex?
Der Freie Androgenindex (FAI) ist ein berechneter Laborwert, der Auskunft über die Menge an biologisch aktivem Testosteron im Blut gibt. Testosteron – das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen) – zirkuliert im Blut größtenteils gebunden an Transportproteine, insbesondere an das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG). Nur ein kleiner Teil liegt frei, also ungebunden, vor und ist biologisch wirksam.
Da die direkte Messung von freiem Testosteron technisch aufwändig und fehleranfällig ist, wird der FAI als indirektes Maß verwendet. Er wird aus dem Gesamttestosteron und dem SHBG-Wert berechnet:
FAI (%) = (Gesamttestosteron ÷ SHBG) × 100
Der FAI ist besonders in der gynäkologischen und endokrinologischen Diagnostik relevant, unter anderem bei der Abklärung von Hormonstörungen bei Frauen.
Wann wird der FAI bestimmt?
Der Freie Androgenindex wird häufig bei folgenden Beschwerden oder Erkrankungen eingesetzt:
- Hirsutismus: übermäßiger Haarwuchs bei Frauen nach männlichem Muster
- Akne und fettige Haut: Hinweise auf erhöhte Androgenaktivität
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): häufigste hormonelle Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter
- Zyklusstörungen und Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö)
- Unfruchtbarkeit bei Frauen
- Androgenmangel bei Männern: z. B. bei Hypogonadismus
- Verlaufskontrollen während einer Hormontherapie
Referenzwerte und Interpretation
Die Referenzwerte des FAI unterscheiden sich je nach Geschlecht und Labor. Als Orientierung gelten folgende Richtwerte:
- Frauen: FAI von etwa 0,5 bis 5 % gilt als normal. Werte über 5 % können auf eine Hyperandrogenämie (erhöhte Androgenaktivität) hinweisen.
- Männer: FAI-Werte liegen physiologisch höher, typischerweise zwischen 40 und 90 %. Sehr niedrige Werte können auf einen Androgenmangel hindeuten.
Ein erhöhter FAI bei Frauen ist ein wichtiges diagnostisches Kriterium für das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) und andere Zustände mit übermäßiger Androgenproduktion. Ein niedriger FAI kann bei Männern auf einen Hypogonadismus oder bei Frauen auf eine niedrige Androgenaktivität hinweisen.
Einflussfaktoren auf den FAI
Verschiedene Faktoren können den FAI beeinflussen, da sowohl das Gesamttestosteron als auch der SHBG-Spiegel von mehreren Variablen abhängen:
- SHBG-erhöhende Faktoren (senken den FAI): Östrogene, orale Kontrazeptiva, Schilddrüsenhormone, Lebererkrankungen
- SHBG-senkende Faktoren (erhöhen den FAI): Insulinresistenz, Übergewicht, Hypothyreose, Kortikosteroide
- Tageszeit: Testosteron unterliegt einem zirkadianen Rhythmus; Blutabnahmen sollten morgens erfolgen
- Zykluszeitpunkt: Bei Frauen schwanken die Androgenspiegel während des Menstruationszyklus
Diagnostische Bedeutung und Grenzen
Der FAI ist ein praktisches Instrument in der Hormondiagnostik, hat aber auch Grenzen. Er ist eine Schätzgröße und ersetzt nicht die direkte Messung von freiem Testosteron mittels Gleichgewichtsdialyse, die als Goldstandard gilt. In wissenschaftlichen Studien wird der FAI jedoch häufig eingesetzt, da er einfach zu berechnen und in der klinischen Praxis gut etabliert ist.
Die Interpretation des FAI sollte stets im Zusammenhang mit klinischen Befunden, weiteren Hormonen (z. B. LH, FSH, DHEA-S) und dem individuellen Beschwerdebild erfolgen. Ein erhöhter oder erniedrigter Wert allein erlaubt keine abschließende Diagnose.
Quellen
- Vermeulen A., Verdonck L., Kaufman J.M. - A critical evaluation of simple methods for the estimation of free testosterone in serum. Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 84(10):3666-3672 (1999). PubMed PMID: 10523012.
- Rotterdam ESHRE/ASRM-Sponsored PCOS Consensus Workshop Group - Revised 2003 consensus on diagnostic criteria and long-term health risks related to polycystic ovary syndrome. Human Reproduction, 19(1):41-47 (2004). PubMed PMID: 14688154.
- Goodman N.F. et al. - American Association of Clinical Endocrinologists, American College of Endocrinology, and Androgen Excess and PCOS Society Disease State Clinical Review: Guide to the Best Practices in the Evaluation and Treatment of Polycystic Ovary Syndrome. Endocrine Practice, 21(12):1415-1426 (2015).
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