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Frühkindliche Reflexe – Bedeutung und Entwicklung

Frühkindliche Reflexe sind angeborene, unwillkürliche Bewegungsmuster bei Neugeborenen und Säuglingen, die auf neurologische Reife hinweisen und sich im Laufe der Entwicklung zurückbilden.

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Wissenswertes über "Frühkindliche Reflexe"

Frühkindliche Reflexe sind angeborene, unwillkürliche Bewegungsmuster bei Neugeborenen und Säuglingen, die auf neurologische Reife hinweisen und sich im Laufe der Entwicklung zurückbilden.

Was sind frühkindliche Reflexe?

Frühkindliche Reflexe – auch als Primitivreflexe oder Primärreflexe bezeichnet – sind angeborene, unwillkürliche Bewegungsreaktionen, die bereits im Mutterleib entstehen und bei Neugeborenen sowie Säuglingen vorhanden sind. Sie werden vom Hirnstamm gesteuert und gelten als wichtige Indikatoren für die neurologische Reife und Gesundheit eines Kindes. Im Verlauf der normalen Gehirnentwicklung werden diese Reflexe durch höhere Hirnzentren gehemmt und bilden sich in den ersten Lebensmonaten schrittweise zurück.

Bedeutung für die kindliche Entwicklung

Frühkindliche Reflexe erfüllen im frühen Leben wichtige Schutz- und Überlebensfunktionen. Sie unterstützen beispielsweise das Saugen, das Atmen und die Nahrungsaufnahme. Bleiben diese Reflexe über die normale Entwicklungszeit hinaus bestehen (sogenannte persistierende Primitivreflexe), kann dies auf neurologische Reifungsverzögerungen oder andere Entwicklungsstörungen hinweisen.

Die wichtigsten frühkindlichen Reflexe im Überblick

Suchreflex (Rootingreflex)

Berührt man die Wange eines Neugeborenen, dreht es den Kopf in Richtung des Reizes und öffnet den Mund. Dieser Reflex hilft beim Finden der Brustwarze für das Stillen. Er verschwindet in der Regel nach etwa 3 bis 4 Monaten.

Saugreflex

Wird etwas in den Mund des Neugeborenen eingeführt, beginnt es automatisch zu saugen. Dieser Reflex ist entscheidend für die Nahrungsaufnahme und bildet sich nach etwa 2 bis 4 Monaten zurück, wenn das Saugen zunehmend bewusst gesteuert wird.

Moro-Reflex

Bei einem plötzlichen Reiz – beispielsweise einem lauten Geräusch oder einer schnellen Lageveränderung – breitet das Neugeborene die Arme aus, spreizt die Finger und zieht sie anschließend wieder an den Körper. Dieser Schreckreflex dient als ursprünglicher Schutzreflex und verschwindet normalerweise bis zum 4. bis 6. Lebensmonat.

Greifreflex (Palmarreflex)

Berührt man die Handfläche eines Säuglings, schließt sich die Hand unwillkürlich um den Finger. Dieser Reflex bildet sich bis etwa zum 5. bis 6. Monat zurück und wird durch das willentliche Greifen abgelöst.

Babinski-Reflex

Streicht man über die Fußsohle eines Neugeborenen, spreizen sich die Zehen fächerartig auf. Bei Erwachsenen gilt dieser Reflex als pathologisches Zeichen, bei Säuglingen ist er normal und verschwindet im zweiten Lebensjahr.

Schreitreflex (Gehreflex)

Hält man ein Neugeborenes aufrecht und lässt die Fußsohlen eine Unterlage berühren, führt es automatisch schreitende Bewegungen aus. Dieser Reflex ist ein Vorläufer des späteren Gehens und verschwindet nach etwa 2 Monaten.

Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR)

Wird der Kopf des Säuglings zur Seite gedreht, streckt sich der Arm auf der Blickseite aus, während der gegenüberliegende Arm gebeugt wird (sogenannte Fechterstellung). Dieser Reflex ist bis etwa zum 6. Monat normal und wichtig für die Entwicklung der Hand-Auge-Koordination.

Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR)

Wird der Kopf nach vorne gebeugt, strecken sich die Beine und die Arme beugen sich. Bei Rückwärtsneigung des Kopfes ist es umgekehrt. Dieser Reflex spielt eine Rolle bei der Entwicklung des Kriechens und bildet sich im ersten Lebensjahr zurück.

Tonischer Labyrinthreflex (TLR)

Dieser Reflex beeinflusst den Muskeltonus in Abhängigkeit von der Kopfposition im Raum. Er ist wichtig für die Entwicklung von Gleichgewicht und Koordination und sollte sich in den ersten Lebensmonaten abschwächen.

Persistierende Primitivreflexe

Wenn frühkindliche Reflexe über das normale Entwicklungsalter hinaus bestehen bleiben, spricht man von persistierenden Primitivreflexen. Dies kann die motorische, sensorische und kognitive Entwicklung beeinflussen und wird mit verschiedenen Entwicklungsauffälligkeiten in Verbindung gebracht, darunter:

  • Koordinations- und Gleichgewichtsprobleme
  • Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben (z. B. Legasthenie, Dyslexie)
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Verzögerungen in der Fein- und Grobmotorik
  • Emotionale Regulationsprobleme

Diagnostik und Untersuchung

Die Überprüfung frühkindlicher Reflexe ist fester Bestandteil der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen). Der Kinderarzt oder die Kinderärztin prüft das Vorhandensein und die altersentsprechende Rückbildung der Reflexe durch gezielte Berührungs- und Bewegungsreize. Bleiben Reflexe zu lange bestehen oder fehlen sie zu früh, können weitere neurologische Untersuchungen notwendig sein.

Therapieansätze bei persistierenden Reflexen

Bei Verdacht auf persistierende Primitivreflexe stehen verschiedene therapeutische Ansätze zur Verfügung:

  • Physiotherapie: Gezielte Bewegungsübungen zur Förderung der neurologischen Reifung
  • Ergotherapie: Unterstützung der Alltagsfunktionen und Feinmotorik
  • Neurosensorische Entwicklungsübungen (z. B. nach dem INPP-Konzept): Spezifische Übungsprogramme zur Hemmung persistierender Reflexe
  • Logopädie: Bei Sprach- oder Schluckproblemen, die mit oralen Reflexen zusammenhängen

Quellen

  1. Goddard Blythe, S. (2012): Assessing Neuromotor Readiness for Learning – The INPP Developmental Screening Test and School Intervention Programme. Wiley-Blackwell.
  2. Prechtl, H. F. R. (1977): The Neurological Examination of the Full-Term Newborn Infant. Clinics in Developmental Medicine. Spastics International Medical Publications.
  3. Lissauer, T. & Carroll, W. (2018): Illustrated Textbook of Paediatrics. 5th Edition. Elsevier.

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