Funktioneller Eisenmangel – Ursachen & Therapie
Funktioneller Eisenmangel bezeichnet einen Zustand, bei dem genügend Eisen im Körper vorhanden ist, aber nicht ausreichend für die Blutbildung genutzt werden kann. Er tritt häufig bei chronischen Erkrankungen auf.
Wissenswertes über "Funktioneller Eisenmangel"
Funktioneller Eisenmangel bezeichnet einen Zustand, bei dem genügend Eisen im Körper vorhanden ist, aber nicht ausreichend für die Blutbildung genutzt werden kann. Er tritt häufig bei chronischen Erkrankungen auf.
Was ist funktioneller Eisenmangel?
Beim funktionellen Eisenmangel sind die Eisenspeicher des Körpers zwar gefüllt oder sogar erhöht, dennoch steht das Eisen den Zellen – insbesondere den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) – nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Dies unterscheidet ihn vom absoluten Eisenmangel, bei dem die Gesamtmenge an Eisen im Körper tatsächlich vermindert ist. Der funktionelle Eisenmangel ist eine häufige Ursache der sogenannten Anämie chronischer Erkrankungen (ACD, Anemia of Chronic Disease).
Ursachen
Der funktionelle Eisenmangel entsteht vor allem durch eine gestörte Eisenverwertung und -freisetzung im Körper. Zentrale Rolle spielt dabei das Hormon Hepcidin, das in der Leber gebildet wird und den Eisentransport reguliert. Bei folgenden Erkrankungen und Zuständen ist der Hepcidin-Spiegel häufig erhöht:
- Chronische Entzündungserkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen)
- Chronische Nierenerkrankungen mit eingeschränkter Erythropoetin-Produktion
- Maligne Tumorerkrankungen (Krebs)
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche)
- Chronische Infektionen (z. B. HIV, Tuberkulose)
- Erythropoese-stimulierende Therapien (z. B. Behandlung mit Erythropoetin bei Dialysepatienten)
Durch die erhöhte Hepcidin-Aktivität wird das Eisen in den Speicherzellen (Makrophagen, Hepatozyten) festgehalten und kann nicht in den Blutkreislauf abgegeben werden.
Symptome
Die Symptome des funktionellen Eisenmangels ähneln denen einer Blutarmut (Anämie) und können sein:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Blasse Haut und Schleimhäute
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Schwindel und Kopfschmerzen
- Verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
Da der funktionelle Eisenmangel oft im Rahmen einer Grunderkrankung auftritt, können die Symptome dieser Grunderkrankung im Vordergrund stehen und den Eisenmangel überdecken.
Diagnose
Die Diagnose des funktionellen Eisenmangels erfordert eine differenzierte Blutuntersuchung, da einfache Eisenwerte im Blut nicht ausreichen. Folgende Laborparameter werden typischerweise bestimmt:
- Serumferritin: Speichereisen – beim funktionellen Eisenmangel oft normal oder erhöht (im Gegensatz zum absoluten Eisenmangel)
- Transferrinsättigung (TSAT): Gibt an, wie viel Prozent des Transportproteins Transferrin mit Eisen beladen sind – beim funktionellen Eisenmangel oft erniedrigt (<20 %)
- Löslicher Transferrinrezeptor (sTfR): Hinweis auf den Eisenbedarf der Zellen
- Retikulozyten-Hämoglobin-Äquivalent (CHr/Ret-He): Frühzeitiger Marker für die Eisenversorgung der roten Vorläuferzellen
- CRP und andere Entzündungsparameter: Zur Einschätzung des Entzündungsgrades
- Hepcidin-Spiegel: Kann bei Verdacht auf funktionellen Eisenmangel gemessen werden
Behandlung
Die Therapie des funktionellen Eisenmangels ist komplex und richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Die bloße Zufuhr von Eisen ist oft nicht ausreichend oder sogar kontraindiziert, da die Eisenspeicher bereits gefüllt sein können.
Behandlung der Grunderkrankung
Die effektivste Maßnahme ist die Behandlung der Ursache, zum Beispiel die Kontrolle einer chronischen Entzündung oder Infektion, was den Hepcidin-Spiegel senken und die Eisenverwertung verbessern kann.
Intravenöse Eisentherapie
In bestimmten klinischen Situationen – z. B. bei Dialysepatienten, Tumorpatienten oder Herzinsuffizienz – kann die Gabe von intravenösem Eisen sinnvoll sein, da es die Speicher direkt auffüllt und die enterale Resorptionsbarriere umgeht.
Erythropoese-stimulierende Agenzien (ESA)
Bei chronischer Nierenerkrankung oder tumorassoziierter Anämie werden häufig Erythropoetin-Präparate eingesetzt, um die Blutbildung zu stimulieren. Diese erhöhen jedoch den Eisenbedarf und können einen bestehenden funktionellen Eisenmangel verstärken, weshalb sie oft mit Eisen kombiniert werden.
Orale Eisensubstitution
Orale Eisenpräparate spielen beim funktionellen Eisenmangel eine untergeordnete Rolle, da das aufgenommene Eisen durch den erhöhten Hepcidin-Spiegel blockiert und nicht in die Blutbahn übertragen werden kann. Sie kommen allenfalls unterstützend in Betracht, wenn zusätzlich ein absoluter Eisenmangel vorliegt.
Abgrenzung zum absoluten Eisenmangel
Es ist klinisch wichtig, den funktionellen Eisenmangel vom absoluten Eisenmangel zu unterscheiden:
- Beim absoluten Eisenmangel sind die Körpereisenspeicher tatsächlich entleert (niedriges Ferritin).
- Beim funktionellen Eisenmangel sind die Speicher normal oder erhöht, aber das Eisen wird nicht freigesetzt (niedriger TSAT trotz normalem oder hohem Ferritin).
Diese Unterscheidung ist entscheidend für die richtige Therapiewahl.
Quellen
- Weiss G, Goodnough LT. Anemia of Chronic Disease. New England Journal of Medicine. 2005;352(10):1011–1023.
- Camaschella C. Iron-Deficiency Anemia. New England Journal of Medicine. 2015;372(19):1832–1843.
- Wish JB. Assessing Iron Status: Beyond Serum Ferritin and Transferrin Saturation. Clinical Journal of the American Society of Nephrology. 2006;1(Suppl 1):S4–S8.
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