Galeazzi-Fraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Galeazzi-Fraktur ist ein Knochenbruch des Unterarms, bei dem der Speichenschaft bricht und gleichzeitig das Handgelenk verrenkt wird.
Wissenswertes über "Galeazzi-Fraktur"
Die Galeazzi-Fraktur ist ein Knochenbruch des Unterarms, bei dem der Speichenschaft bricht und gleichzeitig das Handgelenk verrenkt wird.
Was ist eine Galeazzi-Fraktur?
Die Galeazzi-Fraktur ist eine spezifische Verletzung des Unterarms, die aus zwei gleichzeitig auftretenden Schäden besteht: einem Bruch des Speichenschaftes (Radius) im mittleren bis distalen Drittel sowie einer Luxation (Verrenkung) des distalen Radioulnargelenks (DRUG), also der Verbindung zwischen Speiche und Elle am Handgelenk. Diese Kombination macht die Verletzung besonders komplex und behandlungsbedürftig. Der Name leitet sich vom italienischen Chirurgen Ricardo Galeazzi ab, der die Verletzung im Jahr 1934 erstmals systematisch beschrieb.
Ursachen
Die Galeazzi-Fraktur entsteht meist durch indirekte Gewalteinwirkung, zum Beispiel wenn eine Person bei einem Sturz reflexartig die Hände ausstreckt und das Handgelenk dabei stark gestaucht oder verdreht wird. Häufige Ursachen sind:
- Stürze auf die ausgestreckte Hand
- Direkte Schläge gegen den Unterarm, etwa bei Sportunfällen
- Verkehrsunfälle
- Arbeitsunfälle mit mechanischer Gewalteinwirkung
Die Verletzung tritt häufiger bei Erwachsenen auf als bei Kindern, da bei Kindern ähnliche Kräfte eher zu Grünholzfrakturen oder anderen Frakturmustern führen.
Symptome
Typische Zeichen einer Galeazzi-Fraktur umfassen:
- Schmerzen im Unterarm und Handgelenksbereich
- Schwellung und mögliche Hautveränderungen (Hämatom) über dem Bruchbereich
- Sichtbare Fehlstellung des Unterarms oder Handgelenks
- Bewegungseinschränkung im Handgelenk und Unterarm (insbesondere bei Pro- und Supination, also Ein- und Auswärtsdrehung)
- Druckschmerz über der Frakturstelle und dem distalen Radioulnargelenk
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine klinische Untersuchung in Kombination mit bildgebenden Verfahren gestellt:
- Röntgenaufnahme des Unterarms in zwei Ebenen (a.-p. und seitlich) einschließlich Handgelenk und Ellenbogen – dies ist die Standarddiagnostik
- Auf dem Röntgenbild zeigt sich die Radiusschaftfraktur sowie häufig eine Erweiterung des distalen Radioulnargelenkspalts oder eine Dislokation der Elle
- In komplexen oder unklaren Fällen kann eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zusätzliche Informationen liefern
Behandlung
Operative Versorgung (Standardtherapie bei Erwachsenen)
Bei Erwachsenen ist die Galeazzi-Fraktur in aller Regel eine Operationsindikation. Eine konservative Behandlung (Gipsruhigstellung) führt bei Erwachsenen häufig zu unbefriedigenden Ergebnissen durch Redislokation. Der operative Eingriff umfasst typischerweise:
- Offene Reposition und interne Fixation (ORIF) des Radiusschaftes mittels Plattenosteosynthese (meist eine dorsale oder volare Platte)
- Nach stabiler Fixation des Radius wird das distale Radioulnargelenk auf seine Stabilität geprüft. Ist es stabil, kann auf eine zusätzliche Fixierung verzichtet werden.
- Bei instabilem DRUG erfolgt eine zusätzliche Kirschner-Draht-Fixierung oder Reparatur des ulnaren Bandapparates
Konservative Behandlung (bei Kindern)
Bei Kindern kann in ausgewählten Fällen eine geschlossene Reposition mit anschließender Gipsruhigstellung erfolgreich sein, da das kindliche Knochengewebe ein höheres Umbaupotenzial aufweist.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der operativen Versorgung folgt eine Phase der Ruhigstellung, gefolgt von physiotherapeutischen Maßnahmen zur Wiederherstellung von Kraft und Beweglichkeit im Handgelenk und Unterarm. Die vollständige Rehabilitation kann mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Prognose
Bei korrekter und zeitnaher operativer Behandlung ist die Prognose der Galeazzi-Fraktur überwiegend gut. Unbehandelt oder bei fehlerhafter Behandlung drohen chronische Instabilität des Handgelenks, Schmerzen und dauerhafte Einschränkung der Unterarmdrehbeweglichkeit. Komplikationen können Nerven- oder Gefäßschäden sowie eine posttraumatische Arthrose des distalen Radioulnargelenks umfassen.
Quellen
- Nicolaidis SC, Hildreth DH, Lichtman DM. – Acute injuries of the distal radioulnar joint. Hand Clinics, 2000; 16(3): 449–459.
- Rettig ME, Raskin KB. – Galeazzi fracture-dislocation: a new treatment-oriented classification. Journal of Hand Surgery, 2001; 26(2): 228–235.
- Rockwood CA, Green DP (Hrsg.) – Rockwood and Green's Fractures in Adults. 8. Auflage. Wolters Kluwer Health, 2014.
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