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Gallenflüssigkeitsanalyse – Untersuchung & Bedeutung

Die Gallenflüssigkeitsanalyse ist eine diagnostische Untersuchung der Gallenflüssigkeit zur Erkennung von Erkrankungen der Gallenblase, Gallenwege und Leber.

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Wissenswertes über "Gallenflüssigkeitsanalyse"

Die Gallenflüssigkeitsanalyse ist eine diagnostische Untersuchung der Gallenflüssigkeit zur Erkennung von Erkrankungen der Gallenblase, Gallenwege und Leber.

Was ist die Gallenflüssigkeitsanalyse?

Die Gallenflüssigkeitsanalyse ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem die in der Gallenblase produzierte und gespeicherte Gallenflüssigkeit (auch Galle oder Gallesaft genannt) auf ihre chemische Zusammensetzung, zelluläre Bestandteile und mögliche Krankheitserreger untersucht wird. Die Galle ist eine gelblich-grüne Flüssigkeit, die in der Leber gebildet wird und eine zentrale Rolle bei der Fettverdauung sowie der Ausscheidung von Stoffwechselprodukten spielt.

Die Analyse liefert wichtige Hinweise auf Erkrankungen der Gallenblase, der Gallengänge und der Leber. Sie wird eingesetzt, wenn bildgebende Verfahren allein keine ausreichende Diagnose ermöglichen oder wenn eine gezielte Abklärung von Infektionen, Gallensteinen oder bösartigen Veränderungen erforderlich ist.

Gewinnung der Gallenflüssigkeit

Die Gallenflüssigkeit kann auf verschiedene Weisen gewonnen werden:

  • Endoskopische retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP): Bei diesem Verfahren wird ein flexibles Endoskop durch Mund, Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm geführt. Über die Mündung des Gallengangs wird Gallenflüssigkeit aspiriert oder nach Sondierung gewonnen.
  • Duodenale Aspiration (Duodenalsondierung): Hierbei wird eine Sonde durch den Magen in den Zwölffingerdarm eingeführt, um dort ausgetretene Gallenflüssigkeit aufzufangen. Oft wird die Gallenblase durch Gabe von Cholezystokinin oder Magnesiumsulfat zur Entleerung angeregt.
  • Perkutane transhepatische Cholangiographie (PTC): Bei diesem bildgestützten Eingriff wird eine Nadel durch die Haut und die Leber in den Gallengang eingeführt, um Gallenflüssigkeit direkt zu entnehmen.
  • Intraoperative Gewinnung: Im Rahmen von Operationen an der Gallenblase oder den Gallenwegen kann Gallenflüssigkeit direkt entnommen werden.

Untersuchungsparameter

Bei der Gallenflüssigkeitsanalyse werden verschiedene Parameter bestimmt, die jeweils unterschiedliche diagnostische Aussagen ermöglichen:

Chemische Analyse

  • Gallensäuren: Menge und Zusammensetzung der Gallensäuren geben Hinweise auf die Funktion der Leber und der Gallenwege.
  • Bilirubin: Erhöhte Bilirubinwerte können auf eine Hämolyse, Lebererkrankungen oder einen Gallenstau (Cholestase) hinweisen.
  • Cholesterin und Phospholipide: Ein Ungleichgewicht zwischen Cholesterin, Gallensäuren und Phospholipiden begünstigt die Entstehung von Gallensteinen.
  • Enzyme: Bestimmte Enzyme wie alkalische Phosphatase oder Lipase können auf Entzündungen oder Tumore hinweisen.

Mikroskopische und zytologische Untersuchung

  • Kristallanalyse (Mikrolithiasis): Das Vorhandensein von Cholesterin- oder Calciumbilirubinatkristallen kann auf eine beginnende Gallensteinbildung oder eine biliäre Schlammbildung (Biliary Sludge) hinweisen.
  • Zytologie: Untersuchung von Zellen in der Gallenflüssigkeit auf bösartige (maligne) Veränderungen, z. B. bei Verdacht auf ein Gallengangskarzinom (Cholangiokarzinom).
  • Leukozyten und Entzündungszellen: Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen in der Galle weist auf eine Infektion oder Entzündung (Cholangitis, Cholezystitis) hin.

Mikrobiologische Untersuchung

  • Bakterienkultur: Nachweis von Bakterien wie Escherichia coli, Klebsiella spp. oder Enterococcus spp., die häufige Erreger von Gallenwegsinfektionen sind.
  • Parasitologische Untersuchung: Nachweis von Parasiten wie Lamblien (Giardia lamblia) oder Leberegeln (z. B. Opisthorchis, Clonorchis), die die Gallenwege befallen können.
  • Pilznachweis: Bei immungeschwächten Patienten kann auch nach Pilzinfektionen (z. B. Candida spp.) gesucht werden.

Indikationen

Die Gallenflüssigkeitsanalyse wird bei folgenden klinischen Fragestellungen eingesetzt:

  • Wiederkehrende Oberbauchbeschwerden ohne Nachweis von Gallensteinen in der Bildgebung (Verdacht auf Mikrolithiasis oder Biliary Sludge)
  • Verdacht auf eine infektiöse Cholangitis (Entzündung der Gallenwege)
  • Abklärung von Gallenwegsparasitosen
  • Verdacht auf ein Cholangiokarzinom (bösartiger Tumor der Gallenwege)
  • Unklare Cholestase (Gallenstau)
  • Postoperative Komplikationen nach Eingriffen an den Gallenwegen

Aussagekraft und Grenzen

Die Gallenflüssigkeitsanalyse ist ein wertvolles diagnostisches Werkzeug, das jedoch einige Einschränkungen besitzt. Die Gewinnung der Gallenflüssigkeit ist invasiv und mit einem gewissen Komplikationsrisiko verbunden (z. B. Pankreatitis nach ERCP, Blutungen oder Infektionen). Zudem kann die Probenqualität durch Verunreinigungen mit Mageninhalt oder Darmflüssigkeit beeinträchtigt werden.

Die Sensitivität der Zytologie für den Nachweis maligner Veränderungen ist begrenzt, weshalb sie häufig durch molekularbiologische Verfahren (z. B. FISH – Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) oder Biopsien ergänzt wird. In der klinischen Praxis wird die Gallenflüssigkeitsanalyse daher stets im Zusammenhang mit anderen diagnostischen Methoden wie Ultraschall, MRT/MRCP oder laborchemischen Blutuntersuchungen interpretiert.

Quellen

  1. European Association for the Study of the Liver (EASL): EASL Clinical Practice Guidelines on the prevention, diagnosis and treatment of gallstones. Journal of Hepatology, 2016.
  2. Tischendorf J.J.W. et al.: Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Gallenwege. Deutsches Ärzteblatt, 2021.
  3. Cotton P.B., Leung J.W. (Hrsg.): Advanced Digestive Endoscopy – ERCP. Blackwell Publishing, 2005.

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