Gedeihstörung: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Gedeihstörung beschreibt ein unzureichendes Körperwachstum und eine mangelhafte Gewichtszunahme bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie kann organische oder nicht-organische Ursachen haben und erfordert frühzeitige medizinische Abklärung.
Wissenswertes über "Gedeihstörung"
Die Gedeihstörung beschreibt ein unzureichendes Körperwachstum und eine mangelhafte Gewichtszunahme bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie kann organische oder nicht-organische Ursachen haben und erfordert frühzeitige medizinische Abklärung.
Was ist eine Gedeihstörung?
Eine Gedeihstörung (englisch: Failure to Thrive) bezeichnet einen Zustand, bei dem Säuglinge, Kleinkinder oder ältere Kinder nicht ausreichend an Gewicht zunehmen oder in ihrer körperlichen Entwicklung hinter den altersgerechten Normen zurückbleiben. Die Diagnose basiert in der Regel auf standardisierten Wachstumskurven, bei denen das Gewicht des Kindes dauerhaft unterhalb der 3. Perzentile liegt oder ein deutlicher Abfall über zwei oder mehr Hauptperzentilen beobachtet wird.
Eine Gedeihstörung ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Symptomkomplex, der auf verschiedene zugrunde liegende Ursachen hinweisen kann. Sie tritt am häufigsten im ersten Lebensjahr auf, kann aber auch ältere Kinder betreffen.
Ursachen
Die Ursachen einer Gedeihstörung werden traditionell in zwei Hauptkategorien eingeteilt:
Organische Ursachen
- Gastrointestinale Erkrankungen: z. B. Zöliakie, Morbus Crohn, gastroösophagealer Reflux, Kuhmilchproteinallergie
- Angeborene Herzfehler: erhöhter Energiebedarf durch Herzinsuffizienz
- Chronische Lungenerkrankungen: z. B. Mukoviszidose (Zystische Fibrose)
- Nierenerkrankungen: renale tubuläre Azidose, chronische Niereninsuffizienz
- Stoffwechselerkrankungen: angeborene Stoffwechselstörungen, Hypothyreose
- Infektionskrankheiten: chronische Infektionen wie HIV oder Tuberkulose
- Neurologische Erkrankungen: Schluck- und Fütterungsstörungen bei neurologischen Grunderkrankungen
Nicht-organische Ursachen
- Mangelnde Nahrungszufuhr: unzureichendes Stillen, falsche Zubereitung von Säuglingsnahrung, Ernaehrungsfehler
- Psychosoziale Faktoren: Vernachlässigung, Armut, elterliche psychische Erkrankungen, gestörte Eltern-Kind-Bindung
- Fütterungsstörungen: sensorische Verarbeitungsstörungen, Nahrungsverweigerung
Symptome
Neben dem offensichtlichen Merkmal des unzureichenden Gewichtswachstums können folgende Begleitsymptome auftreten:
- Verlangsamtes Längenwachstum und verzögerter Kopfumfangszuwachs
- Entwicklungsverzögerungen (motorisch, sprachlich, kognitiv)
- Ernährungsdefizite und Zeichen von Mangelernährung (blasse Haut, Haarausfall, Müdigkeit)
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Reizbarkeit, Apathie oder Rückzugsverhalten
- Verminderte Aktivität und Antriebsarmut
Diagnose
Die Diagnose einer Gedeihstörung erfolgt durch den Kinderarzt im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen). Wesentliche diagnostische Schritte sind:
- Anthropometrische Messungen: Gewicht, Körpergröße, Kopfumfang im Vergleich zu altersgerechten Perzentilenkurven
- Ausführliche Anamnese: Ernährungsanamnese, Familiengeschichte, psychosoziales Umfeld
- Körperliche Untersuchung: Suche nach Hinweisen auf organische Grunderkrankungen
- Laboruntersuchungen: Blutbild, Entzündungsparameter, Schilddrüsenwerte, Nieren- und Leberwerte, Elektrolyte, Ferritin, Vitaminwerte
- Weiterführende Diagnostik: je nach Verdacht Ultraschall, Stuhluntersuchungen, Echokardiografie oder genetische Tests
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und umfasst in der Regel einen multidisziplinären Ansatz:
Ernährungstherapie
Bei den meisten Kindern steht die Optimierung der Nahrungszufuhr im Vordergrund. Dies kann eine kalorienreiche Ernährung, spezielle Säuglingsnahrung, Ernährungsberatung für die Eltern oder in schweren Fällen eine Sondenernährung (nasogastrale Sonde oder PEG-Sonde) umfassen.
Behandlung organischer Grunderkrankungen
Sofern eine organische Ursache identifiziert wird, muss diese gezielt behandelt werden, z. B. glutenfreie Diät bei Zöliakie, Enzymsubstitution bei Mukoviszidose oder chirurgische Korrektur bei angeborenen Herzfehlern.
Psychosoziale Unterstützung
Bei nicht-organischen Ursachen sind soziale Unterstützung, Elterntraining, Beratungsangebote und in manchen Fällen auch psychotherapeutische Begleitung wesentliche Bausteine der Behandlung. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kinderärzt:innen, Sozialpädagog:innen, Psycholog:innen und Ernährungsberater:innen ist empfehlenswert.
Engmaschige Verlaufskontrolle
Regelmäßige Gewichtskontrollen und Entwicklungsbeurteilungen sind essenziell, um den Therapieerfolg zu überwachen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen.
Quellen
- Olsen E. M. et al. - Failure to Thrive: The Case for Environmental Etiology. In: Pediatrics, 2007.
- Shields B. et al. - Failure to Thrive: A Systematic Review. In: Archives of Disease in Childhood, 2012.
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) - Leitlinien zur Ernährung und Wachstum im Kindesalter, 2022.
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