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Gewebshormon – Definition, Wirkung und Bedeutung

Gewebshormone sind lokal wirkende Botenstoffe, die direkt im Gewebe gebildet werden und wichtige Körperfunktionen regulieren.

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Wissenswertes über "Gewebshormon"

Gewebshormone sind lokal wirkende Botenstoffe, die direkt im Gewebe gebildet werden und wichtige Körperfunktionen regulieren.

Was ist ein Gewebshormon?

Ein Gewebshormon ist ein chemischer Botenstoff, der nicht in einer spezialisierten Drüse, sondern direkt in verschiedenen Körpergeweben gebildet und freigesetzt wird. Im Gegensatz zu klassischen Hormonen, die über das Blut zu entfernten Zielorganen transportiert werden, wirken Gewebshormone meist lokal – also in der unmittelbaren Umgebung ihres Entstehungsortes. Man bezeichnet diese Art der Signalübertragung als parakrine oder autokrine Wirkung.

Entstehung und Vorkommen

Gewebshormone werden von einer Vielzahl verschiedener Zelltypen produziert, darunter Bindegewebszellen, Immunzellen, Gefäßzellen und Epithelzellen. Sie kommen nahezu in allen Organen und Geweben des Körpers vor. Zu den bekanntesten Gruppen der Gewebshormone gehören:

  • Prostaglandine: Lipidverbindungen, die bei Entzündungsreaktionen, Schmerzempfindung und der Regulation des Blutdrucks eine zentrale Rolle spielen.
  • Histamin: Wird vor allem bei allergischen Reaktionen und in der Magenschleimhaut freigesetzt; steuert u. a. die Magensäureproduktion und Entzündungsreaktionen.
  • Serotonin: Wirkt im Darm als Gewebshormon und reguliert dort die Darmbewegung (Peristaltik); im Gehirn fungiert es als Neurotransmitter.
  • Bradykinin: Beteiligt an der Schmerzwahrnehmung und der Erweiterung von Blutgefäßen.
  • Leukotriene: Spielen eine Rolle bei Entzündungen und allergischen Reaktionen, insbesondere bei Asthma bronchiale.

Wirkmechanismus

Gewebshormone binden an spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche oder im Inneren von Zielzellen. Durch diese Bindung wird eine Signalkaskade ausgelöst, die eine bestimmte zelluläre Reaktion hervorruft. Da Gewebshormone meist sehr schnell abgebaut werden, ist ihre Wirkung zeitlich und räumlich begrenzt. Dies erlaubt dem Körper eine präzise, lokale Steuerung von Prozessen wie Entzündung, Schmerzreaktion, Gewebsheilung und Gefäßtonus.

Bedeutung für Gesundheit und Krankheit

Gewebshormone sind an zahlreichen physiologischen und pathologischen Prozessen beteiligt. Ein Ungleichgewicht in der Produktion oder Wirkung von Gewebshormonen kann zu verschiedenen Erkrankungen führen:

  • Chronische Entzündungen: Eine übermäßige Prostaglandin- oder Leukotrien-Freisetzung kann zu anhaltenden Entzündungsreaktionen führen.
  • Allergien und Asthma: Histamin und Leukotriene sind zentrale Mediatoren allergischer und asthmatischer Reaktionen.
  • Schmerzsyndrome: Bradykinin und Prostaglandine sensibilisieren Schmerzrezeptoren und tragen zur Schmerzüberempfindlichkeit bei.
  • Magengeschwüre: Ein gestörtes Gleichgewicht der Histaminwirkung in der Magenschleimhaut kann zu übermäßiger Säureproduktion und damit zu Magengeschwüren beitragen.

Therapeutische Relevanz

Da Gewebshormone so viele Körperprozesse steuern, sind sie wichtige Angriffspunkte für Medikamente. Beispiele:

  • Antihistaminika blockieren Histaminrezeptoren und werden bei Allergien und Heuschnupfen eingesetzt.
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure hemmen die Bildung von Prostaglandinen und wirken dadurch schmerzlindernd und entzündungshemmend.
  • Leukotrienantagonisten werden zur Behandlung von Asthma bronchiale verwendet.
  • Protonenpumpenhemmer und H2-Blocker greifen in den Histamin-Signalweg der Magenschleimhaut ein und reduzieren die Magensäureproduktion.

Quellen

  1. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter Verlag, Berlin 2020.
  2. Silbernagl S., Despopoulos A.: Taschenatlas Physiologie, 9. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2018.
  3. Aktories K., Förstermann U., Hofmann F., Starke K.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 12. Auflage, Urban und Fischer Verlag, München 2021.

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