Gigantomastie: Ursachen, Symptome und Behandlung
Gigantomastie bezeichnet eine extreme übermäßige Vergrößerung der weiblichen Brust. Sie kann körperliche und psychische Beschwerden verursachen und erfordert oft medizinische Behandlung.
Wissenswertes über "Gigantomastie"
Gigantomastie bezeichnet eine extreme übermäßige Vergrößerung der weiblichen Brust. Sie kann körperliche und psychische Beschwerden verursachen und erfordert oft medizinische Behandlung.
Was ist Gigantomastie?
Die Gigantomastie ist eine seltene medizinische Erkrankung, bei der es zu einer extremen, übermäßigen Vergrößerung des Brustgewebes bei Frauen kommt. Im Unterschied zur gewöhnlichen Makromastie (große, aber noch im üblichen Rahmen liegende Brustgröße) bezeichnet die Gigantomastie eine pathologische Hypertrophie, bei der das Brustgewebe ein Gewicht von mehreren Kilogramm pro Seite erreichen kann. Dies führt häufig zu erheblichen körperlichen Einschränkungen und einer starken Belastung der Lebensqualität der Betroffenen.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Gigantomastie sind nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren werden als mögliche Auslöser diskutiert:
- Hormonelle Veränderungen: Ein erhöhter oder veränderter Hormonspiegel, insbesondere von Östrogen und Progesteron, kann das Brustgewebewachstum begünstigen.
- Schwangerschaft: Eine besondere Form ist die Gigantomastie gravidarum, die während der Schwangerschaft auftritt und durch hormonelle Veränderungen ausgelöst wird.
- Pubertät: Die sogenannte juvenile oder pubertäre Gigantomastie beginnt während der Pubertät und entwickelt sich rasch.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Penicillamin, Ciclosporin oder einige Antihypertensiva können als Nebenwirkung eine übermäßige Brusthypertrophie auslösen.
- Autoimmunerkrankungen: Es gibt Hinweise auf Zusammenhänge mit Autoimmunprozessen, bei denen das Immunsystem irrtümlich gegen körpereigenes Gewebe vorgeht.
- Idiopathisch: In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unklar (idiopathische Gigantomastie).
Symptome
Die Gigantomastie geht mit einer Vielzahl von körperlichen und psychischen Symptomen einher:
- Extremes Gewicht der Brust, das zu Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen führt
- Hautreizungen und -infektionen (Intertrigo) unter der Brust
- Haltungsschäden und Wirbelsäulenprobleme
- Einschränkung der Bewegungsfähigkeit und Alltagsaktivitäten
- Atemnot durch Druck auf den Brustkorb
- Taubheitsgefühl oder Schmerzen in den Armen durch Nervenkompression
- Psychische Belastungen wie Depression, Angst und ein vermindertes Selbstwertgefühl
- Schwierigkeiten beim Finden passender Kleidung und sozialer Rückzug
Diagnose
Die Diagnose der Gigantomastie wird in der Regel klinisch gestellt, also durch körperliche Untersuchung und Erhebung der Krankengeschichte. Zusätzliche Untersuchungen können sein:
- Hormonanalysen im Blut (z. B. Östrogen, Progesteron, Prolaktin)
- Ultraschall oder Mammographie zum Ausschluss anderer Brusterkrankungen
- In seltenen Fällen MRT (Magnetresonanztomographie) zur genauen Beurteilung des Gewebes
- Histologische Untersuchung (Gewebeprobe) bei Verdacht auf besondere Ursachen
Die Abgrenzung zu anderen Ursachen einer Brustschwellung, etwa Tumoren oder entzündliche Erkrankungen, ist wichtig.
Behandlung
Die Behandlung der Gigantomastie richtet sich nach der Ursache, dem Ausmaß der Erkrankung und dem Leidensdruck der Patientin.
Konservative Therapie
In leichten Fällen oder als Überbrückungsmaßnahme kommen konservative Ansätze zum Einsatz:
- Hormontherapie: Antihormonelle Medikamente (z. B. Tamoxifen, Progesteron-Präparate) können das Wachstum verlangsamen oder stoppen.
- Medikamentöse Behandlung bei Verdacht auf medikamentös ausgelöste Gigantomastie durch Absetzen oder Umstellen des verursachenden Präparats.
- Physiotherapie und unterstützende Maßnahmen bei Schmerzen
Operative Therapie
In den meisten Fällen ist eine operative Behandlung die einzig dauerhaft wirksame Maßnahme:
- Reduktionsmammoplastik (Brustverkleinerung): Hierbei wird überschüssiges Brustgewebe chirurgisch entfernt. Dies ist der Goldstandard bei schwerer Gigantomastie.
- In extremen Fällen kann eine Mastektomie (vollständige Entfernung der Brust) mit anschließendem Brustaufbau notwendig sein.
- Bei schwangerschaftsbedingter Gigantomastie wird die Operation häufig nach der Entbindung und dem Abstillen durchgeführt.
Prognose
Die Prognose ist nach erfolgreicher operativer Behandlung in der Regel gut. Jedoch können Rückfälle auftreten, insbesondere bei hormonell bedingten Formen oder in weiteren Schwangerschaften. Eine langfristige ärztliche Begleitung und gegebenenfalls eine psychologische Unterstützung sind empfehlenswert.
Quellen
- Dancey A. et al. - Gigantomastia - a classification and review of the literature. Journal of Plastic, Reconstructive & Aesthetic Surgery, 2008.
- Swelstad M. R. et al. - Management of Gestational Gigantomastia. Plastic and Reconstructive Surgery, 2006.
- Leutner M. et al. - Gigantomastie: Klinik, Pathogenese und Therapie. Deutsches Ärzteblatt, 2004.
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