Gilteritinib: Wirkung, Dosierung & Nebenwirkungen
Gilteritinib ist ein zielgerichtetes Krebsmedikament zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie mit FLT3-Mutation. Es hemmt spezifische Enzyme, die das Tumorwachstum fördern.
Wissenswertes über "Gilteritinib"
Gilteritinib ist ein zielgerichtetes Krebsmedikament zur Behandlung der akuten myeloischen Leukämie mit FLT3-Mutation. Es hemmt spezifische Enzyme, die das Tumorwachstum fördern.
Was ist Gilteritinib?
Gilteritinib ist ein oral verabreichbarer Kinase-Inhibitor, der zur Behandlung von Erwachsenen mit rezidivierter oder refrakärer akuter myeloischer Leukämie (AML) mit einer FLT3-Mutation zugelassen ist. Es handelt sich um ein sogenanntes zielgerichtetes Therapeutikum, das gezielt in Signalwege eingreift, die für das unkontrollierte Wachstum von Leukämiezellen verantwortlich sind. In der Europäischen Union ist Gilteritinib unter dem Handelsnamen Xospata erhältlich und wurde von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) zugelassen.
Indikation
Gilteritinib wird eingesetzt bei Patienten, die an einer AML mit FLT3-Mutation leiden und deren Erkrankung nach vorheriger Behandlung zurückgekehrt ist (Rezidiv) oder auf eine Standardtherapie nicht angesprochen hat (Refrakтärität). Eine FLT3-Mutation ist eine genetische Veränderung im FLT3-Gen (Fms-ähnliche Tyrosinkinase 3), die bei etwa 25–30 % aller AML-Patienten vorkommt und mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist. Vor Beginn der Behandlung muss das Vorliegen einer FLT3-Mutation durch einen validierten diagnostischen Test bestätigt werden.
Wirkmechanismus
Gilteritinib wirkt als dualer FLT3- und AXL-Inhibitor. Es hemmt selektiv die Aktivität der mutierten FLT3-Rezeptortyrosinkinase, die in zwei Hauptvarianten vorliegen kann:
- FLT3-ITD (interne Tandemduplikation): häufigste Mutation, führt zu konstitutiver Kinaseaktivierung
- FLT3-TKD (Tyrosinkinase-Domäne): Punktmutationen, z. B. D835Y
Durch die Hemmung dieser Kinasen blockiert Gilteritinib nachgelagerte Signalwege wie STAT5, MAPK und PI3K/AKT, die das Überleben und die Proliferation von Leukämiezellen fördern. Zusätzlich hemmt Gilteritinib AXL, eine Kinase, die mit Therapieresistenz und Krankheitsprogression in Verbindung gebracht wird.
Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Dosierung von Gilteritinib beträgt 120 mg einmal täglich oral als Tablette. Die Einnahme erfolgt unabhängig von den Mahlzeiten. Die Behandlung wird so lange fortgesetzt, bis eine Krankheitsprogression oder inakzeptable Toxizität auftritt. Bei bestimmten Nebenwirkungen oder Arzneimittelwechselwirkungen kann eine Dosisanpassung erforderlich sein.
Nebenwirkungen
Wie alle Krebsmedikamente kann Gilteritinib Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
- Differenzierungssyndrom (eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation, die eine sofortige medizinische Behandlung erfordert)
- Veränderungen der Leberwerte (erhöhte Transaminasen)
- Muskelschmerzen und Myalgie
- Übelkeit, Durchfall und Erbrechen
- Veränderungen des EKG (QT-Verlängerung)
- Fatigue (Erschöpfung)
- Schwellungen der Gliedmaßen (Ödeme)
- Erhöhter Blutdruck
Das Differenzierungssyndrom ist eine besonders ernste Nebenwirkung und kann sich durch Fieber, Atemnot, Pleura- oder Perikardergüsse sowie Hypotonie äußern. Bei Verdacht muss sofort ein Arzt aufgesucht werden.
Wechselwirkungen
Gilteritinib wird hauptsächlich über das Enzym CYP3A4 metabolisiert. Starke Inhibitoren oder Induktoren dieses Enzyms können den Blutspiegel von Gilteritinib erheblich beeinflussen. Auch Arzneimittel, die das P-Glykoprotein (P-gp) hemmen, können die Exposition erhöhen. Patienten sollten ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlichen Präparate informieren.
Klinische Studien
Die Zulassung von Gilteritinib basiert maßgeblich auf der Phase-III-Studie ADMIRAL, in der Gilteritinib mit einer Salvage-Chemotherapie bei Patienten mit rezidivierter oder refrakärer FLT3-mutierter AML verglichen wurde. Gilteritinib zeigte dabei eine signifikant verlängerte Gesamtüberlebenszeit (medianes Überleben: 9,3 Monate vs. 5,6 Monate unter Chemotherapie) sowie höhere Ansprechraten.
Hinweise für Patienten
- Die Behandlung sollte nur unter Aufsicht eines in der Behandlung von Leukämie erfahrenen Arztes erfolgen.
- Regelmäßige Blutbild- und Leberwertkontrolluntersuchungen sind während der Therapie notwendig.
- Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für mindestens 6 Monate danach eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.
- Gilteritinib darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden.
Quellen
- Perl AE et al. - Gilteritinib or Chemotherapy for Relapsed or Refractory FLT3-Mutated AML. New England Journal of Medicine, 2019; 381(18): 1728–1740.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) - Xospata (Gilteritinib) - Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels. EMA, 2019. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
- Daver N et al. - Targeting FLT3 mutations in AML: review of current knowledge and evidence. Leukemia, 2019; 33(2): 299–312.
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