Glomerulosklerose: Ursachen, Symptome & Behandlung
Glomerulosklerose ist eine Vernarbung der Nierenkörperchen (Glomeruli), die zur Einschränkung der Nierenfunktion führt. Sie tritt häufig bei Diabetes und Bluthochdruck auf.
Wissenswertes über "Glomerulosklerose"
Glomerulosklerose ist eine Vernarbung der Nierenkörperchen (Glomeruli), die zur Einschränkung der Nierenfunktion führt. Sie tritt häufig bei Diabetes und Bluthochdruck auf.
Was ist Glomerulosklerose?
Die Glomerulosklerose bezeichnet die Vernarbung und den strukturellen Umbau der Glomeruli – der winzigen Filtereinheiten in den Nieren. Jede Niere enthält etwa eine Million dieser Nierenkörperchen, die das Blut filtern und Abfallprodukte sowie überschüssiges Wasser in den Urin abgeben. Wenn die Glomeruli vernarben, verlieren sie ihre Filterfunktion, was langfristig zu einer chronischen Nierenerkrankung oder sogar zum Nierenversagen führen kann.
Ursachen
Glomerulosklerose kann verschiedene Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Formen:
- Diabetes mellitus (diabetische Nephropathie): Die häufigste Ursache weltweit. Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Blutgefäße in den Glomeruli.
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Erhöhter Druck in den Nierenkapillaren führt zur Vernarbung.
- Fokale segmentale Glomerulosklerose (FSGS): Eine primäre Erkrankung, bei der nur bestimmte Abschnitte einiger Glomeruli betroffen sind. Die Ursache ist oft unbekannt (idiopathisch) oder genetisch bedingt.
- Infektionen: Bestimmte Virusinfektionen, z. B. HIV, können die Glomeruli schädigen.
- Autoimmunerkrankungen: Erkrankungen wie Lupus erythematodes können ebenfalls zur Glomerulosklerose führen.
- Adipositas: Übergewicht erhöht den Filtrationsdruck in den Glomeruli und begünstigt eine Vernarbung.
Symptome
Im Frühstadium verursacht die Glomerulosklerose oft keine Beschwerden. Mit fortschreitendem Verlauf können folgende Symptome auftreten:
- Proteinurie: Erhöhte Eiweißausscheidung im Urin (der Urin kann schaumig erscheinen)
- Ödeme: Wasseransammlungen, besonders an den Beinen, Fußknöcheln und im Gesicht
- Bluthochdruck
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Reduzierte Urinmenge im fortgeschrittenen Stadium
- Nephrotisches Syndrom: Kombination aus starker Proteinurie, Ödemen, niedrigem Eiweiß im Blut und erhöhten Blutfettwerten
Diagnose
Zur Diagnose der Glomerulosklerose werden verschiedene Untersuchungen eingesetzt:
- Urinanalyse: Nachweis von Eiweiß (Protein) oder Blut im Urin
- Blutuntersuchungen: Messung von Kreatinin, Harnstoff und der glomerulären Filtrationsrate (GFR) zur Beurteilung der Nierenfunktion
- Nierenbiopsie: Die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus der Niere ist die zuverlässigste Methode zur genauen Diagnose und Klassifikation der Glomerulosklerose
- Bildgebung: Ultraschall der Nieren zur Beurteilung von Größe und Struktur
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung:
Behandlung der Grunderkrankung
- Optimale Einstellung des Blutzuckers bei Diabetes
- Senkung des Blutdrucks, bevorzugt mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptorblockern (ARB), die zusätzlich die Nieren schützen
Medikamentöse Therapie
- Kortikosteroide und andere immunsuppressive Medikamente bei FSGS oder immunologisch bedingten Formen
- SGLT2-Hemmer (z. B. Empagliflozin, Dapagliflozin): Neuere Medikamente, die nachweislich die Nieren schützen und das Fortschreiten verlangsamen
- Diuretika zur Behandlung von Ödemen
Allgemeine Maßnahmen
- Eiweißarme Ernährung zur Entlastung der Nieren
- Kochsalzreduktion bei Bluthochdruck und Ödemen
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Verzicht auf nephrotoxische Substanzen (z. B. bestimmte Schmerzmittel)
Nierenersatztherapie
Bei schwerem Nierenversagen kann eine Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig werden.
Verlauf und Prognose
Der Verlauf der Glomerulosklerose ist individuell sehr unterschiedlich. Bei frühzeitiger Behandlung und optimaler Kontrolle der Grunderkrankung kann das Fortschreiten deutlich verlangsamt werden. Ohne Behandlung besteht jedoch das Risiko eines chronischen Nierenversagens. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt sind daher unbedingt empfehlenswert.
Quellen
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) - KDIGO 2021 Clinical Practice Guideline for the Management of Glomerular Diseases. Kidney International, 2021.
- Fogo, A. B. - Causes and pathogenesis of focal segmental glomerulosclerosis. Nature Reviews Nephrology, 2015; 11(2): 76–87.
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) - Leitlinien zur Diagnose und Behandlung von Glomerulopathien, 2022.
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