Grünholzfraktur – Knochenbruch bei Kindern
Die Grünholzfraktur ist ein typischer Knochenbruch im Kindesalter, bei dem der Knochen nur auf einer Seite bricht, während die andere Seite intakt bleibt.
Wissenswertes über "Grünholzfraktur"
Die Grünholzfraktur ist ein typischer Knochenbruch im Kindesalter, bei dem der Knochen nur auf einer Seite bricht, während die andere Seite intakt bleibt.
Was ist eine Grünholzfraktur?
Die Grünholzfraktur (auch Greenstick-Fraktur genannt) ist eine besondere Form des Knochenbruchs, die fast ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen auftritt. Der Name leitet sich von der Ähnlichkeit mit einem grünen Ast ab: So wie ein frischer, biegsamer Zweig beim Biegen auf einer Seite bricht, während die andere Seite intakt bleibt, verhält sich auch der kindliche Knochen bei dieser Verletzung. Der Knochen bricht also unvollständig – nur die Kortikalis (die harte äußere Knochenschicht) auf der Zugseite reißt auf, während die Druckseite erhalten bleibt.
Ursachen
Grünholzfrakturen entstehen durch Biegekräfte, die auf den noch weichen und elastischen Knochen von Kindern einwirken. Typische Ursachen sind:
- Stürze auf den ausgestreckten Arm (häufigste Ursache)
- Direkte Schlageinwirkung auf den Knochen
- Sportunfälle, zum Beispiel beim Radfahren, Klettern oder Turnen
- Spielunfälle im Alltag
Da kindliche Knochen noch mehr Kollagen enthalten und weniger mineralisiert sind als Erwachsenenknochen, sind sie biegsamer und neigen eher zu unvollständigen Brüchen.
Häufig betroffene Knochen
Die Grünholzfraktur tritt am häufigsten an folgenden Knochen auf:
- Unterarm: Speiche (Radius) und Elle (Ulna) – dies ist die häufigste Lokalisation
- Unterschenkel: Schien- und Wadenbein
- Schlüsselbein (Klavikula)
- Fingerknochen
Symptome
Die Symptome einer Grünholzfraktur können je nach Schweregrad variieren. Häufig sind sie weniger ausgeprägt als bei vollständigen Frakturen, was die Diagnose erschweren kann:
- Schmerzen an der betroffenen Stelle, vor allem bei Druck oder Bewegung
- Schwellung und mögliche Bläulich-Verfärbung (Hämatom) des Gewebes
- Eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gliedes
- Leichte Achsenfehlstellung (Verbiegung) des Knochens möglich
- Kein vollständiger Stabiliätsverlust, da der Knochen noch zusammenhängt
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch eine Röntgenaufnahme gestellt. Auf dem Röntgenbild zeigt sich typischerweise eine einseitige Unterbrechung der Kortikalis, während die gegenüberliegende Knochenseite intakt bleibt. In manchen Fällen kann zusätzlich eine Computertomographie (CT) oder Ultraschalluntersuchung nötig sein, um den Befund genauer zu beurteilen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Ausmaß der Verbiegung und der betroffenen Körperregion:
Konservative Behandlung
Die meisten Grünholzfrakturen werden konservativ behandelt. Dabei wird der betroffene Knochen in korrekter Stellung ruhiggestellt – häufig mit einem Gipsverband oder einer Unterarm-Schiene. Die Ruhigstellung dauert in der Regel 3 bis 6 Wochen, je nach Alter des Kindes und Lage des Bruchs. Dank des hohen Regenerationspotenzials kindlicher Knochen heilen Grünholzfrakturen in aller Regel vollständig und ohne Folgeschäden aus.
Reposition
Liegt eine deutliche Achsenfehlstellung vor, muss der Knochen vor der Ruhigstellung reponiert (in die richtige Position gebracht) werden. Dies erfolgt meistens unter leichter Sedierung oder Kurznarkose.
Operative Behandlung
Operative Eingriffe sind bei Grünholzfrakturen selten notwendig. Sie kommen nur bei sehr ausgeprägter Fehlstellung oder bei Frakturen in kritischen Regionen in Betracht.
Heilung und Prognose
Die Heilungsaussichten bei Grünholzfrakturen sind ausgezeichnet. Kindliche Knochen besitzen eine sehr hohe Remodelingfähigkeit – das bedeutet, dass der Knochen während des Wachstums geringfügige Fehlstellungen selbst korrigieren kann. In den meisten Fällen sind nach abgeschlossener Heilung keine bleibenden Beeinträchtigungen zu erwarten.
Quellen
- Weinberg, A. M. & Tscherne, H. (Hrsg.) - Unfallchirurgie im Kindesalter. Springer Medizin Verlag, Berlin/Heidelberg (2006).
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) - Frakturen im Kindesalter. AWMF-Leitlinienregister.
- Rockwood, C. A. et al. - Fractures in Children. Lippincott Williams & Wilkins, Philadelphia (2010).
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