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Hämodilution – Blutverdünnung erklärt

Hämodilution bezeichnet die Verdünnung des Blutes, bei der die Konzentration der Blutbestandteile sinkt. Sie kann therapeutisch eingesetzt oder als Komplikation auftreten.

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Wissenswertes über "Hämodilution"

Hämodilution bezeichnet die Verdünnung des Blutes, bei der die Konzentration der Blutbestandteile sinkt. Sie kann therapeutisch eingesetzt oder als Komplikation auftreten.

Was ist Hämodilution?

Der Begriff Hämodilution setzt sich aus den griechisch-lateinischen Wörtern „haima“ (Blut) und „dilutio“ (Verdünnung) zusammen. Er beschreibt einen Zustand, bei dem das Blutvolumen zunimmt, ohne dass die Menge der zellulären oder gelösten Blutbestandteile entsprechend steigt. Dadurch sinkt die Konzentration von roten Blutkörperchen (Erythrozyten), Hämoglobin, Blutplättchen (Thrombozyten) und Gerinnungsfaktoren im Blut.

Die Hämodilution kann sowohl ein natürlicher physiologischer Vorgang sein – etwa während der Schwangerschaft – als auch gezielt medizinisch eingesetzt oder als unerwartete Komplikation auftreten.

Arten der Hämodilution

Normovolämische Hämodilution

Bei der normovolämischen Hämodilution bleibt das Gesamtblutvolumen konstant, während der zelluläre Anteil abnimmt. Dies wird häufig durch die Zufuhr von Infusionslösungen (z. B. kristalloide oder kolloidale Lösungen) erreicht. Eine wichtige Sonderform ist die akute normovolämische Hämodilution (ANH), bei der vor einer Operation Blut entnommen und gleichzeitig durch Infusionslösungen ersetzt wird, um den intraoperativen Blutverlust zu minimieren.

Hypervolämische Hämodilution

Hier steigt das Gesamtblutvolumen an, da mehr Flüssigkeit zugeführt wird als der Körper verarbeiten kann. Dies kann im Rahmen großzügiger Infusionstherapien oder bei Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Nierenversagen auftreten.

Physiologische Hämodilution

Während der Schwangerschaft kommt es zu einer natürlichen Hämodilution: Das Plasmavolumen steigt stärker an als die Erythrozytenmasse, was zu einer relativen Abnahme des Hämatokritmesswertes führt. Dieser Zustand wird als Schwangerschaftsanämie bezeichnet, ist jedoch in der Regel nicht behandlungsbedürftig.

Ursachen und auslösende Faktoren

  • Großzügige intravenöse Flüssigkeitszufuhr (Infusionstherapie)
  • Schwangerschaft (physiologische Hämodilution)
  • Herzinsuffizienz mit Ödembildung
  • Nierenerkrankungen mit Flüssigkeitsretention
  • Leberzirrhose
  • Gezielte medizinische Anwendung (z. B. akute normovolämische Hämodilution vor Operationen)
  • Herz-Lungen-Maschine (extrakorporale Zirkulation)

Klinische Auswirkungen und Symptome

Die Auswirkungen der Hämodilution hängen vom Ausmaß der Blutverdünnung ab. Mögliche Folgen sind:

  • Anämie: Durch den Abfall des Hämoglobins wird weniger Sauerstoff transportiert, was zu Müdigkeit, Schwindel und Kurzatmigkeit führen kann.
  • Gerinnungsstörungen: Die Verdünnung von Gerinnungsfaktoren und Thrombozyten erhöht das Blutungsrisiko.
  • Elektrolytveränderungen: Die Konzentration von Natrium, Kalium und anderen Elektrolyten kann sinken.
  • Verminderte Blutviskosität: Das Blut wird dünnflüssiger, was die Durchblutung kleiner Gefäße verbessern, aber auch die Sauerstoffkapazität verringern kann.

Diagnostik

Die Hämodilution wird durch laborchemische Blutuntersuchungen festgestellt:

  • Hämatokrit: Gibt den prozentualen Anteil der Blutzellen am Gesamtblutvolumen an; bei Hämodilution erniedrigt.
  • Hämoglobin: Sauerstofftransportprotein der roten Blutkörperchen; bei Hämodilution reduziert.
  • Blutbild: Beurteilung von Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten.
  • Gerinnungsparameter: Quick-Wert (INR), PTT und Fibrinogen zur Beurteilung der Blutungsneigung.
  • Elektrolyte und Albumin: Zur Erfassung von Konzentrationsveränderungen im Plasma.

Therapeutische Anwendung der Hämodilution

In der Medizin wird die Hämodilution gezielt eingesetzt, um bestimmte Behandlungsziele zu erreichen:

Akute normovolämische Hämodilution (ANH) in der Chirurgie

Vor großen Operationen wird dem Patienten Blut entnommen und durch Infusionslösungen ersetzt. Das entnommene Blut wird während oder nach der Operation retransfundiert. Dies reduziert den Verlust von roten Blutkörperchen während des Eingriffs und kann Fremdbluttransfusionen vermeiden helfen.

Hämodilution bei Durchblutungsstörungen

Bei bestimmten Durchblutungsstörungen, etwa beim Schlaganfall oder peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten, wurde die Hämodilution eingesetzt, um die Fließeigenschaften des Blutes zu verbessern. Dieser Ansatz ist jedoch in seiner Wirksamkeit umstritten und wird heute weniger verbreitet angewendet.

Extrakorporale Zirkulation

Während Herzoperationen mit Herz-Lungen-Maschine wird das Blut durch die Füllung des Schlauchsystems verdünnt. Ein gezieltes Hämodilutionsmanagement gehört daher zum Standardprotokoll der Herzchirurgie.

Risiken und Komplikationen

Eine unkontrollierte oder übermäßige Hämodilution kann schwerwiegende Folgen haben:

  • Kritischer Abfall des Hämoglobins mit Sauerstoffmangelversorgung der Organe
  • Erhöhtes Blutungsrisiko durch Verdünnung der Gerinnungsfaktoren (Dilutionskoagulopathie)
  • Ödembildung durch Abfall des kolloidosmotischen Drucks
  • Herzbelastung durch erhöhtes Blutvolumen (bei hypervolämischer Hämodilution)

Quellen

  1. Kozek-Langenecker, S. et al. - Management of severe perioperative bleeding: Guidelines from the European Society of Anaesthesiology. European Journal of Anaesthesiology, 2017.
  2. Bundesärztekammer - Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten, 5. Auflage, 2020.
  3. Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter, 2020.
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