Harnsäure – Werte, Ursachen & Behandlung
Harnsäure ist ein Stoffwechselprodukt, das beim Abbau von Purinen entsteht. Erhöhte Werte können Gicht und Nierensteine verursachen.
Wissenswertes über "Harnsäure"
Harnsäure ist ein Stoffwechselprodukt, das beim Abbau von Purinen entsteht. Erhöhte Werte können Gicht und Nierensteine verursachen.
Was ist Harnsäure?
Harnsäure ist ein natürliches Stoffwechselprodukt, das im menschlichen Körper beim Abbau von Purinen entsteht. Purine sind stickstoffhaltige Verbindungen, die sowohl im Körper selbst gebildet als auch über die Nahrung aufgenommen werden. Die Harnsäure wird hauptsächlich über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Ein geringerer Anteil wird über den Darm abgegeben.
Im Blut liegt Harnsäure größtenteils als Natriumurat (Mononatriumurat) vor. Wenn die Konzentration im Blut dauerhaft zu hoch ist, spricht man von Hyperurikämie. Dies kann zur Ablagerung von Uratkristallen in Gelenken und Geweben führen und klinische Erkrankungen wie Gicht auslösen.
Ursachen erhöhter Harnsäurewerte
Erhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie) können verschiedene Ursachen haben:
- Erhöhte Purinzufuhr durch purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Fleisch, Meesfrüchte und Hefe
- Verminderte Ausscheidung durch die Nieren, z. B. bei Niereninsuffizienz
- Erhöhter Purinabbau bei Erkrankungen wie Leukämie, Lymphomen oder nach Chemotherapie
- Genetische Faktoren, z. B. ein angeborener Enzymmangel (Lesch-Nyhan-Syndrom)
- Medikamente wie Diuretika (wassertreibende Mittel), niedrig dosierte Acetylsalicylsäure oder Ciclosporin
- Alkoholkonsum, insbesondere Bier, da Alkohol die Harnsäureausscheidung hemmt
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, metabolisches Syndrom oder Adipositas
Symptome und Folgeerkrankungen
Eine leicht erhöhte Harnsäurekonzentration verursacht häufig keine Beschwerden. Bei dauerhaft hohen Werten können jedoch folgende Erkrankungen auftreten:
Gicht (Arthritis urica)
Gicht ist die häufigste Folge einer chronischen Hyperurikämie. Uratkristalle lagern sich in Gelenken ab und lösen plötzliche, sehr schmerzhafte Gelenkentzündungen aus (Gichtanfall). Besonders häufig betroffen ist das Grundgelenk der großen Zehe. Im späten Stadium können sich sogenannte Tophi (Kristallablagerungen unter der Haut) bilden.
Nierensteine
Harnsäure kann im sauren Urin kristallisieren und Nierensteine bilden. Diese können zu Nierenkoliken, Blut im Urin und Harnwegsinfektionen führen.
Nierenschaden
Eine langanhaltende Hyperurikämie kann die Nierenfunktion dauerhaft beeinträchtigen (Urat-Nephropathie).
Kardiovaskuläre Risiken
Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass erhöhte Harnsäurewerte mit einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Schlaganfall assoziiert sein können.
Diagnose
Die Bestimmung des Harnsäurespiegels erfolgt über eine einfache Blutuntersuchung (Serumharnsäure). Die Referenzwerte können je nach Labor leicht variieren, liegen aber typischerweise bei:
- Männer: 3,4 – 7,0 mg/dl (200 – 420 µmol/l)
- Frauen: 2,4 – 6,0 mg/dl (140 – 360 µmol/l)
Werte oberhalb dieser Grenzen gelten als Hyperurikämie. Zusätzlich kann der Harnsäuregehalt im 24-Stunden-Urin bestimmt werden, um zwischen einer übermäßigen Produktion und einer verminderten Ausscheidung zu unterscheiden.
Behandlung und Prävention
Diätetische Maßnahmen
Eine angepasste Ernährung kann den Harnsäurespiegel wirksam senken:
- Reduzierung purinreicher Lebensmittel (Innereien, rotes Fleisch, Meesfrüchte)
- Alkoholverzicht, insbesondere Bier und hochprozentiger Alkohol
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 Liter Wasser pro Tag)
- Förderung des Verzehrs von Gemüse, Milchprodukten und Vollkornprodukten
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
Medikamentöse Therapie
Bei klinisch relevanter Hyperurikämie oder Gicht können folgende Medikamente eingesetzt werden:
- Allopurinol: Hemmt das Enzym Xanthinoxidase und reduziert so die Harnsäureproduktion. Es ist das am häufigsten verwendete harnsäuresenkende Medikament.
- Febuxostat: Wirkt ebenfalls als Xanthinoxidase-Hemmer und wird bei Unverträglichkeit von Allopurinol eingesetzt.
- Urikosurika (z. B. Benzbromaron, Probenecid): Fördern die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren.
- Colchicin, NSAR oder Kortikosteroide: Werden zur Behandlung akuter Gichtanfälle eingesetzt, um Schmerzen und Entzündung zu lindern.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) - S2e-Leitlinie Gicht (2023). Verfügbar unter: https://www.dgrh.de
- Richette P, Doherty M, Pascual E et al. - 2016 updated EULAR evidence-based recommendations for the management of gout. Annals of the Rheumatic Diseases, 2017;76(1):29–42.
- Zhu Y, Pandya BJ, Choi HK - Prevalence of gout and hyperuricemia in the US general population: the National Health and Nutrition Examination Survey 2007–2008. Arthritis & Rheumatism, 2011;63(10):3136–3141.
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