Hasenscharte: Ursachen, Symptome und Behandlung
Die Hasenscharte ist eine angeborene Spaltbildung der Oberlippe. Sie gehört zu den häufigsten Geburtsfehlern und wird meist chirurgisch behandelt.
Wissenswertes über "Hasenscharte"
Die Hasenscharte ist eine angeborene Spaltbildung der Oberlippe. Sie gehört zu den häufigsten Geburtsfehlern und wird meist chirurgisch behandelt.
Was ist eine Hasenscharte?
Der Begriff Hasenscharte bezeichnet eine angeborene Spaltbildung der Oberlippe, die während der frühen Schwangerschaft durch eine gestörte Entwicklung des Gesichts entsteht. Der medizinische Fachbegriff lautet Cheiloschisis (von griechisch: cheilos = Lippe, schisis = Spaltung). Häufig tritt die Lippen-Spalte gemeinsam mit einer Spalte des Kiefers und des Gaumens auf – in diesem Fall spricht man von einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG-Spalte).
Die Hasenscharte gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen weltweit. Sie tritt bei etwa 1 von 700 Geburten auf und betrifft Mädchen und Jungen gleichermaßen, wobei einseitige Spaltbildungen häufiger sind als beidseitige.
Ursachen
Die genauen Ursachen der Hasenscharte sind nicht vollständig geklärt. Es wird von einem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren ausgegangen:
- Genetische Faktoren: Familiäre Häufungen sind bekannt; bestimmte Genveränderungen erhöhen das Risiko.
- Mangel an Folssäure: Ein unzureichender Folssäure-Spiegel während der frühen Schwangerschaft gilt als Risikofaktor.
- Medikamente: Einige Medikamente wie Antiepileptika oder Kortison können das Risiko erhöhen, wenn sie in der Frühschwangerschaft eingenommen werden.
- Alkohol- und Nikotinkonsum: Der Konsum von Alkohol und Tabak während der Schwangerschaft ist mit einem erhöhten Risiko verbunden.
- Infektionen: Bestimmte virale Infektionen während der Schwangerschaft können die fetale Gesichtsentwicklung beeinträchtigen.
Symptome und Erscheinungsformen
Die Schwere der Spaltbildung kann stark variieren:
- Partielle Lippenspalte: Nur ein Teil der Lippe ist gespalten, das Gewebe reicht bis zur Nasenböden nicht hoch.
- Vollständige Lippenspalte: Die Spalte erstreckt sich von der Lippe bis zur Nase.
- Einseitige oder beidseitige Spaltbildung: Die Spalte kann auf einer oder auf beiden Seiten auftreten.
- Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Kombinierte Spaltbildung, die Lippe, Kiefer und Gaumen betrifft.
Betroffene Kinder können Schwierigkeiten beim Trinken, Sprechen und bei der Sprachentwicklung haben. Auch Hörprobleme und Zahnfehlstellungen kommen häufig vor.
Diagnose
Die Hasenscharte kann häufig bereits vor der Geburt im Ultraschall (Sonografie) zwischen der 18. und 21. Schwangerschaftswoche erkannt werden. Nach der Geburt erfolgt die Diagnose durch eine klinische Untersuchung durch den Kinderarzt oder Spezialisten. Weiterführende Untersuchungen wie Chromosomenanalyse oder genetische Tests können durchgeführt werden, um zugrundeliegende Syndrome auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung der Hasenscharte erfordert ein interdisziplinäres Team aus Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen, Kinderärzten, Logopäden, Kieferorthopäden, HNO-Ärzten und Psychologen.
Chirurgische Behandlung
Die operative Versorgung ist die wichtigste Behandlungsmaßnahme. Typischer Behandlungsplan:
- Lippenverschluss: Wird in der Regel im Alter von 3 bis 6 Monaten durchgeführt.
- Gaumenverschluss: Erfolgt meist zwischen dem 9. und 18. Lebensmonat.
- Knochenaufbau (Alveoloplastik): Im Schulalter, falls der Kiefer betroffen ist.
- Korrekturoperation: Im späteren Kindes- oder Jugendalter für ästhetische Korrekturen.
Weitere Therapien
- Logopädie: Zur Unterstützung der Sprachentwicklung.
- Kieferorthopädie: Zur Korrektur von Zahnfehlstellungen.
- HNO-Behandlung: Bei Hörproblemen, insbesondere Mittelohrentzündungen.
- Psychologische Begleitung: Unterstützung für betroffene Kinder und Familien.
Prognose
Mit einer frühzeitigen und umfassenden Behandlung können die meisten betroffenen Kinder ein normales, beschwerdefreies Leben führen. Das ästhetische und funktionelle Ergebnis ist bei rechtzeitiger Versorgung in der Regel sehr gut. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen sind wichtig, um die Entwicklung des Kindes langfristig zu begleiten.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Congenital anomalies fact sheet. Genf, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/birth-defects
- Dixon MJ, Marazita ML, Beaty TH, Murray JC: Cleft lip and palate: understanding genetic and environmental influences. Nature Reviews Genetics, 2011; 12(3):167–178.
- Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG): Leitlinien zur Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. AWMF-Leitlinienregister, 2020.
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