Hautanhangsgebilde – Haare, Nägel und Drüsen
Hautanhangsgebilde sind spezialisierte Strukturen der Haut wie Haare, Nägel und Drüsen. Sie erfüllen wichtige Schutz- und Regulationsfunktionen des menschlichen Körpers.
Wissenswertes über "Hautanhangsgebilde"
Hautanhangsgebilde sind spezialisierte Strukturen der Haut wie Haare, Nägel und Drüsen. Sie erfüllen wichtige Schutz- und Regulationsfunktionen des menschlichen Körpers.
Was sind Hautanhangsgebilde?
Als Hautanhangsgebilde (auch Hautadnexe oder Hautanhangsorgane genannt) bezeichnet man alle spezialisierten Strukturen, die aus der Haut hervorgehen und eng mit ihr verbunden sind. Dazu gehören Haare, Nägel sowie verschiedene Drüsen. Diese Strukturen entstehen während der embryonalen Entwicklung aus der Oberhaut (Epidermis) und erfüllen im späteren Leben vielfältige Funktionen für Schutz, Regulierung und Kommunikation des Organismus.
Übersicht der Hautanhangsgebilde
Haare (Pili)
Haare sind fadenförmige Horngebilde, die aus Haarfollikeln in der Lederhaut (Dermis) wachsen. Der sichtbare Teil heißt Haarschaft, der im Gewebe verankerte Teil Haarwurzel. Haare erfüllen folgende Aufgaben:
- Schutz vor mechanischen Einwirkungen und UV-Strahlung (z. B. Kopfhaar)
- Thermoregulation durch Aufstellen der Haare (Piloerektion)
- Wahrnehmung taktiler Reize durch Haarfollikel-Rezeptoren
- Soziale und kommunikative Funktionen (z. B. Körperhaare, Wimpern)
Nägel (Ungues)
Nägel sind harte Hornplatten auf der Streckseite der Finger- und Zehenendglieder. Sie bestehen aus Keratin, dem gleichen Eiweiß, aus dem auch Haare aufgebaut sind. Nägel dienen als Schutz der empfindlichen Fingerkuppen, erleichtern das Greifen feiner Gegenstände und können als diagnostisches Merkmal bei verschiedenen Erkrankungen herangezogen werden (z. B. Uhrglasnagel bei Lungenerkrankungen, Löffelnägel bei Eisenmangel).
Talgdrüsen (Glandulae sebaceae)
Talgdrüsen sind kleine Drüsen in der Dermis, die meistens in Haarfollikel münden. Sie produzieren Talg (Sebum), ein Gemisch aus Fetten, Wachsen und Zellresten. Talg erfüllt wichtige Aufgaben:
- Pflege und Geschmeidigkeit von Haut und Haar
- Schutz vor Austrocknung (Hydrolipidfilm der Haut)
- Antimikrobielle Wirkung durch den leicht sauren pH-Wert
Eine Überproduktion von Talg kann zur Entstehung von Akne beitragen.
Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae)
Es gibt zwei Typen von Schweißdrüsen:
- Ekkrine Schweißdrüsen: Diese sind über den gesamten Körper verteilt und produzieren wässerigen Schweiß, der hauptsächlich der Thermoregulation dient.
- Apokrine Schweißdrüsen: Diese befinden sich vor allem in Achselhöhlen, Leistenbeugen und im Genitalbereich. Ihr Sekret ist dickflüssiger und wird durch Bakterien auf der Haut zu dem typischen Körpergeruch umgewandelt.
Milchdruüsen (Glandulae mammariae)
Die Milchdrüsen zählen ebenfalls zu den Hautanhangsgebilden. Sie sind spezialisierte, apokrine Drüsen und dienen der Produktion von Muttermilch zur Ernährung von Säuglingen. Ihr Gewebe ist in die Brustdrüse eingebettet und wird durch Hormone wie Prolaktin und Oxytocin gesteuert.
Klinische Bedeutung
Erkrankungen der Hautanhangsgebilde sind in der Dermatologie sehr häufig. Beispiele sind:
- Akne vulgaris: Entzündung der Talgdrüsen und Haarfollikel
- Alopezie: Haarausfall durch verschiedene Ursachen (genetisch, hormonell, autoimmun)
- Onychomykose: Pilzinfektion der Nägel
- Hyperhidrose: übermäßige Schweißproduktion durch überaktive Schweißdrüsen
- Hidradenitis suppurativa: Chronisch-entzündliche Erkrankung der apokrinen Schweißdrüsen
Diagnostik und Untersuchung
Die Untersuchung der Hautanhangsgebilde gehört zur klinischen Hautuntersuchung durch Dermatologen. Eingesetzte Methoden umfassen:
- Dermatoskopie: vergrößerte Betrachtung von Haaren, Nägeln und Hautläsionen
- Trichoskopie: spezielle Untersuchung der Haare und Kopfhaut
- Biopsie: Gewebeentnahme zur histologischen Analyse
- Mykologischer Abstrich: Nachweis von Pilzinfektionen an Nägeln oder Haaren
Quellen
- Moll, I. (Hrsg.) - Dermatologie, 8. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2016.
- Fritsch, P. - Dermatologie und Venerologie, 2. Auflage, Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2004.
- World Health Organization (WHO) - Skin diseases and conditions. Verfügbar unter: https://www.who.int (Zugriff 2024).
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