HE4 – Tumormarker für Eierstockkrebs erklärt
HE4 (Human Epididymis Protein 4) ist ein Biomarker im Blut, der zur Früherkennung und Verlaufskontrolle von Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) eingesetzt wird.
Wissenswertes über "HE4"
HE4 (Human Epididymis Protein 4) ist ein Biomarker im Blut, der zur Früherkennung und Verlaufskontrolle von Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) eingesetzt wird.
Was ist HE4?
HE4 steht für Human Epididymis Protein 4 (Humanes Epididymisprotein 4) und ist ein Glykoprotein, das ursprünglich im Gewebe des Nebenhodens (Epididymis) entdeckt wurde. Es wird jedoch auch von bestimmten Tumorzellen übermäßig produziert, insbesondere von Zellen des Ovarialkarzinoms (Eierstockkrebs). In der modernen Labordiagnostik wird HE4 als Tumormarker im Blutserum gemessen, um Eierstockkrebs frühzeitig zu erkennen, seinen Verlauf zu beobachten und das Risiko bösartiger Erkrankungen einzuschätzen.
Biologische Funktion
HE4 gehört zur Familie der WFDC-Proteine (Whey Acidic Protein Four-Disulfide Core). Seine genaue physiologische Funktion ist noch nicht vollständig geklärt, es wird jedoch vermutet, dass es eine Rolle bei der Immunabwehr und beim Schutz von Geweben spielt. Bei gesunden Frauen ist HE4 im Blut nur in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar. Erhöhte Werte können auf eine bösartige Erkrankung hinweisen.
Medizinische Bedeutung und Anwendungsgebiete
HE4 wird in der Gynäkologie und Onkologie für verschiedene diagnostische Zwecke eingesetzt:
- Früherkennung des Ovarialkarzinoms: HE4 ist einer der empfindlichsten Marker für Eierstockkrebs, insbesondere für seruminöse und endometrioide Subtypen.
- Differenzialdiagnose: HE4 hilft dabei, zwischen gutartigen und bösartigen Adnexbefunden (Veränderungen an Eierstöcken und Eileitern) zu unterscheiden.
- Therapieverlaufskontrolle: Während und nach einer Krebsbehandlung wird HE4 eingesetzt, um das Ansprechen auf die Therapie zu überwachen.
- Rückfallkontrolle (Rezidivmonitoring): Ein erneuter Anstieg des HE4-Spiegels nach erfolgreicher Behandlung kann auf ein Rezidiv (Rückfall) hinweisen.
- ROMA-Score: HE4 wird häufig in Kombination mit dem bekannten Marker CA-125 im sogenannten ROMA-Score (Risk of Ovarian Malignancy Algorithm) verwendet, um das Risiko für ein Ovarialkarzinom statistisch besser einzuschätzen.
Diagnose: Wie wird HE4 gemessen?
Die Bestimmung von HE4 erfolgt aus einer einfachen Blutprobe (Serumprobe). Das Blut wird in einem Labor mittels eines immunologischen Testverfahrens (z.B. ELISA oder Elektrochemilumineszenz-Immunoassay) analysiert. Das Ergebnis wird in der Einheit pmol/l (Pikomol pro Liter) angegeben.
Referenzwerte
Die Referenzwerte können je nach Labor und Testmethode leicht variieren. Als allgemeiner Richtwert gilt:
- Prämenopausale Frauen: in der Regel unter 70 pmol/l
- Postmenopausale Frauen: in der Regel unter 140 pmol/l
Werte über diesen Grenzwerten können, müssen aber nicht zwingend, auf ein Ovarialkarzinom hinweisen und bedürfen weiterer diagnostischer Abklärung.
Ursachen für erhöhte HE4-Werte
Ein erhöhter HE4-Spiegel ist nicht ausschließlich auf Eierstockkrebs zurückzuführen. Auch andere Faktoren und Erkrankungen können den Wert erhöhen:
- Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) – häufigste maligne Ursache
- Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs)
- Andere maligne Tumoren (z.B. Lungen- oder Brustkrebs)
- Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion)
- Gutartige Erkrankungen der Lunge oder der Nieren
- Raucherstatus (Rauchen kann den HE4-Spiegel leicht erhöhen)
Daher ist HE4 immer im klinischen Gesamtkontext und in Kombination mit weiteren diagnostischen Verfahren (z.B. Ultraschall, CA-125, Biopsie) zu bewerten.
Vorteile gegenüber anderen Tumormarkern
Ein wesentlicher Vorteil von HE4 gegenüber dem herkömmlichen Marker CA-125 ist seine höhere Spezifität: HE4 ist bei gutartigen Erkrankungen wie Endometriose oder Myomen seltener falsch-positiv erhöht, was die Aussagekraft des Tests verbessert. Dennoch ist kein einzelner Marker ausreichend, um Eierstockkrebs sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ein erhöhter HE4-Wert allein ist kein Beweis für eine Krebserkrankung. Wenn jedoch der HE4-Wert erhöht ist oder im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung auffällige Befunde festgestellt werden, sollte umgehend ein Frauenarzt oder Onkologe aufgesucht werden. Symptome, die zusammen mit einem erhöhten HE4-Wert ernst genommen werden sollten, umfassen:
- Anhaltende Unterleibsschmerzen oder Blähungen
- Unerwünschter Gewichtsverlust
- Veränderte Darm- oder Blasenfunktion
- Gefühl der Volle im Bauch
Quellen
- Hellström I, Raycraft J, Hayden-Ledbetter M, et al. - The HE4 (WFDC2) protein is a biomarker for ovarian carcinoma. Cancer Research, 2003.
- Moore RG, McMeekin DS, Brown AK, et al. - A novel multiple marker bioassay utilizing HE4 and CA125 for the prediction of ovarian cancer in patients with a pelvic mass. Gynecologic Oncology, 2009.
- European Medicines Agency (EMA) - Scientific guidelines on biomarkers and tumor markers in oncology, 2020.
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