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Hepatorenal: Bedeutung, Syndrom & Behandlung

Hepatorenal beschreibt den Zusammenhang zwischen Leber und Nieren. Das hepatorenale Syndrom ist eine schwere Nierenfunktionsstörung bei fortgeschrittener Lebererkrankung.

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Wissenswertes über "Hepatorenal"

Hepatorenal beschreibt den Zusammenhang zwischen Leber und Nieren. Das hepatorenale Syndrom ist eine schwere Nierenfunktionsstörung bei fortgeschrittener Lebererkrankung.

Was bedeutet hepatorenal?

Der Begriff hepatorenal setzt sich aus den lateinischen Wörtern hepar (Leber) und renalis (die Nieren betreffend) zusammen. Er beschreibt allgemein den funktionellen und anatomischen Zusammenhang zwischen Leber und Nieren. In der klinischen Medizin wird der Begriff vor allem im Kontext des hepatorenalen Syndroms (HRS) verwendet – einer lebensbedrohlichen Komplikation bei schweren Lebererkrankungen, bei der es zu einem akuten Nierenversagen kommt, ohne dass eine primäre Nierenerkrankung vorliegt.

Ursachen

Das hepatorenale Syndrom tritt typischerweise bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose, akutem Leberversagen oder alkoholischer Hepatitis auf. Die zugrunde liegenden Mechanismen umfassen:

  • Schwere Einschränkung der Leberfunktion mit veränderter Durchblutungsregulation
  • Ausgeprägte Erweiterung der Blutgefäße im Bauchraum (splanchnische Vasodilatation)
  • Verminderung des effektiven Blutvolumens, das die Nieren erreicht
  • Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) als Gegenreaktion
  • Starke Verengung der Nierengefäße mit drastisch reduzierter Nierendurchblutung

Auslösende Faktoren können unter anderem eine bakterielle Infektion (z. B. spontane bakterielle Peritonitis), eine übermäßige Flüssigkeitsentnahme bei Aszites (Aszitespunktion ohne adäquaten Volumenersatz) oder gastrointestinale Blutungen sein.

Formen des hepatorenalen Syndroms

HRS Typ 1 (HRS-AKI)

Typ 1 ist die akute, rasch fortschreitende Form mit einem Anstieg des Serumkreatinins um mehr als 50 % innerhalb weniger Tage. Diese Form hat ohne Behandlung eine sehr schlechte Prognose und erfordert sofortige intensivmedizinische Maßnahmen.

HRS Typ 2 (HRS-NAKI)

Typ 2 verläuft langsamer und ist häufig mit einem therapierefraktären Aszites (Bauchwasseransammlung, die nicht auf Diuretika anspricht) verbunden. Die Nierenfunktion ist zwar eingeschränkt, aber stabiler als bei Typ 1.

Symptome

Die Symptome des hepatorenalen Syndroms sind vielfältig und spiegeln sowohl die zugrundeliegende Lebererkrankung als auch das Nierenversagen wider:

  • Deutlich reduzierte Harnausscheidung (Oligurie bis Anurie)
  • Flüssigkeitsansammlungen im Bauch (Aszites) und in den Beinen (Ödeme)
  • Gelbfärbung von Haut und Augen (Ikterus)
  • Verwirrtheit und Bewusstseinstrübung (hepatische Enzephalopathie)
  • Übelkeit, Erbrechen und allgemeines Schwächegefühl
  • Anstieg der Nierenwerte im Blut (Kreatinin, Harnstoff)

Diagnose

Die Diagnose des hepatorenalen Syndroms erfolgt als Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, andere Ursachen eines Nierenversagens müssen zunächst ausgeschlossen werden. Typische diagnostische Schritte umfassen:

  • Laboruntersuchungen: Serumkreatinin, Elektrolyte, Leberwerte, Blutbild
  • Urinanalyse zum Ausschluss einer intrinsischen Nierenerkrankung
  • Ultraschall der Nieren und der Leber (Sonografie)
  • Ausschluss einer Hypovolämie durch Volumenbelastungstest (Gabe von Albumin i.v.)
  • Ausschluss von nephrotoxischen Substanzen (z. B. NSAR, Kontrastmittel)

Laut aktuellen Kriterien der International Ascites Club (IAC) gilt das HRS als bestätigt, wenn das Kreatinin nach zwei Tagen Albumininfusion nicht ausreichend abfällt und keine alternative Ursache des Nierenversagens identifiziert werden kann.

Behandlung

Die Behandlung des hepatorenalen Syndroms zielt darauf ab, die Nierenfunktion zu stabilisieren und die zugrunde liegende Lebererkrankung zu behandeln. Zu den wichtigsten Therapiemaßnahmen zählen:

  • Vasokonstringierende Medikamente: Terlipressin in Kombination mit Albumin gilt als Standardtherapie und führt bei einem Teil der Patienten zu einer Verbesserung der Nierenfunktion.
  • Albumin-Infusionen: Zur Stabilisierung des Kreislaufs und Verbesserung der effektiven Nierendurchblutung.
  • Nierenersatztherapie: Bei schwerem Nierenversagen kann eine Dialyse als Überbrückungsmaßnahme erforderlich sein.
  • Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS): Kann in ausgewählten Fällen den Pfortaderdruck senken und die Nierenfunktion verbessern.
  • Lebertransplantation: Die einzige potenziell kurative Therapie. Nach erfolgreicher Transplantation erholt sich die Nierenfunktion in vielen Fällen.

Prognose

Das hepatorenale Syndrom, insbesondere Typ 1, ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Ohne Behandlung beträgt die mittlere Überlebenszeit bei Typ 1 weniger als zwei Wochen. Mit moderner medikamentöser Therapie und vor allem nach einer Lebertransplantation können die Überlebenschancen deutlich verbessert werden. Eine frühzeitige Diagnose und der rasche Beginn einer Therapie sind entscheidend für den Verlauf.

Quellen

  1. European Association for the Study of the Liver (EASL): Clinical Practice Guidelines for the management of patients with decompensated cirrhosis. Journal of Hepatology, 2018.
  2. Angeli P. et al.: Diagnosis and management of acute kidney injury in patients with cirrhosis: revised consensus recommendations of the International Club of Ascites. Journal of Hepatology, 2015.
  3. Nadim M.K. et al.: Hepatorenal syndrome. The Lancet, 2012; 379(9819): 1612-1619.
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