Hill-Sachs-Läsion – Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Hill-Sachs-Läsion ist eine knöcherne Impressionsfraktur am Humeruskopf, die typischerweise nach einer Schulterverrenkung (Luxation) entsteht. Sie kann die Schulterinstabilität begünstigen.
Wissenswertes über "Hill-Sachs-Läsion"
Die Hill-Sachs-Läsion ist eine knöcherne Impressionsfraktur am Humeruskopf, die typischerweise nach einer Schulterverrenkung (Luxation) entsteht. Sie kann die Schulterinstabilität begünstigen.
Was ist eine Hill-Sachs-Läsion?
Die Hill-Sachs-Läsion (auch Hill-Sachs-Delle oder Hill-Sachs-Defekt) ist eine knöcherne Delle am hinteren oberen Anteil des Humeruskopfes (Oberarmknochen). Sie entsteht durch einen Aufprall des Humeruskopfes auf den vorderen Rand der Gelenkpfanne (Glenoid) während einer vorderen Schulterausrenkung (anterioren Schultergelenkluxation). Erstmals beschrieben wurde sie 1940 von den amerikanischen Radiologen Harold Arthur Hill und Maurice David Sachs.
Ursachen und Entstehung
Die häufigste Ursache einer Hill-Sachs-Läsion ist die vordere Schultergelenkluxation, bei der der Oberarmkopf nach vorne aus der Gelenkpfanne tritt. Dabei prallt der weichere Knochen des Humeruskopfes gegen den härteren vorderen Pfannenrand und hinterlässt eine charakteristische Impression.
- Sportunfälle (z. B. beim Handball, Volleyball, Skifahren)
- Sturz auf den ausgestreckten oder abgespreizten Arm
- Direkte Gewalteinwirkung auf die Schulter
- Wiederholte Luxationen erhöhen Größe und Tiefe der Läsion
Symptome
Kleine Hill-Sachs-Läsionen verursachen häufig keine eigenständigen Beschwerden. Bei größeren Defekten oder begleitender Schulterinstabilität können folgende Symptome auftreten:
- Schmerzen in der Schulter, besonders bei bestimmten Bewegungen
- Gefühl der Schulterinstabilität oder des Einhakens (sog. Engagement)
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Schultergelenks
- Erneute Luxationsereignisse
- Muskelschwund (Atrophie) bei chronischen Fällen
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren gestellt:
- Röntgenaufnahme: Spezielle Aufnahmen (z. B. Stryker-Notch-View) können die Delle am Humeruskopf sichtbar machen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Ermöglicht eine genaue Beurteilung von Größe, Tiefe und Begleitverletzungen (z. B. Bankart-Läsion am Labrum).
- CT (Computertomographie): Besonders geeignet zur präzisen Knochenanalyse und Operationsplanung.
- Klinische Tests: Instabilitätstests wie der Apprehension-Test helfen, die funktionelle Relevanz einzuschätzen.
Behandlung
Konservative Therapie
Kleine, klinisch nicht relevante Hill-Sachs-Läsionen werden häufig konservativ behandelt. Im Vordergrund stehen:
- Physiotherapie zur Stärkung der schulterstabilisierenden Muskulatur (insbesondere Rotatorenmanschette)
- Schmerzmittel und Entzündungshemmer (NSAR) bei akuten Beschwerden
- Ruhigstellung nach akuter Luxation, gefolgt von gezielter Rehabilitation
Operative Therapie
Bei großen oder sogenannten engagierenden Hill-Sachs-Läsionen (bei denen der Defekt in bestimmten Schulterstellungen in den vorderen Pfannenrand einhakt) ist eine Operation notwendig:
- Remplissage-Technik: Die Infraspinatus-Sehne wird arthroskopisch in den Knochendefekt eingebracht, um ein Einhaken zu verhindern.
- Latarjet-Operation: Ein Knochentransplantat vom Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus) wird an den vorderen Pfannenrand versetzt, um den Defekt auszugleichen und die Schulter zu stabilisieren.
- Knochenaufbau mit Allograft: Bei sehr großen Defekten kann fremdes Knochenmaterial zur Auffüllung verwendet werden.
- Humeruskopfprothese: In schweren, chronischen Fällen mit ausgedehntem Defekt kann ein Gelenkersatz erwägt werden.
Prognose und Verlauf
Die Prognose hängt von der Größe des Defekts und der Anzahl vorausgegangener Luxationen ab. Bei frühzeitiger und konsequenter Behandlung ist eine vollständige Wiederherstellung der Schulterfunktion in vielen Fällen möglich. Unbehandelte große Läsionen erhöhen das Risiko für wiederholte Ausrenkungen und frühzeitige Schulterarthrose.
Quellen
- Hill HA, Sachs MD. The grooved defect of the humeral head. Radiology. 1940;35(6):690–700.
- Provencher MT, et al. The Hill-Sachs lesion: diagnosis, classification, and management. Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons. 2012;20(4):242–252.
- Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC): Schulterinstabilität, aktuelle Fassung.
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