Hinteres Kreuzband: Anatomie, Verletzung & Behandlung
Das hintere Kreuzband ist ein zentrales Band im Kniegelenk, das die Rückwärtsbewegung des Schienbeins verhindert. Es zählt zu den stabilsten Bändern im menschlichen Körper.
Wissenswertes über "Hinteres Kreuzband"
Das hintere Kreuzband ist ein zentrales Band im Kniegelenk, das die Rückwärtsbewegung des Schienbeins verhindert. Es zählt zu den stabilsten Bändern im menschlichen Körper.
Was ist das hintere Kreuzband?
Das hintere Kreuzband (medizinisch: Ligamentum cruciatum posterius, kurz HKB) ist eines der vier Hauptbänder des Kniegelenks. Es verläuft im Inneren des Knies von der Rückseite des Schienbeins (Tibia) zur Innenseite des Oberschenkelknochens (Femur). Gemeinsam mit dem vorderen Kreuzband (VKB) bildet es das zentrale Stabilisierungssystem des Kniegelenks. Das hintere Kreuzband gilt als das stärkste Band im Kniegelenk und ist vor allem dafür zuständig, dass das Schienbein nicht nach hinten gegenüber dem Oberschenkelknochen verschoben wird.
Anatomie und Funktion
Das hintere Kreuzband ist etwa 38 mm lang und besteht aus zwei funktionellen Bündeln:
- Anterolaterales Bündel: Das größere, bei Kniebeugung gespannte Bündel.
- Posteromediales Bündel: Das kleinere, bei Kniestreckung gespannte Bündel.
Beide Bündel arbeiten zusammen, um eine stabile Führung des Knies in allen Bewegungsphasen zu gewährleisten. Zusätzlich wirkt das hintere Kreuzband als Rotationsstabilisator des Kniegelenks.
Ursachen einer Verletzung
Verletzungen des hinteren Kreuzbandes entstehen häufig durch direkte oder indirekte Krafteinwirkung auf das Kniegelenk. Typische Ursachen sind:
- Direkte Gewalt: Ein harter Aufprall auf die Vorderseite des gebogenen Knies, z. B. beim Autounfall (sogenanntes "Dashboard-Trauma") oder bei Kontaktsportarten.
- Sturz auf das gebeugte Knie: Beim Sport oder bei Unfällen im Alltag.
- Überstreckung des Knies: Eine extreme Rückwärtsbeugung kann das Band schädigen.
- Kombinationsverletzungen: Häufig sind gleichzeitig weitere Strukturen wie Menisken oder Seittenbänder betroffen.
Symptome
Symptome einer Verletzung des hinteren Kreuzbandes können unmittelbar nach dem Trauma auftreten oder sich erst später zeigen:
- Schwellung des Kniegelenks (Hämarthros, d. h. Blutansammlung im Gelenk)
- Schmerzen im hinteren Kniebereich
- Gefühl der Instabilität oder "Wackeligkeit" im Knie
- Einschränkung der Kniebeweglichkeit
- Probleme beim Treppensteigen oder beim Abwärtsgehen
In manchen Fällen ist der Schmerz zum Zeitpunkt der Verletzung überraschend gering, weshalb eine HKB-Verletzung oft erst verspätet diagnostiziert wird.
Diagnose
Die Diagnose einer HKB-Verletzung erfolgt durch eine Kombination aus klinischer Untersuchung und bildgebenden Verfahren:
- Klinische Tests: Der Hintere Schubladentest ist der wichtigste klinische Test. Der Arzt prüft hierbei, ob das Schienbein sich bei 90° Kniebeugung nach hinten verschieben lässt.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Die zuverlässigste Methode zur Beurteilung des Ausmaßes einer Bandverletzung und zur Erkennung von Begleitverletzungen.
- Röntgen: Dient zum Ausschluss von Knochenabrïssen oder Frakturen.
Behandlung
Konservative Therapie
Viele isolierte HKB-Verletzungen können ohne Operation behandelt werden, insbesondere bei Teilrissen oder geringen Stabilitätsdefiziten. Die konservative Therapie umfasst:
- Ruhigstellung und Kühlung in der Akutphase
- Physiotherapie zur Stärkung der kniestabilisierenden Muskulatur (insbesondere der hinteren Oberschenkelmuskulatur und der Wadenmuskulatur)
- Tragen einer speziellen Knieorthese
- Schmerztherapie mit entzündungshemmenden Medikamenten (z. B. Ibuprofen)
Operative Therapie
Bei vollständigen Rissen, Kombinationsverletzungen oder bei anhaltender Instabilität trotz konservativer Behandlung kann eine Operation notwendig sein. In der Regel wird das gerissene Band durch ein Transplantat (z. B. aus der eigenen Körpersehne oder einer Spendersehne) ersetzt. Der Eingriff erfolgt häufig arthroskopisch (Kniespiegelung), also durch kleine Schnitte mit einer Kameraführung.
Rehabilitation
Unabhängig von der Behandlungsform ist eine konsequente Rehabilitation entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Reha umfasst gezieltes Muskelaufbautraining, Gleichgewichtstraining und eine schrittweise Rückkehr zur sportlichen Belastung. Bis zur vollen Sportfähigkeit vergehen nach einer Operation in der Regel 9 bis 12 Monate.
Quellen
- Strobel MJ, Weiler A. - Diagnostik und Therapie der hinteren Kreuzband-Verletzung. Der Unfallchirurg, 2006.
- Petersen W, Zantop T. - Das hintere Kreuzband. Anatomie, Biomechanik und Therapie. Arthroscopy, 2007.
- Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) - Leitlinien zur Kniebandverletzung, 2020.
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