Hodgkin-Lymphom: Ursachen, Symptome & Therapie
Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Es zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen und ist bei frühzeitiger Behandlung gut heilbar.
Wissenswertes über "Hodgkin-Lymphom"
Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems. Es zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen bei jungen Erwachsenen und ist bei frühzeitiger Behandlung gut heilbar.
Was ist das Hodgkin-Lymphom?
Das Hodgkin-Lymphom (auch bekannt als Morbus Hodgkin oder Hodgkin-Krankheit) ist eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Systems, also des Körpergewebes, das an der Immunabwehr beteiligt ist. Es entsteht durch eine unkontrollierte Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen, sogenannter B-Lymphozyten. Charakteristisch für diese Erkrankung ist das Auftreten von sogenannten Reed-Sternberg-Zellen, die unter dem Mikroskop im Lymphknotengewebe nachgewiesen werden können.
Das Hodgkin-Lymphom tritt vor allem bei jungen Erwachsenen zwischen dem 20. und 35. Lebensjahr sowie bei älteren Menschen über 60 Jahren auf. Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen gilt es als gut behandelbar, mit hohen Heilungsraten, insbesondere im Frühstadium.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen des Hodgkin-Lymphoms sind nicht vollständig geklärt. Folgende Faktoren werden mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko in Verbindung gebracht:
- Epstein-Barr-Virus (EBV): Eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus, dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers, gilt als bedeutsamer Risikofaktor.
- Genetische Veranlagung: Personen mit einem erkrankten Geschwisterteil haben ein leicht erhöhtes Risiko.
- Immunschwäche: Menschen mit einem gesächwchten Immunsystem, z. B. durch HIV-Infektion oder Immunsuppression nach Organtransplantation, sind häufiger betroffen.
- Geschlecht: Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
Symptome
Das Hodgkin-Lymphom verursacht häufig folgende Symptome:
- Schmerzlose Lymphknotenschwellungen, vor allem am Hals, in der Achselhöhle oder in der Leiste
- B-Symptome: Fieber (über 38 °C), starker Nachtschweiß und unerklarter Gewichtsverlust von mehr als 10 % des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten
- Anhaltender Husten oder Atemnot bei Befall von Lymphknoten im Brustkorb
- Juckreiz am gesamten Körper (ohne erkennbaren Ausschlag)
- Allgemeine Müdigkeit und Leistungsschwäche
- Schmerzen in den Lymphknoten nach Alkoholkonsum (seltenes, aber charakteristisches Zeichen)
Diagnose
Die Diagnose des Hodgkin-Lymphoms erfordert mehrere Untersuchungsschritte:
Körperliche Untersuchung und Blutbild
Zunächst erfolgt eine körperliche Untersuchung mit Abtasten der Lymphknoten. Im Blutbild können erhöhte Entzündungsparameter sowie Veränderungen der Blutzellen auffallen.
Bildgebende Verfahren
Mittels Computertomografie (CT) oder PET-CT (Positronen-Emissions-Tomografie) werden betroffene Lymphknoten und Organe im Körper sichtbar gemacht. Das PET-CT ist besonders wichtig für die Stadieneinteilung und zur Therapieverlaufskontrolle.
Lymphknotenbiopsie
Die Biopsie eines vergrößerten Lymphknotens ist der entscheidende diagnostische Schritt. Im Labor wird das entnommene Gewebe auf das Vorhandensein von Reed-Sternberg-Zellen untersucht, was die Diagnose sichert.
Stadieneinteilung
Das Hodgkin-Lymphom wird nach der Ann-Arbor-Klassifikation in vier Stadien (I bis IV) eingeteilt, je nach Ausbreitung der Erkrankung im Körper. Diese Einteilung ist entscheidend für die Wahl der Therapie.
Behandlung
Das Hodgkin-Lymphom spricht sehr gut auf eine Behandlung an. Die Therapie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung, dem Alter des Patienten und dem allgemeinen Gesundheitszustand.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist das wichtigste Behandlungsverfahren. Das am häufigsten eingesetzte Protokoll ist das sogenannte ABVD-Schema (Adriamycin, Bleomycin, Vinblastin, Dacarbazin). Bei fortgeschrittenen Stadien oder aggressiveren Verläufen kann das escalBEACOPP-Schema angewendet werden.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wird häufig ergänzend zur Chemotherapie eingesetzt, um verbleibende Tumorzellen gezielt zu zerstören, insbesondere bei lokalen Befunden in frühen Stadien.
Zielgerichtete Therapie und Immuntherapie
Bei Rezidiven oder refrakären Erkrankungen stehen moderne Therapien zur Verfügung:
- Brentuximab Vedotin: Ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das gezielt CD30-positive Tumorzellen angreift.
- Checkpoint-Inhibitoren (z. B. Nivolumab, Pembrolizumab): Diese Immuntherapeutika reaktivieren das Immunsystem, sodass es die Krebszellen selbst bekämpfen kann.
Stammzelltransplantation
Bei Rückfällen (Rezidiven) kann eine autologe Stammzelltransplantation (mit eigenen Stammzellen) eine kurative Option darstellen.
Prognose
Das Hodgkin-Lymphom hat im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen eine sehr gute Prognose. Im Frühstadium (Stadium I und II) liegen die Fünf-Jahres-Überlebensraten bei über 90 %. Auch in fortgeschrittenen Stadien sind Heilungsraten von 70–80 % erreichbar. Langzeitfölgen der Therapie, wie Herzprobleme oder Zweitkarzinome, müssen in der Nachsorge berücksichtigt werden.
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, DGHO): S3-Leitlinie Hodgkin-Lymphom, 2022. Abrufbar unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de
- Engert A. et al. - Hodgkin Lymphoma: ESMO Clinical Practice Guidelines. Annals of Oncology, 2018.
- World Health Organization (WHO): Classification of Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues. IARC Press, Lyon, 2017.
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