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Hohe Tibiakopfosteotomie (HTO) – Eingriff, Ablauf & Prognose

Die hohe Tibiakopfosteotomie (HTO) ist ein operativer Eingriff am Kniegelenk zur Korrektur von Achsfehlstellungen, der häufig bei Gonarthrose eingesetzt wird.

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Wissenswertes über "Hohe Tibiakopfosteotomie"

Die hohe Tibiakopfosteotomie (HTO) ist ein operativer Eingriff am Kniegelenk zur Korrektur von Achsfehlstellungen, der häufig bei Gonarthrose eingesetzt wird.

Was ist die hohe Tibiakopfosteotomie?

Die hohe Tibiakopfosteotomie (kurz: HTO, auch Hochtibiaosteotomie genannt) ist ein operativer Eingriff, bei dem der obere Anteil des Schienbeins (Tibia) gezielt durchtrennt und in einem bestimmten Winkel neu ausgerichtet wird. Ziel des Eingriffs ist es, eine fehlerhafte Achsstellung des Beins – meist eine O-Bein-Stellung (Varusdeformität) – zu korrigieren und so die mechanische Belastung auf den Knorpel des Kniegelenks gleichmäßiger zu verteilen.

Der Eingriff wird bevorzugt bei jüngeren, aktiven Patienten eingesetzt, bei denen der Gelenkverschleiß (Gonarthrose) vorwiegend auf der Innenseite des Kniegelenks (mediale Gonarthrose) vorliegt. Durch die Achskorrektur wird die betroffene Gelenkinnenfläche entlastet und die Progression des Knorpelschadens verlangsamt oder aufgehalten.

Indikationen

Die hohe Tibiakopfosteotomie wird vor allem in folgenden Situationen empfohlen:

  • Mediale Gonarthrose (Kniegelenkverschleiß auf der Innenseite) in Kombination mit Varusfehlstellung (O-Bein)
  • Patienten unter 60 Jahren mit guter Knochenqualität und noch ausreichendem Restknorpel
  • Patienten, die körperlich aktiv bleiben möchten und eine Knieprothese so lange wie möglich hinauszögern wollen
  • Instabilität des Kniegelenks durch Bandverletzungen in Kombination mit Achsfehlstellung
  • Osteochondrale Defekte (Knorpel-Knochen-Schäden) als vorbereitende Maßnahme für eine Knorpeltherapie

Operationsverfahren

Es gibt zwei Haupttechniken der hohen Tibiakopfosteotomie:

1. Aufklappende Osteotomie (Open-Wedge-HTO)

Bei dieser Technik wird das Schienbein auf der Innenseite aufgeklappt und mit einem Keil aus Knochen oder einem Knochenersatzmaterial aufgeweitet. Die neue Position wird mit einer speziellen Metallplatte und Schrauben fixiert. Diese Methode ist heute die am häufigsten verwendete Technik, da sie eine präzise Korrektur des Korrekturwinkels ermöglicht.

2. Schließende Osteotomie (Closed-Wedge-HTO)

Hierbei wird ein Keil aus dem Knochen auf der Außenseite des Schienbeins entfernt und der Knochen dann zusammengeklappt. Diese Technik wird heute seltener angewendet, da sie technisch anspruchsvoller ist und das Risiko einer Schädigung des Wadenbeinnervs (N. peroneus) birgt.

Vorbereitung und Planung

Die präoperative Planung ist entscheidend für den Operationserfolg. Folgende Untersuchungen werden typischerweise durchgeführt:

  • Ganzbeinröntgenaufnahme (Panoramaröntgen): Zur Bestimmung der mechanischen Beinachse und des Ausmaßes der Fehlstellung
  • MRT des Kniegelenks: Zur Beurteilung des Knorpelschadens, der Menisken und Bänder
  • CT-Untersuchung (optional): Für eine detaillierte 3D-Planung des Eingriffs
  • Allgemeine präoperative Untersuchungen (Blutbild, EKG, Anästhesiegespräch)

Ablauf der Operation

Die Operation erfolgt in der Regel in Rückenlage des Patienten unter Spinal- oder Vollnarkose. Über einen kleinen Schnitt auf der Innen- oder Außenseite des Schienbeins (je nach Technik) wird der Knochen mit speziellen Sägen und Instrumenten durchtrennt und in die gewünschte Position gebracht. Zur Stabilisierung wird eine winkelstabile Platte mit Schrauben eingesetzt. Die Operationsdauer beträgt in der Regel zwischen 60 und 90 Minuten.

Nachbehandlung und Rehabilitation

Die Nachbehandlung ist ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungserfolgs:

  • Entlastung: In den ersten 6 Wochen nach der Operation wird das operierte Bein in der Regel nur teilbelastet (mit Unterarmgeh-Stützen).
  • Physiotherapie: Bereits frühzeitig werden spezielle Übungen zur Mobilisation, Kräftigung der Oberschenkelmuskulatur und Verbesserung der Koordination durchgeführt.
  • Vollbelastung: Die volle Belastung des Beins ist meist nach 8 bis 12 Wochen möglich, abhängig von der Knochenkonsolidierung.
  • Rückkehr zum Sport: Leichte sportliche Aktivitäten sind in der Regel nach 4 bis 6 Monaten möglich, sportartabhängig auch später.
  • Metallentfernung: Die eingesetzte Platte kann nach ca. 12 bis 18 Monaten in einem weiteren kleinen Eingriff entfernt werden, ist aber nicht zwingend notwendig.

Risiken und mögliche Komplikationen

Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der hohen Tibiakopfosteotomie bestimmte Risiken:

  • Wundinfektionen oder Knocheninfektionen (Osteitis)
  • Verögerung der Knochenheilung oder Pseudarthrose (fehlende Knochenbruchheilung)
  • Schädigung von Nerven (insbesondere N. peroneus) oder Gefäßen
  • Thrombose oder Lungenembolie
  • Implantatversagen oder Plattenbruch
  • Unzureichende oder übermäßige Korrektur der Achsstellung
  • Druckschäden am Knochen (avaskulare Nekrose)

Ergebnisse und Prognose

Bei sorgfältiger Patientenauswahl und korrekter Durchführung liefert die hohe Tibiakopfosteotomie sehr gute Langzeitergebnisse. Studien zeigen, dass bei geeigneten Patienten in über 80 % der Fälle nach 10 Jahren noch keine Knieprothese notwendig ist. Viele Patienten können nach der Operation wieder sportlich aktiv werden und berichten von einer deutlichen Schmerzreduktion sowie einer verbesserten Lebensqualität.

Quellen

  1. Lobenhoffer, P., Agneskirchner, J.D. (2003): Improvements in surgical technique of valgus high tibial osteotomy. Knee Surgery, Sports Traumatology, Arthroscopy, 11(3), 132–138.
  2. Brouwer, R.W. et al. (2014): Osteotomy for treating knee osteoarthritis. Cochrane Database of Systematic Reviews, Issue 12. DOI: 10.1002/14651858.CD004019.pub4.
  3. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU): Leitlinie Gonarthrose (S2k), AWMF-Registernummer 033-004.
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