Hormonpflaster: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Ein Hormonpflaster ist ein transdermales Pflaster zur Hormonersatztherapie, das östrogene oder Gestagene über die Haut abgibt und typisch in den Wechseljahren eingesetzt wird.
Wissenswertes über "Hormonpflaster"
Ein Hormonpflaster ist ein transdermales Pflaster zur Hormonersatztherapie, das östrogene oder Gestagene über die Haut abgibt und typisch in den Wechseljahren eingesetzt wird.
Was ist ein Hormonpflaster?
Ein Hormonpflaster (auch transdermales Hormonpflaster genannt) ist ein medizinisches Pflaster, das Wirkstoffe – in der Regel weibliche Geschlechtshormone wie Östrogen oder eine Kombination aus Östrogen und Gestagen – direkt über die Haut in den Blutkreislauf abgibt. Diese Form der Hormonzufuhr wird als transdermale Applikation bezeichnet. Das Pflaster umgeht dabei den Magen-Darm-Trakt und die erste Leberpassage, was es von oralen Hormonpräparaten unterscheidet.
Anwendungsgebiete
Hormonpflaster werden vor allem im Rahmen der Hormonersatztherapie (HRT) eingesetzt. Die häufigsten Einsatzgebiete sind:
- Wechseljahresbeschwerden (Klimakterium): Linderung von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Scheidentrockenheit.
- Osteoporoseprophylaxe: Vorbeugung von Knochenschwund bei Frauen nach der Menopause.
- Hormonmangel nach chirurgischer Entfernung der Eierstöcke (ovarielle Insuffizienz).
- Frühzeitige Menopause (vor dem 45. Lebensjahr).
Wirkmechanismus
Das Hormonpflaster enthält einen Wirkstoffdepot, der die Hormone über einen definierten Zeitraum – in der Regel 3 bis 7 Tage – kontinuierlich und gleichmäßig durch die Haut abgibt. Die Hormone gelangen so direkt ins Blut, ohne den Verdauungstrakt zu passieren. Dies hat den Vorteil, dass niedrigere Dosen ausreichend sind und Schwankungen im Hormonspiegel reduziert werden. Der Wirkstoff Östradiol, die bio-identische Form des körpereigenen Östrogens, ist am häufigsten im Einsatz.
Anwendung und Dosierung
Das Pflaster wird auf eine saubere, trockene und unbehaarte Hautfläche aufgeklebt, zum Beispiel am Bauch, an der Hüfte oder am Gesäß. Der Wechsel erfolgt je nach Präparat alle 3 bis 7 Tage. Frauen mit intaktem Gebärmutter erhalten zusätzlich ein Gestagen, um das Risiko einer Gebärmutterschleimhautverdickung (Endometriumhyperplasie) zu minimieren. Die Dosierung richtet sich nach dem individuellen Beschwerdebild und wird ärztlich festgelegt.
Wichtige Hinweise zur richtigen Anwendung
- Nicht auf gereizte, verletzte oder ölhaltig eingecremer Haut aufkleben.
- Applikationsstelle bei jedem Wechsel variieren, um Hautirritationen zu vermeiden.
- Das Pflaster sollte fest angedrückt werden und auch beim Baden oder Sport haften bleiben.
- Bei versehentlichem Ablösen sollte ein neues Pflaster sofort aufgeklebt werden.
Vorteile gegenüber oralen Hormonen
Da die Hormone bei transdermaler Anwendung nicht die Leber passieren, ist das Risiko für bestimmte Nebenwirkungen wie eine Erhöhung der Blutgerinnungsneigung (Thromboserisiko) geringer als bei oralen Präparaten. Hormonpflaster eignen sich daher besonders für Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko oder Lebererkrankungen.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente können Hormonpflaster Nebenwirkungen verursachen. Die häufigsten sind:
- Lokal: Hautreizungen, Rötungen oder Juckreiz an der Applikationsstelle.
- Systemisch: Spannungsgefühl in den Brüsten, Kopfschmerzen, Übelkeit, Wassereinlagerungen.
- Selten: Stimmungsschwankungen, Blutungsunregelmäßigkeiten (besonders in den ersten Monaten).
Gegenanzeigen und Vorsichtsmassnahmen
Hormonpflaster sind nicht geeignet für Frauen mit:
- Bekannten oder verdächtigen östrogenabhängigen Tumoren (z. B. Brustkrebs, Gebärmutterkrebs).
- Aktiven oder früheren venous Thrombosen oder Lungenembolien (hier besteht ein geringeres Risiko als bei oralen Hormonen, aber grundsätzliche Vorsicht ist geboten).
- Ungeklärten vaginalen Blutungen.
- Schwangerschaft oder Stillzeit.
- Schweren Lebererkrankungen.
Eine individuelle ärztliche Beratung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind bei der Anwendung von Hormonpflastern unbedingt erforderlich.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (2020). Verfügbar unter: www.dggg.de
- Stute P. et al.: Transdermale vs. orale Hormontherapie in der Menopause – ein klinischer Überblick. Gynecological Endocrinology, 2019.
- European Medicines Agency (EMA): Richtlinien zur Hormonersatztherapie. Verfügbar unter: www.ema.europa.eu
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